Alle willkommen
Sissacher «Cheesmeyer» pfeift auf Zertifikatspflicht

Ständerätin und Stammgast Maya Graf hat für solche «kontraproduktive Aktionen» kein Verständnis.

Simon Tschopp
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Das Café Bistro Cheesmeyer in der Begegnungszone.

Das Café Bistro Cheesmeyer in der Begegnungszone.

Kenneth Nars (Sissach, 17. September 2021)

Wird das Café Bistro Cheesmeyer in Sissach zum Geheimtipp unter Impfskeptikern? Alle Menschen seien willkommen, «egal, ob (un-) geimpft, (nicht) getestet, genesen, gesund, […] mit oder ohne Zertifikat». So stand es bis am Mittwoch auf einem Aushang beim Eingang des Cafés, schrieb die «Volksstimme». Die Bistro-Betreiber haben den Aushang auf Wunsch des Vermieters jedoch entfernt.

Chefin will keine Auskunft geben

Seit vergangenem Montag gilt unter anderem in Gastrolokalen die Zertifikatspflicht. Die Verantwortlichen des «Cheesmeyer» kümmert das aber nicht. Weshalb? Das wollte die bz von Chefin Susanne Schaffner wissen. Diese mochte sich gegenüber dieser Zeitung nicht äussern, auch wenn ihr Sohn bereits der «Volksstimme» Fragen beantwortet hat.

Die «Cheesmeyer»-Betreiber stützen sich laut dem Blatt aus dem Bezirkshauptort auf die in der Bundesverfassung garantierte Wirtschaftsfreiheit sowie auf das Diskriminierungsverbot. Die Covid-19-Zertifikatspflicht hat die Landesregierung beschlossen und ist zwingend. Man nehme einen Umsatzrückgang oder Probleme mit der Behörde in Kauf. Eine allfällige Busse werde das Bistro nicht zähneknirschend bezahlen, sondern anfechten, sagte Schaffners Sohn. Dem Lokal droht gar eine Betriebsschliessung, Gäste ohne Zertifikat riskieren eine Busse von 100 Franken.

Ständerätin Maya Graf will moralisch nicht werten

Die in Sissach wohnhafte Ständerätin Maya Graf ist regelmässig zu Gast im «Cheesmeyer». Sie will das Verhalten der Beizer moralisch nicht werten, «aber für solche kontraproduktiven Aktionen habe ich kein Verständnis». Es werde ihnen zu viel Aufmerksamkeit geschenkt, meint Graf und mahnt:

«Wir müssen einen respektvollen Umgang pflegen. Es ist schon genug Geschirr zerschlagen.»

Die Politikerin steht hinter der erweiterten Zertifikatspflicht, die eines der Instrumente sei, die uns den Weg aus der Pandemie zeige.

«Das Covid-19-Zertifikat ist sehr einfach zu handhaben und gibt ein Stück Normalität zurück»,

ist Maya Graf überzeugt, sie habe es diese Woche bis 15-mal gezeigt. Für sie ist es nicht diskriminierend und schränkt minimal ein. «Man kann sich regelmässig testen lassen, das ist zumutbar.» Die Baselbieter Ständerätin setzt sich dafür ein, dass das Testen vorläufig noch bis Ende Jahr gratis ist.

Polizei beginnt am Montag zu kontrollieren

Nachdem die Baselbieter Polizei während dieser Woche noch zurückhaltend gewesen ist, wird sie ab nächstem Montag mit Kontrollen beginnen. Auch das Kantonale Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit kann kontrollieren sowie das Sportamt Baselland in Sport- und Fitnesscentern.

Die Polizei wird laut ihrem Mediensprecher Adrian Gaugler Einrichtungen nach eigenen Feststellungen, aufgrund von Meldungen Dritter und mit gezielten Aktionen anschauen. Hinweisen aus der Bevölkerung müssten sie nachgehen.

«Wir werden Stichproben durchführen, flächendeckende Zutrittskontrollen sind nicht möglich»,

sagt Gaugler.

Bis jetzt musste die Polizei noch nicht eingreifen. Wird die Zertifikatspflicht verletzt, erfolgt in der Regel zuerst eine Abmahnung. Die Polizei appelliert an die Betriebe, sich an ihre Pflicht zu halten. Diese müssten sie mit den anderen kantonalen Behörden durchsetzen. Der Sprecher erklärt:

«Wir haben keinen Ermessensspielraum.»

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