Allschwil
Heute hässlich, in Zukunft ein Bijou: Allschwil träumt von einer rosigen Zukunft für die Binningerstrasse

Ziegelei und Letten in Allschwil sind eine zufällige Anhäufung von Gewerbegebäuden. Daraus sollen die privaten Grundeigentümer ein attraktives Quartier machen, lautet die Absicht der Gemeinde.

Michel Ecklin
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Tram, Platz für Velos und viel Grünraum: So stellt sich der Allschwiler Gemeinderat die zukünftige Binningerstrasse vor.

Tram, Platz für Velos und viel Grünraum: So stellt sich der Allschwiler Gemeinderat die zukünftige Binningerstrasse vor.

pool Architekten

Fährt man derzeit auf der Binningerstrasse durch das Allschwiler Ziegelei- und Letten-Quartier, sieht man rechts und links eine Anhäufung von Gewerbegebäuden. Dazwischen sind vor allem viele Parkplätze, zwischen denen man sich als Fussgänger und Velofahrer durchschlängeln muss. Bäume oder sonstige Grünflächen gibt es kaum. Nur vereinzelt sind Wohnbauten zu sehen.

Auf der Strasse selber ist viel Verkehr, der Bus steckt oft im Stau, und für Velofahrer ist es unangenehm gefährlich. Hierher kommt man, um zu arbeiten oder einzukaufen, denn es gibt viel Gewerbe und Läden. Aber schön ist es nicht.

Das Quartier ist begehrt

In Zukunft soll man mit dem Tram hierher fahren, in einer Allee mit einem breiten Grünstreifen in der Mitte. Die Parkplätze sind grösstenteils unterirdisch, die Strassen angenehm zum Einkaufen. Zwischen den historischen Bauten der Ziegelei sind neue Gebäude erstellt worden. Gewerbe, Dienstleistungen, Einkaufen und neu auch Wohnen koexistieren hier neben- und übereinander.

Hier zu arbeiten und zu wohnen, ist begehrt, weil der öffentliche Raum sorgfältig gestaltet ist und weil man mit dem öffentlichen Verkehr oder mit dem Velo rasch und zeitgemäss in die Stadt gelangt. Gegen Süden am Hang gibt es öffentliche Freiräume, ideal für die Mittagspause oder für die hier lebenden Kinder.

Das ist die Idee, die hinter dem 40-seitigen Masterplan Binningerstrasse steckt, den der Allschwiler Gemeinderat in den vergangenen vier Jahren mit dem ansässigen Gewebe ausgearbeitet hat. Vorangegangen war eine Testplanung. Die Richtlinien darin sind noch grob, sie sollen in den neuen Teilzonenplan einfliessen, den der Einwohnerrat noch verabschieden soll.

Vollständig im Privatbesitz

Unter dem Strich soll es in der Ziegelei zusätzlich rund 500 Arbeitsplätze und Wohnraum für rund 1'100 Bewohner geben. Gleichzeitig soll das bereits ansässige Gewerbe dableiben.

«Das Ziel ist nicht, alles neu zu bauen, sondern das Bestehende weiter zu entwickeln»,

sagte Gemeinderat Christoph Morat gestern bei der Präsentation des Masterplans. Aus einem bisher eher zufällig gewachsenen Gewerbegebiet soll ein attraktives, gemischtes Quartier werden.

Die Entwicklung zu lenken, ist keine einfache Aufgabe, denn das Areal befindet sich vollständig im Privatbesitz. Zudem befürchtet das ansässige Gewerbe bei solchen Umwandlungen erfahrungsgemäss, vom lukrativen Wohnungsbau verdrängt zu werden.

«Es gab lange Diskussionen mit den Grundeigentümern und mit den grossen und kleinen Firmen hier»,

sagt Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli. Das Ergebnis sei ein Kompromiss. Vereinfacht gesagt lautet der Deal mit den Grundeigentümern: Sie stellen gewisse Flächen für öffentlichen Freiraum zur Verfügung.

Im Parterre nur Läden

Dafür dürfen sie andernorts verdichten und lukrativen Wohnraum erstellen. In einigen Gebieten sollen sie sogar in die Höhe bauen dürfen, wobei die Sockelgeschosse immer dem Einkaufen und Dienstleistungen vorbehalten sein sollen. Die Nutzungsziffer soll rund 1,5 betragen. «Wir streben eine mässige Entwicklung an», sagt Morat.

Die Unternehmen würden aber auch direkt von der Aufwertung profitieren, sagt Oliver Scheidegger, Geschäftsführer der Morath AG, der ein Grossteil des Bodens gehört:

«Im Kampf um die guten Mitarbeiter müssen wir heutzutage etwas bieten.»

Dazu gehörten etwa ein Tram zum Bahnhof und ein angenehmes Quartier rund um den Arbeitsplatz. Auf einen See, wie das Herzog & de Meuron in der Testplanung vorgesehen hatten, werden die Arbeitnehmer und Bewohner allerdings sehr wahrscheinlich verzichten müssen.

Seinen Beitrag leistet schliesslich der Kanton mit der Umgestaltung der Binningerstrasse und der Verlängerung des 8ers um etwa einen Kilometer bis zum Schulhaus Gartenhof. Läuft der planerische und politische Prozess wie vorgesehen, ist der Baubeginn für das Tram im Jahr 2026. Die Umgestaltung der Privatflächen ist hingegen ein Projekt mit offenem Zeithorizont.