Flugzeugtaufe
«Allschwil» soll ein «fliegender Botschafter» sein

Die Swiss tauft einen neuen Airbus auf den Namen einer Fluglärm-belasteten Gemeinde Allschwil. Es geht dabei gemäss der Fluggesellschaft aber nicht um einen Beschwichtigungsversuch gegenüber Flughafen-Anrainern.

Daniel Haller
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Der Allschwiler Gemeindepräsident Anton Lauber tauft den neuen Airbus A320 auf dem Namen «Allschwil». Nicole Nars-Zimmer

Der Allschwiler Gemeindepräsident Anton Lauber tauft den neuen Airbus A320 auf dem Namen «Allschwil». Nicole Nars-Zimmer

Cüpli-Anlass am Euro-Airport: Die Lufthansa-Tochter Swiss International Airlines taufte gestern ihren neuesten Airbus A320 auf den Namen «Allschwil». «Als nationale Fluggesellschaft der Schweiz taufen wir unsere Flugzeuge auf die Namen von Schweizer Städten und Gemeinden», teilt Swiss-Pressesprecherin Sonja Ptassek mit. Dabei berücksichtige die Swiss in erster Linie Kantonshauptorte und Flughafen-nahe Gemeinden. «So werden die Flugzeuge zu fliegenden Botschaftern, welche die Schweiz in die weite Welt hinaustragen.» 2007 seien bereits zwei Flugzeuge auf die Namen «Basel» und «Liestal» getauft worden. Den Kommunen würden dadurch keine Kosten entstehen. Es gehe dabei nicht um einen Beschwichtigungsversuch gegenüber Flughafen-Anrainern.

Binningen sagte vor zwei Jahren ab

Der Name einer Fluglärm-geplagten Gemeinde als Swissness-Botschafter – ein Widerspruch? Zumindest in Binningen hat der Gemeinderat dies im Sommer 2008 so empfunden. Er teilte dem in Arlesheim wohnenden Swiss-Vizedirektor Paul Kurrus mit, er habe sich zwar über dessen Angebot, die Gemeinde Binningen als Patin für eine Flugzeugtaufe zu berücksichtigen, gefreut. «In Anbetracht der momentanen Situation betreffend Fluglärmbelastung und den zahlreichen Klagen aus der Bevölkerung erachtet es der Gemeinderat jedoch zum jetzigen Zeitpunkt als nicht richtig, einem Flugzeug den Namen ‹Binningen› zu geben.»

Gemeindepräsident Charles Simon erinnert sich: «Es ging um einen Jumbolino, also eine relativ laute Maschine.» Bereits 1989 sei eine MD 11 auf den Namen «Binningen» getauft worden. Daran erinnert sich auch Kaspar Burri, Präsident des Schutzverbands der Bevölkerung um den Flughafen Basel-Mülhausen. Sein Fazit zur gestrigen Taufe des «Allschwil»-Airbusses: «Wäre ich Bewohner von Allschwil, würde mich dies wütend machen.»

«Konstruktiver Ansatz»

Ganz anders sieht dies der Allschwiler Gemeindepräsident Anton Lauber: «Wir haben die Frage im Gemeinderat besprochen und sind der Auffassung, dass dieser Flugzeug-Name eine Wertschätzung für die Gemeinde bedeutet.» Dies ändere nichts an der Tatsache, dass Allschwil unter dem Fluglärm leidet. «Doch wir haben immer einen konstruktiven Ansatz verfolgt und nie verlangt, dass der Flughafen geschlossen würde.» So sei eine Flugzeugtaufe auch eine Möglichkeit, Grundlagen für kommende Diskussionen zu legen.

«Die Gemeinde Allschwil wird übermässigen Fluglärm weiterhin bekämpfen.» Dabei gehe es um eine Optimierung: Die Bedürfnisse des Wirtschaftsstandorts müssten mit dem Ruhebedürfnis der Anwohner ins Gleichgewicht gebracht werden, indem man nur so viele Emissionen wie nötig zulasse. «Wir müssen jedoch anerkennen, dass diverse Biotech-Firmen den Standort Allschwil nicht zuletzt wegen der Nähe zum Flughafen und der internationalen Erreichbarkeit gewählt haben», erklärt Lauber. «Da wir hohen Wert auf die Wirtschaftsförderung legen, wäre eine Fundamentalopposition gegen den Flughafen weltfremd.»

Ähnlich sieht dies der Reinacher Vize-Gemeindepräsident Hans-Ulrich Zumbühl: «Reinach wurde noch nie als Namensgeber für ein Flugzeug angefragt. Ich würde mich aber dafür aussprechen, dass wir so ein Angebot annehmen. Man sollte diese Frage nicht an den Fluglärm koppeln.» Dies wird auch der Airbus «Allschwil» nicht: Er wird von Zürich und Genf aus starten und somit die Allschwiler verschonen.