Bevölkerung
Allschwil wartet seit einem halbem Jahr auf den 20000. Einwohner

Das Geschenk steht bereit, der Empfang im Gemeindehaus ist organisiert: Allschwil wartet seit Mitte 2012 auf den Einwohner Nummer 20000, doch dieser ist bis heute nicht eingetroffen. Zurzeit wird ein Neubau bezogen – die 20000er-Marke könnte also doch bald geknackt sein.

Benjamin Wieland
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Allchwil wartet schon lange auf den 20'000. Einwohner - bald könnte die Zahl geknackt werden.

Allchwil wartet schon lange auf den 20'000. Einwohner - bald könnte die Zahl geknackt werden.

Kenneth Nars

Täglich überprüft ein Angestellter der Allschwiler Einwohnerdienste die Bevölkerungszahlen. Um den Tag nicht zu verpassen – den Tag, an dem sich der 20'000. Einwohner anmeldet. Und dieser Tag sollte schon längst da sein. Ende 2011, spätestens jedoch Mitte 2012 würde die symbolträchtige Zahl überschritten, teilte die Allschwiler Gemeindeverwaltung im Juni 2011 mit. Dann sei Allschwil definitiv die grösste Stadt im Baselbiet seit Augusta Raurica.

Seither hat Allschwil weiter an der 20'000-Einwohner-Marke gekratzt – geknackt wurde sie nicht. Auch bei den aktuellsten Zahlen aus dem dritten Quartal des vergangenen Jahres fehlen mit 19'864 Bewohner immer noch etwas mehr als hundert bis zur «Schallmauer».

Lauber wagt nur vage Prognose

Nach den Fehlprognosen will sich Allschwils Gemeindepräsident Anton Lauber nicht mehr auf die Äste hinauswagen. «Von mir kriegen sie kein Datum mehr», sagt er und lacht. Dann wagt er es doch: Die Marke werde 2013 geknackt. Etwas exakter ist die Verwaltung: Heinz Schäfer, Leiter der Einwohnerdienste, nennt die neuesten Zahlen: 33 Personen würden noch fehlen – 19'967 Personen seien angemeldet. Stand: Dienstag, 12. Februar. Zurzeit würden gerade zwei Neubauten mit insgesamt 25 Wohnungen bezogen, weiss Schäfer: «Es kann jetzt also schnell gehen». Aber auch von ihm gibts kein exaktes Datum.

Man ist vorsichtiger geworden im erfolgsverwöhnten Allschwil. Neubauten seien nicht automatisch ein Garant für einen Bevölkerungsgewinn, gibt Lauber zu bedenken. Grund: In der Schweiz wird pro Person immer mehr Wohnraum beansprucht, und das seit Jahren. «Das heisst, dass der Zuwachs an Wohnfläche häufig von den gestiegenen Flächenbedürfnissen gleich wieder konsumiert wird», weiss Lauber. Dass Allschwil in den vergangenen Jahren trotzdem gewachsen ist, lag vor allem an den beiden Grossüberbauungen auf dem Elco- und dem Ziegelei-Areal.

Bevölkerungsentwicklung in der Basler Agglo

Bevölkerungsentwicklung in der Basler Agglo

Barbara Adank

Reinach, jahrelang Nummer eins im Kanton, fehlen solche Projekte. Zwar steckt mit der Überbauung «Alter Werkhof» eine Grossüberbauung in der Pipeline, doch in den letzten fünf Jahren kam die Bautätigkeit weitgehend zum Erliegen. Dementsprechend wurde der langjährige Spitzenreiter 2007 von Allschwil überholt.

Im selben Jahr erreichte paradoxerweise die Reinacher Bevölkerungszahl mit 18 900 Einwohnern ihren historischen Höchststand. Seither zeigt die Kurve wieder leicht nach unten.

Jährlich hundert Wohnungen

«Wir müssten in Reinach jedes Jahr hundert zusätzliche Wohneinheiten bauen, damit die Bevölkerung nicht schrumpft», sagt Peter Leuthardt, Leiter der Technischen Verwaltung. Auf diese Zahl kommt die Verwaltung mit einer «Milchbiechli»-Rechnung: Im Schnitt beansprucht jeder Bewohner pro Jahr einen halben Quadratmeter Wohnfläche mehr. Bei rund 20 000 Bewohnern und einer durchschnittlichen Wohnungsgrösse von hundert Quadratmetern kommt man so auf die jährlich hundert zusätzlichen Wohnungen. Mit dem «Alten Werkhof» und Verdichtungen könne die Einwohnerzahl knapp gehalten werden, gibt sich Leuthardt zuversichtlich, «bauen wir hingegen nichts, so werden wir das sofort zu spüren bekommen». Das sei zwar nicht dramatisch, so Leuthardt weiter, aber es gehe auch darum, die Steuereinnahmen zu halten.

Pratteln wiederum, mit 15 300 Einwohnern an vierter Stelle im Kanton, kann sich nicht über fehlende Neubauprojekte beklagen: In den nächsten Jahren wachsen mit dem Ceres-Tower, dem Helvetia-Tower und dem Aquila-Turm gleich drei Hochhäuser in den Prattler Himmel. Alle drei Projekte haben einen hohen Wohnanteil, was für Gemeindepräsident Beat Stingelin sehr erfreulich ist: «Damit sollten wir die Einwohnerzahl zumindest halten können.» Laut Legislaturziel seien für Pratteln im Jahr 2020 sogar 16 000 Einwohner vorgesehen.

Bis dann sollte der 20 000. Allschwiler längst eingetroffen sein. Auf ihn wartet ein Geschenk – und ein Empfang im Gemeindehaus. Um allfällige Peinlichkeiten zu verhindern, schlugen die Brüehl Waggis am diesjährigen «Schwellemer» Fasnachtsumzug Vorsichtsmassnahmen vor: «E Casting muess er zerschst passiere, um sich würdig z präsentiere.»