Öffentlicher Verkehr
Allschwil will den 8er bis zu den Hochhäusern verlängern

Obwohl es die Gemeinde Allschwill ist, die den 8er zum Letten verlängern möchte, müsste der Kanton das Vorhaben umsetzen.

Michel Ecklin
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Wird das Gewerbegebiet verdichtet, fordert die Gemeinde ein Tram auf der Binningerstrasse.

Wird das Gewerbegebiet verdichtet, fordert die Gemeinde ein Tram auf der Binningerstrasse.

Allschwil will im Gebiet Ziegelei und Letten nicht mit der kleinen Kelle anrichten. Im Regionalen Entwicklungskonzept (REK) ist südlich der Binningerstrasse eine Verdichtung vorgesehen. Die Visualisierungen zeigen anstelle der jetzigen Parkplätze einige massive Bauten. «Hochhäuser sind in Allschwil noch kein Schimpfwort», sagt Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli (FDP). Angedacht ist einerseits, die bestehende gewerbliche Nutzung zu erweitern. Andererseits soll auch das Wohnen ermöglicht werden.

Falls südlich der Binningerstrasse gewohnt werden soll, ist für Nüssli klar: Dann braucht es zur Erschliessung ein Tram, nämlich die Verlängerung des 8ers von der Neuweilerstrasse her. Im REK ist die Rede von einer Wendeschlaufe bei der Fabrikstrasse (Gebiet Letten). «Wir haben Interesse an einer guten Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr», sagt Nüssli. Denn mit dem Individualverkehr komme man sonst an den Anschlag. «Allschwil ist sehr städtisch», sagt sie. «Das Bewusstsein dafür ist in den letzten Jahren gestiegen. Das spricht für die Verlängerung des Trams.»

Der Entscheid fällt aber nicht in Allschwil, sondern beim Kanton – und zumindest dessen Planer sind nicht abgeneigt. Daniel Schoop, Verkehrsplaner in der Bau- und Umweltschutzdirektion, sagt: «Grundsätzlich ist es erstrebenswert, städtebauliche Verdichtungen und hochwertige öV-Erschliessungen aufeinander abzustimmen. Allschwil zeigt das im REK vorbildlich auf.» Im kantonalen Richtplan ist die Gegend als Entwicklungsgebiet eingezeichnet, und ein verlängerter 8er ist Bestandteil der bikantonalen Studie «Strategische Planung Tramnetz Region Basel 2020», die beide Kantonsparlamente abgesegnet haben. Die Studie wird derzeit aktualisiert. Schoop geht davon aus, dass der verlängerte 8er Bestandteil bleibt.

Druck auf Kanton wird steigen

Dort ist die Rede von grob geschätzten 20 Millionen Franken, die ein Tram bis zum Letten kosten würde. Nüssli ist guten Mutes, dass diese politische Hürde genommen werden kann. Ihr Argument: «Auch der Kanton hat Freude, wenn wir das Gebiet entwickeln und so Steuern generieren.» Auch die Allschwiler Landräte glauben, dass das Kantonsparlament eine Tramverlängerung absegnen könnte. «Wenn ich schaue, für was wir sonst Geld ausgegeben haben, dann sollte auch für unser Tram etwas übrig sein», sagt Matthias Häuptli. Für den Allschwiler Landrat Andreas Bammatter ist klar: «Spätestens, wenn sich das konsumorientierte Gewerbe auf der Achse Binningerstrasse entwickelt und die Publikumsströme anschwellen, steigt der Druck auf den Kanton, mit Allschwil mitzuziehen und die Linie zu bauen.»

Sein Ratskollege Felix Keller hält die Umsetzungschance für «intakt» - falls die Fakten auf den Tisch lägen, etwa die exakten Kosten, den Platzbedarf, ob Enteignungen nötig seien und wo genau die Endschlaufe gebaut würde. «Wir brauchen ein Vorprojekt, um entscheiden zu können», sagt er.

Gewerbe ist skeptisch

Doch vorerst muss aus Allschwil das klare Signal kommen, dass man südlich der Binningerstrasse verdichten will und daher ein Tram wünscht. So weit ist man nämlich nicht, wie Nüssli betont. Das REK befindet sich erst in der Vernehmlassungsphase. Beim jetzt ansässigen Gewerbe bestehe die Befürchtung, vom Wohnen verdrängt zu werden, so die Gemeindepräsidentin. Und mit dem Tram werde der Verkehr auf der Binningerstrasse verlangsamt. Für sie ist deshalb klar: «Wir brauchen jetzt erstmal die Unterstützung aller betroffenen Player in Allschwil.»