Abgelehnt
Allschwil will keinen elektronischen Bademeister

Begleitpersonen sollen beim Schwimmunterricht die Schüler beaufsichtigen – und nicht Computer. Die geprüften Produkte seien zwar sinnvolle Ergänzungen, aber kein Ersatz für Aufsichtspersonen.

Benjamin Wieland
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Schwimmunterricht

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AZ

Der Allschwiler Gemeinderat will keine elektronischen Bademeister anschaffen. Das schreibt er in einer Antwort auf ein Postulat aus dem Einwohnerrat. Der Vorstoss hatte unter anderem gefordert, dass der Einsatz von elektronischen Ertrinkenden-Erkennungssystemen beim Schwimmunterricht in den Primarschulen zumindest geprüft wird. Derartige Apparaturen stehen bereits in verschiedenen Bädern der Schweiz erfolgreich im Einsatz.

«Die zu beaufsichtigenden Kinder sollen nicht der Technik überlassen werden», schreibt der Gemeinderat in seiner Antwort. Es dürfe gar nicht so weit kommen, dass ein Alarm ausgelöst werden müsse.

Trotzdem begutachtete der Gemeinderat verschiedene Produkte auf dem Markt. Die Detektionssysteme, die mit Kameras und Bildanalyse arbeiten, schlagen Alarm, wenn sich ein Mensch ungewöhnlich lange unter der Wasseroberfläche befindet. Ein Hersteller arbeitet mit Armbändchen mit integriertem Mikrocomputer. Auch dieser misst ständig Tiefe und Zeit. Drei Systeme werden von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) empfohlen.

Keine Eltern am Beckenrand

Alle geprüften Produkte seien zwar «sinnvolle Ergänzungen», hält der Gemeinderat fest, «ersetzen jedoch die Aufsichts- und Begleitpersonen nicht.» Geld in die Hand nehmen muss Allschwil aber trotzdem. Denn das Baselbieter Amt für Volksschulen empfiehlt seit Mitte 2014 dringend das Vier-Augen-Prinzip im Schwimmunterricht. Es sollte also bei Klassengrössen ab 17 Schülern neben der Lehrerin oder dem Lehrer mindestens eine weitere Person anwesend sein. Die Begleiter sollten zudem über das Brevet Basis Pool verfügen.

In einer Anfangsphase behalf sich die Gemeinde damit, dass Eltern dem Schwimmunterricht beiwohnten. Doch dies könne «keine dauerhafte Lösung sein», schreibt der Gemeinderat. Er schlägt als Alternative vor, dass Schwimmlehrerlehrer sowie «Schwimmbegleitpersonen» die Lehrkräfte entlasten. Die Schwimmlehrer kämen bei den 1.- bis 3.-Klässlern zum Einsatz – die Begleitpersonen ab der 4. Klasse. Laut Gemeinderat vermitteln die Begleitpersonen keine Lerninhalte, sondern unterstützen die Lehrer unter anderem bei der Überwachung des Wassers. Die Schwimmlehrer hingegen würden sich gänzlich dem Unterricht widmen – die Lehrer könnten dann die Aufsicht übernehmen.

Das zusätzliche Personal am Beckenrand ist teuer. Allschwil veranschlagt für Schwimmlehrer und Begleiter 26 000 Franken pro Jahr. Zum Vergleich: Die Ertrinkenden-Erkennungssysteme hätten nur schon bei der Beschaffung zwischen 60 000 (Armbändchen) und 200 000 (fix installierte Kameras) gekostet.

Allschwil ist bei der Umsetzung des Vier-Augen-Prinzips im Schwimmunterricht führend unter den Baselbieter Gemeinden. Noch muss der Einwohnerrat der Abschreibung des Vorstosses zustimmen. Mit der vorgeschlagenen Lösung geht der Gemeinderat auch ein weiteres Problem an: Immer mehr Lehrerinnen und Lehrer hätten sich «vor dem Schwimmunterricht gefürchtet» und von diesem dispensieren lassen, schreibt er. Nun könnten sie wohl bald etwas Verantwortung abgeben.