Geld
Allschwiler Tagesmütter verlangen mehr Lohn

8.95 Franken pro Stunde und Kind bietet die Gemeinde Allschwil Tagesmüttern. Diese winken ab.

Claudia Maag
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Nach Querelen mit der Stiftung Tagesheime Allschwil übernahm die Gemeinde die Buchhaltung für deren Tagesmütter – nun liegt sie mit diesen im Clinch. (Symbolbild)

Nach Querelen mit der Stiftung Tagesheime Allschwil übernahm die Gemeinde die Buchhaltung für deren Tagesmütter – nun liegt sie mit diesen im Clinch. (Symbolbild)

KEYSTONE

«Ganz klar: nein», sagt Tagesmutter Jasmine Cosmai (37). Sie habe den Arbeitsvertrag der Gemeinde nicht unterschrieben. Nach dem Knatsch zwischen Gemeinde und der Stiftung Tagesheime Allschwil (STTA) wegen finanzieller Unstimmigkeiten (bz berichtete) kündigte die STTA den Tagesmüttern im Dezember. Damit war die Gemeinde gefordert, per 1. April eine neue Lösung zu suchen. Sie sollte dafür sorgen, dass bei den Verträgen keine Lücke entsteht und reglementarische Grundlagen schaffen. Des Weiteren gewährleistet die Gemeinde künftig Leitung, Vermittlung, Qualitätssicherung, Fakturierung und Subventionierung.

Die Tagesfamilien sollten per 1. April direkt von der Gemeinde angestellt werden. Allerdings sitzt die Behörde nun auf nicht unterschriebenen Verträgen und die Situation ist für Tagesmütter wie Eltern unklar. Cosmai erzählt: «Ich glaube, zwei haben unterschrieben – von 27». Die Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli-Kaisers weiss darauf keine Antwort. «Was soll ich denn machen? Wir haben nach wie vor die Absicht, mit den Tagesmüttern einen Vertrag abzuschliessen. Wir haben aber auch noch andere Aufgaben. So müssen wir dafür sorgen, dass die Steuergelder so eingesetzt werden, wie es der Einwohnerrat verlangt.»

Am Mittwochabend trafen sich drei Vertreter der Gemeinde mit Cosmai und zwei weiteren Tagesmüttern. Die Gemeindepräsidentin war nicht anwesend. Auf das Treffen angesprochen, antwortet Nüssli: «Ich bin der Meinung, wir haben alles gemacht, um die Tagesmütter aufzufangen. Mir ist nicht klar, ob und wo wir aneinander vorbeireden.» Etwas anders klingt es bei Cosmai: «Das hat gar nichts gebracht. Unser Hauptanliegen waren die Lohnkonditionen. Diese wurden aber nicht besprochen. Die Behördenmitglieder sagten nur, sie könnten da nichts machen ...» Die Tagesmütter hätten das Treffen aber genau deshalb gewollt. Das brachten sie im Vorfeld auch in ihren eingeschriebenen Brief zum Ausdruck, der zu dem Treffen führte. «Sie sagten, die Tagesmütter sollten die Verträge unterschreiben. Ich empfinde es ganz fest als Druck durch die Gemeinde. Aber jede Tagesmutter muss das für sich entscheiden.»

Wie viel denn nun?

Es ist augenfällig, dass mit unterschiedlichen Lohnkosten hantiert wird. Die Tagesmütter sprechen auf ihrer Homepage von einem Grundlohn von 6 Franken, der viel zu tief sei. Gemäss Nüssli stimmt der Betrag; es kommen allerdings noch der 13. Monatslohn-Anteil, eine Feiertags- und Ferienzulage sowie eine pauschale Spesenentschädigung hinzu. Dies ergibt den Bruttolohn.

Ein Artikel in der «Tageswoche» erweckte den Anschein, die Zulagen seinen etwas neues. Dies verneint Nüssli. Die Tagesmütter erhielten bereits bei der STTA einen Grundlohn plus Zulagen. Ein Vergleich einer alten und neuen Lohnabrechnung, welche der bz vorliegt, bestätigt das. Fakt ist: Als Bruttolohn bleibt einer Tagesmutter pro Stunde und Kind neu nur noch 8.95 Franken, während es früher 11.65 waren. Das sind 23 Prozent weniger. Nüssli sagt, die Gemeinde habe dies mit anderen Tagesfamilienorganisationen der Region und den Empfehlungen vom Fachverband Kibesuisse verglichen. «Wir waren bisher überall wesentlich darüber. Jetzt sind wir es noch teilweise.» Als Reaktion auf das Treffen haben viele Tagesmütter gegen die Kündigung Einspruch erhoben. Sie sammeln Unterschriften für eine Petition. «Ich habe das Gefühl, es sieht gut aus», so Cosmai. «Wir haben viele Reaktionen.» Am 11. April treffen sich beide Parteien erneut. Was erwartet Cosmai? «Keine Ahnung», sagt sie. Und lacht hilflos.