Wahl
Als Präsidentin der HKBB will Schneider-Schneiter will in Bern stärker lobbyieren

Mit der Nationalrätin als Präsidentin will der Verband in Bundesbern noch präsenter sein. Unter anderem gehe es dabei um Freihandel und die Bilateralen

Tobias Gfeller
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Elisabeth Schneider-Schneiter will künftig im Nationalrat noch stärker für die regionale Wirtschaft lobbyieren.

Elisabeth Schneider-Schneiter will künftig im Nationalrat noch stärker für die regionale Wirtschaft lobbyieren.

KEYSTONE

Die Biel-Benkemer CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter wurde am Dienstagabend vom Vorstand der Handelskammer beider Basel (HKBB) zur künftigen Präsidentin gewählt. Sie löst in einem halben Jahr Thomas Staehelin ab, der während 16 Jahren die Handelskammer präsidierte. Die einstimmige Wahl des 29-köpfigen Vorstandes – indem unter anderem auch Schneider-Schneiter sitzt – überrascht nicht. Und es verdeutlicht, was die designierte Präsidentin am Mittwoch an ihrer Vorstellung gleich auch selber bemerkte: «Die Musik spielt immer mehr in Bern und im Ausland – allen voran in Europa, dem wichtigsten Handelspartner der Schweiz.»

Netzwerk in Bundesbern

Als Nationalrätin und Vizepräsidentin der Aussenpolitischen Kommission sei Schneider-Schneiter prädestiniert, die Interessen der handelnden Unternehmen der Region Basel in Bern zu vertreten. «Wir wollen unsere Anliegen in Bundesbern noch besser anbringen. Das ist unser Hauptziel», erklärte Staehelin. Es gehe unter anderem um Freihandel und die Bilateralen. Schneider-Schneiter sei mit ihrem Netzwerk in Bundesbern und ihren Beziehungen zu diversen Organisationen dafür bestens geeignet.

Stimmen aus Bern

«Amt gibt Schneider nicht mehr Gewicht»

Elisabeth Schneider-Schneiter zeigt sich überzeugt, als Handelskammer-Präsidentin ihren Einfluss in Bundesbern stärker spielen lassen zu können. Dort sind die ersten Reaktionen aber nur verhalten optimistisch: «Wegen dieses Amts wird sie im Parlament nicht mehr Gewicht erhalten», sagt Hans-Peter Portmann. Der Zürcher FDP-Nationalrat meint aber, dass Schneider dadurch mehr wirtschaftliches Know-how erwerben werde. «Und das wird sie stärken.» Für den Glarner BDP-Nationalrat Martin Landolt hat Schneider «die Relevanz und Akzeptanz, um den Anliegen der Region Basel ein Gesicht zu geben». Die Kombination der beiden Ämter sei sicher kein Nachteil. Einen Seitenhieb nicht verkneifen kann sich der Zürcher SVP-Nationalrat Thomas Matter: «Die Wahl ist natürlich super für die Bürgerlichen im Parlament, dann wird die CVPlerin Schneider endlich auch die Wirtschaft vertreten.» (dbA/mn)

Die Handelskammer beider Basel ist gemäss Staehelin «die bei weitem aktivste kantonale Handelskammer». Schneider-Schneiter möchte die Arbeit ihres Vorgängers so fortführen und die Dossiers noch mehr von Basel nach Bern und umgekehrt bringen. «Die Region Basel soll in Bern gehört werden. Bern soll aber auch vermehrt wieder nach Basel kommen.» Mit dem Stichwort «Diversität» wolle sie versuchen, wieder mehr Industrie nach Basel zu lotsen. «Auch möchte ich die Digitalisierung mit Basel verbinden und vermehrt Startups nach Basel holen.» Als wichtigstes kurzfristiges Ziel sieht Schneider-Schneiter die Abstimmung und mögliche Umsetzung der Unternehmenssteuerreform III und die für die Region wichtige Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative.

Mit Elisabeth Schneider-Schneiter als Präsidentin und Franz Saladin (FDP) als Direktor stehen künftig der Handelskammer beider Basel zwei Baselbieter vor. Für Staehelin kein Problem. «Für uns ist die Region die entscheidende Grössenordnung. Uns ist klar: Es geht um die Gesamtregion und deren Wohlstand.» Dies sieht auch die vehemente Befürworterin einer Kantonsfusion Schneider-Schneiter so. «Die Wirtschaft kennt keine politischen Grenzen. Wir sind eine Wirtschaftsregion. Dies ist massgebend und nicht Kantons- und Politikgrenzen.»

Es sei ihr auch ein Anliegen, mit den verschiedenen Wirtschaftsverbänden der Region zusammenzuarbeiten. Direktor Saladin stellt klar: «Es ist nicht so, dass wir unter den Verbänden immer weiter auseinanderdriften, auch wenn wir mal unterschiedlicher Meinung sind.» Damit spricht er unter anderem das an der Urne abgelehnte Energiegesetz der Baselbieter Wirtschaftskammer an, das er selber bekämpfte. Schneider-Schneiter und Saladin riefen gestern nicht zum Kampf gegen die Wirtschaftskammer auf. «Sie ist mehr fürs Gewerbe im Baselbiet zuständig, wir für die handelnden Betriebe», so die designierte Präsidentin diplomatisch.

Für das Präsidium der Handelskammer beider Basel, das mindestens ein 20 Stellenprozent-Amt sei, wird Schneider-Schneiter ihre Ämter und Mandate neu ordnen. «Ich werde mein Portfolio überdenken. Ich möchte jene Mandate behalten, die mit meinem politischen Amt in Verbindung stehen.»