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Als Rentner nach Thailand: Weshalb dieses Ehepaar aus Itingen auswandert

Die Nielsens brechen ihre Zelte in Itingen ab und bauen sich in Thailand eine neue Existenz auf.

Simon Tschopp
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Ehepaar Nielsen aus Itingen wandern nach Thailand aus
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Das Haus ist schon fast ganz leer ...
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Permanente Ferienstimmung: Der Strand von Hua Hin, wo das Ehepaar Nielsen künftig wohnen wird.

Ehepaar Nielsen aus Itingen wandern nach Thailand aus

Kenneth Nars

Das haben die frisch pensionierten Verena und Alex Nielsen noch nie gemacht in ihrem bisherigen Leben: Ein Flugticket nur einfach gelöst – nach Thailand. Das Ehepaar aus dem Oberbaselbiet wandert in zweieinhalb Wochen ins «Land des Lächelns» aus, wo es seinen Lebensabend geniessen will.

Im Jahr 2000 haben Nielsens letztmals gezügelt und wohnen seither in Itingen. Nun folgt der ganz grosse Schritt. Am 24. Juli um 13.30 Uhr heben die beiden in einer Maschine der Thai Airways in Kloten ab, tags darauf werden sie in Bangkok landen. Danach fährt sie ein Taxichauffeur nach Hua Hin, das auf Festland liegt in der Bucht des Golfs von Thailand. Dort, rund 250 Kilometer südlich der Hauptstadt, werden sich Verena und Alex Nielsen niederlassen.

Fast 9000 Schweizer leben in Thailand

Gemäss Auslandschweizer-Statistik haben derzeit 8933 Schweizer Bürgerinnen und Bürger ihren festen Wohnsitz in Thailand und sind dort bei einer diplomatischen oder konsularischen Vertretung der Schweiz angemeldet. Momentan weist die Statistik insgesamt gegen 752'000 Auslandschweizer aus, was elf Prozent der hiesigen Bevölkerung entspricht. Am meisten leben in Europa (469'000), gefolgt von Amerika (179'500), Asien (52'000), Ozeanien (32'000) und Afrika (19'500).
Thailand zählt rund 68 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner und hat eine Fläche von 513'000 Quadratkilometern.

Container reist nach

Bis zum Abflug hat das Paar aber noch einiges zu erledigen. Am Donnerstag sprach es im thailändischen Konsulat in Basel vor und holte seine Papiere ab – alle übersetzt, auch auf thailändisch. Das Visum ist vorerst drei Monate gültig. «Bedingung ist, dass wir für diese Zeitspanne eine fixe Wohnadresse in Thailand vorweisen können», erklärt die bald 65-jährige Verena Nielsen. Ein Kollege hat die Neuankömmlinge deshalb für drei Monate eingeladen. Danach können sie sich im Migrationsbüro in Hua Hin als Rentner anmelden und erhalten ein Jahresvisum, was Formsache ist.

Einen Tag vor der Abreise verladen Nielsens ihre sieben Sachen in einen Container, der noch gleichentags abgeholt wird. Was nehmen sie alles mit? «Nur Sommerkleider», lacht die Frau verschmitzt. Dazu kommen ein paar kleine Möbelstücke, Gläser, Geschirr, Bilder, Spiegel und einige Dinge aus dem Haushalt. Bett und grössere Möbel werden am neuen Ort in Südostasien gekauft.

Bis ihr Container in zwei Monaten in Hua Hin ankommt, wollen die Auswanderer ein Haus gemietet haben. Das Angebot sei vielfältig. Ihr Kollege sei schon am Sondieren. «Das Haus muss nahe am Meer sein, eventuell auf einer Anhöhe. Am liebsten alles auf einem Boden. Die Liegenschaft sollte einen grossen Garten und vielleicht auch einen Pool haben», skizzieren die Eheleute ihr Traumheim.

Langersehnter Wunsch

Vor fünf, sechs Jahren befassten sich Verena und Alex Nielsen, die schon oft in Thailand in den Ferien weilten, erstmals mit dem Gedanken, dorthin auszuwandern. Während ihrer Aufenthalte, davon viermal in Hua Hin, befragten sie immer wieder Einheimische und machten sich selber schlau über Land, Leute und Lebensweise. Für den definitiven Entscheid musste sie nicht lange mit sich ringen.

Primär aus finanziellen Gründen haben die beiden Thailand für ihre Altersresidenz gewählt. «Und es ist dort immer schön warm. Wir freuen uns auf jeweils langen Sonnenschein. Uns gefällt das Land», schwärmt Verena Nielsen, und ihr Mann ergänzt: «Ich gehe gerne ans Meer fischen und darin baden.» Die zwei lieben es auch, den Strand entlangzulaufen. Um längere Strecken zurückzulegen, wollen sie sich Mountainbikes mit breiten Reifen anschaffen.

Nielsens sind reisefreudig. Diese Passion könnten sie im AHV-Alter in der Schweiz nicht derart ausleben, wie das dann in Thailand der Fall sein wird, wo alles billiger ist. Sie möchten von ihrem neuen Wohnsitz aus viel auf Reisen gehen, auch in Nachbarländer. «Solange wir noch mögen und gesund sind, wollen wir ‹ummereisle›», wie sich die in Interlaken aufgewachsene, aber bereits als 18-Jährige nach Basel gezogene Verena Nielsen in ihrem heimeligen Berner Oberländer Dialekt ausdrückt.

Sie hat bis vor kurzem als Lageristin in einem grossen Möbelhaus gearbeitet und ist nun pensioniert. Ihr Mann – er ist Däne und seit gut 30 Jahren in der Schweiz wohnhaft – feiert am 1. August seinen 64. Geburtstag und hat sich als Lastwagenchauffeur vorzeitig pensionieren lassen. Die Neo-Thais haben ihre Liegenschaft in Itingen überraschend schnell verkaufen können und sehen nun den idealen Zeitpunkt gekommen, um auszuwandern.

Tränen kommen noch

Laut Verena Nielsen hat ihr persönliches Umfeld – Verwandte, Kollegen und Nachbarn – derzeit mehr Mühe damit, dass sie bald ihre Heimat verlassen. Ihr Freundeskreis könne das noch nicht so recht glauben. «Eine meiner zwei Töchter sagte aber: ‹Oh, Mami, das ist gut, dann kann ich zu euch in die Ferien kommen›.» Ihr gefalle Thailand ebenfalls. Verena Nielsen rechnet aber damit, dass es bis zur definitiven Ausreise schon noch emotionale Szenen geben wird: Umarmungen, Tränen. «Momentan überwiegt die Freude», bringt es der knapp 64-Jährige auf den Punkt, aber wenn sie «da unten» seien, würden sie zwischendurch bestimmt das eine oder andere vermissen.

Verena und Alex Nielsen sind mit der thailändischen Kultur wie Essen oder Begrüssungsritualen im Grossen und Ganzen vertraut. Von ihren Reisen her kennen sie schon ein paar Thailänder und ausgewanderte Europäer in Hua Hin. Selber werden sie nicht thailändisch kochen, «aber vielleicht probieren wir es», so Verena Nielsen. Deren Ehepartner erwähnt Sprache und Schrift und stellt fest: «Thailändisch ist sehr schwierig, das werden wir vom Alter her nicht mehr lernen. Wir können nur ganz wenige Wörter.» Sie werden sich in Englisch verständigen.

Das Duo ist sich bewusst, dass es anders sein wird, in einem Land zu leben, das es bisher nur als Feriengäste kennt. «Aber wir waren schon so viele Male dort. Wir sind überzeugt, dass das für uns das Richtige ist und wir uns rasch integrieren können», betont Alex Nielsen. Wovon haben sie speziellen Respekt? «Von Haifischen», schiesst es aus Verena Nielsens Mund, kürzlich habe es bei Hua Hin zwei Attacken auf Menschen gegeben, erzählt sie.

Plan B existiert nicht

Als Eigner einer Harley-Davidson und einer Pistole muss Alex Nielsen in Thailand auf seine Leidenschaften verzichten. Er wird sicher wieder ein Motorrad kaufen, aber wahrscheinlich keine Harley mehr. Das Land ist riesengross, «es gibt super-schöne Touren in Richtung Norden», weiss er. Der Besitz einer Pistole sei in Thailand «sehr schwierig». Es gebe jedoch Möglichkeiten zu schiessen. Vielleicht muss er sich mit einem Luftgewehr oder einer Luftpistole zufriedengeben. Auch Darts gehört zu seinen Hobbys. Die bald 65-Jährige möchte fischen lernen. «Ich muss meinen Mann doch übertrumpfen können», witzelt sie.

Einen Plan B haben Nielsens nicht. Sie wissen zwar, dass sie jederzeit wieder in die Schweiz zurückkehren könnten. Doch dies ist nicht ihr Ziel, daran denken sie gar nicht. «Sollten wir krank werden, was wir natürlich nicht hoffen, so hat es in Thailand sehr gute Spitäler. Wir müssen dort einfach eine gute Kranken- und Unfallversicherung abschliessen», blicken Nielsens in die Zukunft – eine mit umgekehrten Vorzeichen: Wohnen in Thailand, Ferien in Europa.