Aesch
Altersheim im Kreuzfeuer der Kritik: Mitarbeiter erheben schwere Vorwürfe

«Im Brüel» ist die Stimmung auf dem Nullpunkt. Mitarbeiter erheben schwere Vorwürfe gegen die neue Heimleitung und den Stiftungsrat. Der Umgang mit dem Personal sei respektlos. Die Institution kommt seit Jahren nicht zur Ruhe.

Lukas Hausendorf
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Stiftungsrat und Heimleitung des «Brüel» müssen sich mit interner und externer Kritik auseinandersetzen.

Stiftungsrat und Heimleitung des «Brüel» müssen sich mit interner und externer Kritik auseinandersetzen.

Edmondo Savoldelli

Die Schweizer Alters- und Pflegeheime durchleben seit der Einführung der neuen Pflegefinanzierung 2011 einen Kulturwandel. Der ökonomische Druck ist gestiegen. Das ist für die betroffenen Institutionen nicht immer einfach. Im Alterszentrum «Im Brüel» Aesch haben die veränderten Rahmenbedingungen dazu beigetragen, dass das Betriebsklima einen Totalabsturz erlitten hat.

Das Personal spricht von «teilweise nicht mehr zumutbaren Zuständen» im Altersheim. Der Umgang mit dem Personal sei respektlos, eine pflichtbewusste Betreuung der Betagten werde dadurch in Mitleidenschaft gezogen, sagen mehrere Mitarbeiter.

Viele Abgänge im Kader

Dass etwas getan wird, verlangt auch die ehemalige Berufsbildungsverantwortliche des Alterszentrums, Anne-Marie Schriber, die mit Besorgnis die zahlreichen Abgänge im Kader ihrer ehemaligen Wirkungsstätte zu Kenntnis genommen hat. «Es braucht Jahre, um das Niveau wieder zu erlangen, das einmal im Alterszentrum aufgebaut wurde», sagt sie.

Die angeschossene Heimleitung hat im Moment keinen leichten Stand. Von Alt-Gemeindepräsident Cyrill Thummel wird sie seit zwei Wochen öffentlich kritisiert; den neuen Geschäftsleiter Abraham Guggenheim hat er quasi zum Abschuss freigegeben.

Das Alterszentrum befindet sich in einer finanziell schwierigen Situation und muss Kosten sparen. Die kurzfristige strategische Vorgabe des Stiftungsrats ist denn auch, Aufwand und Ertrag wieder ins Gleichgewicht zu bringen. «Langfristig können wir uns Verluste nicht leisten», sagt Stiftungsratspräsident Urs Kiebele. Seit zwei Jahren würden darum Stellen abgebaut. Gespart wird auch ganz oben. «Die Geschäftsleitung hat ihre Löhne dieses Jahr ebenfalls reduziert», sagt Kiebele.

Bevor Guggenheim das Ruder im «Brüel» übernahm, hat das Management zu viele neue Stellen im Pflegebereich bewilligt, die nun, da die Abgeltung der Pflegeleistungen ganz exakt geregelt ist, nicht mehr zu finanzieren sind. Und die neue Abgrenzung, welche Leistungen abgegolten sind und welche nicht, dürfte dem Pflegepersonal zu schaffen machen.

Stiftungsrat will handeln

Der Stiftungsrat ist nun gefordert, die Institution wieder auf Kurs zu bringen und dem Heimleiter die nötigen strategischen Vorgaben zu machen. Eine langfristige Strategie existiert zurzeit aber noch nicht. Mitte September ist eine Klausur anberaumt, in der diese erarbeitet werden soll. Dann sollen auch Ergebnisse einer Bewohnerbefragung vorliegen, die Heimleiter Guggenheim initiiert hat und die Klarheit über die Zufriedenheit der Betagten schaffen wird.