Alterszentrum Rosengarten
Vermeintliche Vergiftung: Baselbieter Staatsanwaltschaft und Seniorin legen Berufung ein

Das Baselbieter Strafgericht sprach im September zwei Pflegerinnen des mehrfachen versuchten Mordes und der Gehilfenschaft frei. Die Beweise für die vermeintlichen Vergiftungen fehlten. Nun legten die betroffene Rentnerin sowie die Baselbieter Staatsanwaltschaft Berufung ein gegen dieses Urteil.

Kelly Spielmann
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Im Alterszentrum Rosengarten in Laufen soll eine Rentnerin vergiftet worden sein, doch das Gericht sprach die Beschuldigten frei.

Im Alterszentrum Rosengarten in Laufen soll eine Rentnerin vergiftet worden sein, doch das Gericht sprach die Beschuldigten frei.

Nicole Nars-Zimmer

Vor nicht ganz einem Monat hat das Baselbieter Strafgericht zwei Frauen freigesprochen: Der 32-jährige damaligen Pflegerin im Altersheim Laufen wurde vorgeworfen, sie habe versucht, eine 80-jährige Bewohnerin mit vergiftetem Tee, Erdbeertörtchen und Lachsbrötchen umzubringen. Ihre 45-jährige Kollegin war wegen Beihilfe angeklagt (die bz berichtete mehrfach).

Doch trotz Freispruch dürfte der Fall für die beiden Frauen nicht ausgestanden sein. Die Staatsanwaltschaft und auch der Anwalt der Seniorin bestätigen gegenüber der bz einen Bericht von «20 Minuten», wonach sie Berufung eingelegt haben.

Schriftliches, begründetes Urteil gewünscht

«Das haben wir getan, um ein schriftlich begründetes Urteil zu erhalten», erklärt Thomas Lyssy, Mediensprecher der Baselbieter Staatsanwaltschaft. Ohne Berufung gehe dies nicht. «Aufgrund des schriftlichen Urteils werden wir weitere Schritte wie einen Weiterzug ans Kantonsgericht prüfen», fügt er an. Es könne bis zu drei Monate dauern, bis das begründete Urteil vorliegt.

Daniel Altermatt, Anwalt der Heimbewohnerin, erklärt die Berufung auf Anfrage: «Wir sind mit dem Urteil nicht einverstanden und wollen eine genaue Begründung.» An der mündlichen Urteilseröffnung habe es nur eine kurze Erklärung gegeben. Nach Erhalt der schriftlichen Begründung werde man entscheiden, ob man das Urteil weiterziehe. «Das müssen wir uns dann überlegen. Für meine Klientin ist das natürlich auch wieder eine enorme Belastung.» Er gehe davon aus, dass das Berufungsverfahren rund ein Jahr dauern werde.

An der Urteilseröffnung sprach die Gerichtspräsidentin von ernsthaften Zweifeln an der Schuld der Pflegerin. Man habe nicht nachweisen können, ab wann sie im Besitz der giftigen Rizinussamen war, die zur Vergiftung hätten dienen können. Auch konnte bei der Seniorin trotz Gutachten keine Vergiftung nachgewiesen werden. Weiter sei nicht erstellt, dass Internetrecherchen der beiden Pflegerinnen zu Giftpflanzen dazu dienen sollten, die Frau zu töten.

Das Gericht entschied sich für einen Freispruch «in dubio pro reo».

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