Altlasten
Trotz Sanierung: Der Bach unter der Deponie Roemisloch schimmert immer noch bunt

Viel zu viel giftige Stoffe stellt Allschwil im Roemisbach fest. Die Basler Chemie solle endlich ihre Versprechen wahr machen und die ehemalige Chemiemülldeponie im Elsass vollständig sanieren, fordert jetzt der Gemeinderat.

Michel Ecklin
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2006 war der Zugang zur damals noch nicht sanierten Deponie Roemisloch verboten.

2006 war der Zugang zur damals noch nicht sanierten Deponie Roemisloch verboten.



BLZ

Von einer «erfolgreichen Sanierung» sprachen die Spitzen von Novartis, Syngenta und BASF Ende 2012. Gemeinsam hatten sie für 26 Millionen Euro die ehemalige Deponie Roemisloch saniert ­— und zwar vollständig, wie sie betonten.

Die ehemalige Deponie, in der die Vorgängerfirmen der drei heutigen Unternehmen jahrelang Chemieabfälle entsorgten, befindet sich im elsässischen Neuwiller, an der Grenze zu Allschwil. Mit einem Volksfest gaben die Firmen damals das Areal der Bevölkerung zurück. Kinder durften zeichnen, wie sie sich das Areal in zehn Jahren vorstellten — nämlich sauber und ungefährlich.

Gemeinde nimmt selber Messungen vor

Doch jetzt, noch kein Jahrzehnt später, entspricht das Roemisloch nicht dem, was man sich damals vorgestellt hat. Der Roemisbach, der in den Neuwillerbach mündet und als Mülibach Allschwil durchfliesst, ist bei Regen eine bunt schimmernde Kloake.

«In der Deponie muss noch immer eine erhebliche Menge mit Chemiemüll belastetes Material liegen, das bei der Sanierung 2011 nicht entfernt wurde»,

schreiben die beiden Gemeinden gestern in einer Mitteilung. Das ist mehr als eine Vermutung. Gemäss Messungen, die Allschwil in Auftrag gegeben hat, werden die Grenzwerte für eine ganze Reihe von Stoffen im Roemisbach deutlich überschritten, insbesondere die des krebserregenden Benzidins.

«Ich kann selber nicht abschliessend beurteilen, wie gefährlich die Lage ist», sagt die Allschwiler Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli. «Ich stelle nur aufgrund unserer Proben fest, dass die Belastung des Wassers mit gefährlichen Substanzen gleich stark geblieben ist, bei manchen Stoffen sogar stärker geworden ist.»

Gespräche waren ergebnislos

Der Allschwiler Gemeinderat fordert jetzt, zusammen mit dem in Neuwiller, von den drei «Chemischen» das Einhalten des damals abgegebenen Versprechens, nämlich «die Schadstoffe sicher zu entfernen». Denn das sei offensichtlich noch nicht geschehen und müsse nachgeholt werden.

Mit den Firmen hat die Gemeinde bereits Gespräche geführt – bisher ergebnislos. «Sie sagen immer: Die Deponie ist saniert, alles ist bestens», sagt Nüssli. «Aber das kann so einfach nicht stimmen.» Allerdings ist es nicht einfach, Novartis, BASF und Syngenta dazu zu bringen, eine weitere Sanierung anzupacken.

Vor rund 15 Jahren hatten sie sich in der Groupement d’intérêts pour la sécurité des décharges de la Région bâloise (GI DRB) zusammengeschlossen, um die Sanierung gemeinsam zu bewerkstelligen (und zu finanzieren). Dies geschah, wie sie immer wieder betonten, auf freiwilliger Basis. Sie verpflichteten sich auch, bis 2015 das aus der ehemaligen Deponie ausfliessende Wasser zu testen.

Kanton soll handeln

Doch inzwischen hat sich die GI DRB aufgelöst. Für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen aus Allschwil verwiesen am Montag Syngenta und Novartis auf BASF. Die dortige Medienstelle war gestern aber nicht in der Lage, sich zu den Vorwürfen zu äussern. Offen ist auch, ob seitens Chemie regelmässig Wassertests stattfinden.

Nüsslis Hoffnungen beruhen auch auf dem Kanton. «Er ist dafür zuständig, die Bevölkerung zu schützen.» Aber auch sie weiss: Weil sich das Problemgebiet auf französischem Boden befindet, wird das nicht einfach.