Läufelfingen
Am liebsten würde sie in Knöpfen baden

Susanne Brodbeck sammelt Knöpfe und interessiert sich für die Geschichte dahinter. Oftmals bekommt sie Knöpfe sogar geschenkt. Die begeisterte Sammlerin liebt Knöpfe über alles.

Lucas Huber
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Für Susanne Brodbeck gibt es nichts Schöneres, als in ihren Knöpfen zu wühlen. Lucas Huber

Für Susanne Brodbeck gibt es nichts Schöneres, als in ihren Knöpfen zu wühlen. Lucas Huber

Susanne Brodbecks Paradies ist ein kleiner Laden an der Grünpfahlgasse in Basel. Dort könnte sie Stunde um Stunde verweilen, stöbern und wühlen, «ja am liebsten in den Knöpfen baden», schwelgt sie. Und wenn ihr Mann beabsichtigt, ein Hemd zu entsorgen, geht sie vorher mit der Schere zu Werke und schneidet, feinsäuberlich, die Knöpfe heraus. Die sammelt sie nämlich, seit geschätzten vier Jahren und mit grossem Enthusiasmus.

Gezählt hat sie sie nie, allerdings müssen es Tausende sein, die in Schachteln warten, sortiert, gemustert und bewundert zu werden. Als Kind sah Susanne der Mutter, die Schneiderin war, über die Schulter. Mit all ihren Mustern und Verzierungen faszinierten Knöpfe das Mädchen schon damals nachhaltig.

Etwas später schnitt sie, als sie aus ihm herausgewachsen war, rote Knöpfe aus ihrem schönsten Kindermäntelchen. Diese hat sie noch heute, eingereiht in den Setzkasten aus Eichenholz. Hier bewahrt sie nur die berückendsten, die erhabensten Modelle auf. Totenknöpfe, wie man sie früher zur Trauer trug. Posamenterknöpfe, deren Alter und Herkunft unbekannt sind. Gemshornknöpfe, die früher an den Trachten der Bergler prangten. Knöpfe in allen Farben und Grössen, geschnitzt aus Holz und Muscheln, gefertigt aus Leder, Metall, Perlmutt.

Hin und weg

Letztere sind Susanne Brodbeck die allerliebsten. Tatsächlich zu sammeln begann sie nämlich, nachdem sie im Altersheim Homburg zu Läufelfingen, wo sie in der Aktivierung arbeitet, einen Perlmuttknopf in die Finger bekam – und hin und weg war. Dieser Knopf, im Durchmesser knappe fünf Zentimeter gross, war die Initialzündung, mit Emsigkeit alles an Knöpfen zusammenzutragen, was ihr unter die Augen kommt.

Zahlreiche bekommt sie von Bewohnern des Altersheims. Das seien, sagt die Sammlerin, auch die schönsten. Meist sind es Unikate; alte, aufwändig verzierte Exemplare, meist handgefertigt und darum umso wertvoller. «Knöpfe», sagt Brodbeck, «erzählen Geschichten.» Weil sie Teil der Geschichte sind. Teil einer Geschichte, in der das Waschen und Nähen noch einen gewichtigen Platz
im Leben der Landbevölkerung einnahm. Geschichten, in denen Reiss- und Klettverschlüsse noch keine Rolle spielten.

Knopfgeschichten

Darum nimmt sie regelmässig eine Auswahl ihrer Knöpfe mit in die Runde ihrer Aktivierungsteilnehmer. Die Knöpfe seien idealer Anknüpfungspunkt, mit den Senioren ins Gespräch zu kommen und heute teilweise Unglaubliches aus längst vergangener Zeit zu erfahren, sagt Brodbeck und zeigt auf einen unscheinbaren weissen Knopf aus Perlmutt, der durch das unentwegte Mangeln der Wäsche in früheren Zeiten ganz verbeult und oval ist.

So ist es, neben den Knöpfen, die Historie dahinter, die für Susanne Brodbeck die Faszination ausmacht. Wenn ihr Haus in Flammen stünde, schmunzelt sie, würde sie zuerst Mensch und Tier retten, anschliessend den geliebten VW Käfer – und dann schon bald die Knöpfe.