Waldenburg
Am Mosttag mehrere Tonnen Äpfeln geerntet

Zum elften Mal wurden Äpfel für den Waldenburger Most gesammelt. Die Früchte ab den Hochstammbäumen werden so sinnvoll verwertet – und die Bäume werden gepflegt.

Edi Gysin
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Die Apfelernte ist reich.

Die Apfelernte ist reich.

Edi Gysin

Der erste Preis musste gleich zweifach vergeben werden. Ein Pfund Honig für den schönsten Apfel ging an Fabienne, das zweite Pfund an Sina. Die beiden Mädchen nahmen am Wettbewerb teil, der den Kindern an der Waldenburger Obstpflück- und Mostaktion vorbehalten ist und dessen abschliessenden Höhepunkt markiert. Von den gut 40 Teilnehmenden am Mosttag war die Hälfte Kinder, Organisator Beat Feigenwinter animierte sie, am Wettbewerb mitzumachen, den schönsten Apfel in den Hosensack zu stecken, um ihn zu präsentieren.

So kam die ganze Vielfalt an Äpfeln zur Jurierung durch die Kinder auf den weiss gedeckten Tisch. Emma, die wohl jüngste Teilnehmerin, fand ihren Apfel schön, «weil er so klein ist». Yael pries den Ihrigen: «Er sieht aus, als ob er ein Maul hätte.» Sina wiederum fand: «Meiner ist schön rot und gross.» Der kleine Henri dachte bei der Präsentation seiner Frucht ans Schneewittchen, und Jannick zeigte einen Apfel, der die Zeichnung eines Schmetterlings aufwies. Schliesslich bekam jedes Kind für die Präsentation seines Apfels mindestens ein «Schoggistängeli».

35 Hektoliter Süssmost

Die Erwachsenen standen im Kreis und staunten ob der Fantasie der Kinder und deren Argumenten. Manches Kind konnte an diesem wunderbaren Herbsttag eine wohl nachhaltige Erinnerung mit nach Hause nehmen.

An der Waldenburger Sammelaktion kamen gute fünf Tonnen Äpfel zusammen, gepresst werden daraus etwa 35 Hektoliter Süssmost. In erster Linie werden die Apfelbäume der Waldenburger Bürgergemeinde abgeerntet. «Mittlerweile stellen aber auch Private ihre Bäume der Mostaktion zur Verfügung», sagte Beat Feigenwinter, der zusammen mit Gattin Manuela den Anlass organisierte.

Während in Langenbruck die Viehschau abgehalten wurde, schüttelten die Waldenburger Äpfel von den Bäumen, lasen sie zusammen und brachten sie zur Sammelstelle. Gemostet wird dann in der Woche danach in Bennwil. «Die faulen Äpfel legt ihr bitte an den Fuss des Stammes! Steig zum Schütteln bitte nicht auf die Bäume, dazu haben wir Schüttelhaken.» So gab Feigenwinter bei der frühmorgendlichen Begrüssung einpaar Regeln bekannt. «Im Weidegebiet oberhalb des Schwimmbades könnt ihr Blachen auf den Boden legen, damit die Äpfel nicht in die dort liegenden Kuhfladen fallen» – ein letzter Tipp, bevor die Gruppen ausschwärmten, und zwar ins Gebiet «Chapf» und auf den «Richtacker», ein wahres Hochstammparadies mit unglaublich vollbehangenen Apfelbäumen.

Markus Schlup schüttelte die Äste mit dem Haken, dass der Boden bald von roter Farbe war oder gelbgrün, je nach Farbe der Früchte. Schlup machte nicht zum ersten Mal am Mosttag mit, er war mit der ganzen Familie dabei, die drei Töchter, Sina, Franca und Emma waren mit Leib und Seele aktiv und unterstützten Mutter Nadja tatkräftig beim Auflesen des Fallobstes.

Stelldichein für alle

Schlups sind vor vier Jahren nach Waldenburg zugezogen. Seit vier Wochen amtet Markus Schlup als Gemeinderat. So ein Mosttag hat eben auch ein hohes Integrationspotenzial. Das bestätigte auch Sanije Govori, die mit ihrer Tochter Valdete an den Mosttag kam. «Mein Mann lebt und arbeitet seit 24 Jahren hier, und ich kam vor 16 Jahren aus Albanien nach Waldenburg», sagte sie strahlend in fast lupenreinem Oberbaselbieter-Dialekt.

Für die Waldenburger Spezialität, den «Mousseux de Pommes» werden am nächsten Dienstag nur erlesene Apfelsorten geerntet. «Etwa zur Hälfte sind es Bohnäpfel, dazu kommen noch Sauergrauch, Boskoop und Tobiäsler», verriet Feigenwinter. Diese Spezialität wird in Champagner-Flaschen abgefüllt und ist ein wunderbares Apéro-Getränk. «Verfeinern können ihn Liebhaber mit ein wenig Holundersirup», verriet Feigenwinter. Das wäre dann so etwas wie «Kir Waldenburgertal».