Baselbieter Genusswoche
Am Samstag fand das friedlichste Wettrüsten der Welt statt

Auf dem Hof Horn ob Häfelfingen haben vergangenen Samstag knapp 40 Leute auf Einladung hin beim Entsteinen von Hauszwetschgen geholfen. Die Früchte von Hochstammbäumen werden unter der Marke «Posamenter» zu Regionalprodukten verarbeitet.

Lucas Huber
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Rund 400 Kilogramm Zwetschgen wurden am Samstag auf dem Hof Horn ob Häfelfingen entsteint.

Rund 400 Kilogramm Zwetschgen wurden am Samstag auf dem Hof Horn ob Häfelfingen entsteint.

Lucas Huber

«Inestäche, umeschla, dürezieh u abela»: Das funktioniert hier nicht. Auf dem Hof Horn ob Häfelfingen waren vergangenen Samstag andere Fertigkeiten gefragt: zugreifen, aufschneiden, aufklappen, rauspulen. Die Rede ist vom Entsteinen von Zwetschgen. Hauszwetschgen, um genau zu sein. Die Sorte ist die erste, die im Frühling blüht, und die letzte, deren Früchte reif sind.

Knapp 40 Zugreifer, Aufschneider, Aufklapper und Rauspuler treffen sich auf Einladung der Vereine Erlebnisraum Tafeljura und Posamenter, um «auf Horn» Zwetschgen zu rüsten. Vom Vierjährigen bis zur Seniorin, von der Bäuerin bis zum Lehrer. Und bis zum Leiter des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain, Lukas Kilcher.

Der rüstet emsig mit, und weil Männer gerne Wettkämpfe aus Tätigkeiten machen, entwickelt sich im wahrsten Sinne des Wortes ein Wettrüsten mit seiner Tischnachbarin. Ziel: den grösseren Steinhaufen vor sich aufzutürmen. «Ich habe nur nicht gewonnen, weil sie meine Steine geklaut hat», protestiert Kilcher und lacht.

Nur einer von vielen Anlässen

Die Stimmung ist blendend, das Rüsten macht den Teilnehmern einen Heidenspass, man unterhält sich über die Kulinarik, über Genuss und Aroma – und die Flüchtlingsthematik. «Die Geselligkeit steht im Vordergrund», verrät Co-Organisatorin Jessica Baumgartner vom Verein Erlebnisraum Tafeljura. Sie spricht von einer Mischung aus Gemütlichkeit und Informativem mit sozialem Aspekt.

Das Zwetschgenrüsten – selbstredend kommen ausnahmslos Früchte von Hochstammbäumen unters Messer – ist Teil einer ganzen Reihe von Arbeitseinsätzen, die der Verein Erlebnisraum Tafeljura zur Förderung der Hochstammobstbäume übers Jahr verteilt durchführt; von Baumpflanzungen über Erhaltungsschnitte alter Bäume bis hin zur Absatzberatung für Bauernbetriebe. Seit 2009 wurden so 750 Hochstämmer gepflanzt.

Laufend neue Produkte

Dabei geht es um den Erhalt der Landschaft. «Alle geniessen die Bluescht. Wir wollen zeigen, was alles dahintersteckt», erklärt Dora Meier, Gründerin des Posamenter-Labels und ungekrönte Baselbieter «Zwetschgenkönigin». Unter dem Label werden heute zahlreiche Produkte wie das Zwetschgen-Chutney «Prune d’or» oder Zwetschgen-Läckerli produziert und vertrieben. Diesen Herbst kommen zwei neue hinzu: eine sortenreine Konfitüre aus Bühler-Zwetschgen und ein Berliner mit Zwetschgenfüllung.

Meier weiss: Hochstammbäume bleiben nur stehen, wenn ihre Früchte einen Absatzmarkt haben. Also kämpft sie auch gegen den «Mythos, dass es keinen Absatzmarkt für Hochstamm-Zwetschgen gibt». Die Zahlen geben ihr recht: Produktionsmenge und Absatz der Posamenter-Produkte steigen Jahr um Jahr.

Einen kleinen Anteil daran haben auch jene knapp 40 Helferinnen und Helfer, die am Samstag in der zugigen Scheune des Hofs Horn ob Häfelfingen Zwetschgen um die Wette rüsten und dabei grossen Spass haben. Als Lohn gibts ein Buffet mit Speisen aus Zwetschgen. Die rund 400 Kilogramm Früchte, die sie entsteint haben, gehen nun in die Produktion von Chutney, Bottenwurst und Zwetschgentörtli.