Amateurfussball soll wieder aufgenommen werden
«Lasst die Spieler spielen» – Die Region zeigt sich gespalten ob der Wiederaufnahme der Amateursaison

Am 26. Mai entscheidet der Schweizerische Fussballverband, ob die Hinrunde im Amateurfussball fertig gespielt und gewertet wird. In der Region gehen die Meinungen auseinander.

Maximilian Karl Fankhauser
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Daumen hoch beim FC Concordia: Solche Bilder sehen wir vielleicht bald wieder auf den Fussballplätzen der Region. Der SFV strebt die Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Amateurfussball an.

Daumen hoch beim FC Concordia: Solche Bilder sehen wir vielleicht bald wieder auf den Fussballplätzen der Region. Der SFV strebt die Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Amateurfussball an.

Bild: Edgar Hänggi

Den Geruch des Rasenplatzes in der Nase, Emotionen, die hochkochen, oder einfach gegen den Ball treten. Ja, sogar die kleineren Schürfwunden nach einer gut getimten Grätsche auf Kunstrasen. Das alles fehlt. Der Regionalfussball: Er fehlt. Vor allem in Zeiten wie diesen, in denen ein Spiel auf einem Acker im hintersten Tal auch eine 90-minütige Flucht aus dem Alltagstrott bedeuten könnte.

Doch bessere Zeiten sind in Sicht. Durch die vom Bundesrat verkündeten Lockerungen berät sich der Schweizerische Fussballverband (SFV) bis am 26. Mai, ob der Spielbetrieb in den Amateurligen wieder aufgenommen wird. Zumindest in verkürzter Form, sprich, die Beendigung und Wertung der Vorrunde bis im Sommer wird in Aussicht gestellt.

Klare Vorstellungen beim Verband

Der SFV gibt sich in dieser Sachlage klar und deutlich. «Der SFV begrüsst den Plan des Bundesrats, ab dem 31. Mai wieder auf allen Plätzen des Landes Fussball spielen zu dürfen, und hofft, dass die Kantone dem Bundesrat folgen werden», sagt Adrian Arnold, Leiter Kommunikation beim SFV. Dies entspräche auch dem Kernziel des SFV, dass möglichst viele Menschen im Land diesen Sport ausüben können. Sorgen um die Durchführbarkeit macht er sich dabei keine: «Die Klubs haben seit dem 22. März 2021 die Möglichkeit, draussen ohne Körperkontakt zu trainieren», meint Arnold. Rund 85 Prozent der Vereine hätten die Trainingsmöglichkeiten genutzt und seien deshalb auch auf einem physischen Leistungsstand, der eine baldige Wiederaufnahme ermögliche.

Der Verband habe sich zudem seit der Ankündigung des Bundesrates viele Reaktionen von der Basis eingeholt und auch erhalten. Die Rückmeldung der Regionalverbände, die mehrheitlich für eine Weiterführung des Spielbetriebs sind, sei ebenfalls klar. «Entsprechend wird am Plan festgehalten, den der Zentralvorstand in Absprache mit den 13 Regionalverbänden Ende April vorgegeben hat. Wenn ab dem 31. Mai 2021 wieder gespielt werden kann, wird die Saison weitergeführt.»

Doch es gibt auch negative Stimmen. Bei einer Umfrage gaben 56 Prozent der Vereine an, dass sie einen Saisonabbruch begrüssen würden. Angesprochen auf diese Umfrage, meint Adrian Arnold: «Die Umfrage, die sie ansprechen, ist keine offizielle, die Fragestellung eher tendenziös.» Nur rund ein Drittel aller Vereine habe sich auf diese Umfrage gemeldet. Von den 1400 Vereinen wollen laut ihm nur 285 einen Abbruch. Zudem seien dies tendenziell eher Vereine, die diesen aufgrund ihrer Tabellenlage anstreben. Der Tonus ist also klar beim Verband: «Durch die Wiederaufnahme könnten endlich wieder alle Spielerinnen und Spieler, die so lange auf ihren geliebten Sport verzichten mussten, Fussball spielen.»

Gemischte Gefühle in der Region

In der Region gibt man sich aber eher hin- und hergerissen ob der geplanten Wiederaufnahme des Spielbetriebs. «Ich stehe dieser Situation eher ambivalent gegenüber», sagt Philipp Schrämmli, Präsident des FC Schwarz-Weiss. Einerseits seien seine Leute motiviert, die Trainings gut besucht und man wolle endlich wieder auf dem Platz stehen. Andererseits sieht Schrämmli auch den Aspekt der Sportlichkeit, der verloren geht. «Eine Saison, die nach der Hinrunde gewertet wird, kann schwierig sein. Einzelne Spiele kriegen eine komplett andere Gewichtung in der Vorbereitung, wenn der Trainer weiss, dass es nur ein Mal gegen jede Mannschaft geht.»

Hans-Beat Rohr, Präsident des SV Muttenz, freut sich für seine Spieler, wenn sie ihr liebstes Hobby bald wieder in Ernstkämpfen ausüben dürfen. Doch auch er sieht den Zwiespalt, der durch die mögliche Wiederaufnahme gesät wird. Der Fairnessgedanke geht in diesem Fall verloren. «Im Endeffekt ist es reine Lotterie, wenn nach Beendigung der Vorrunde über Auf- und Abstieg entschieden wird.»

Aus diesem Blickwinkel geht auch SV-Augst-Präsident Bruno Resenterra an die Sache heran: «Unserer 4.-Liga-Mannschaft wird mit dem Restart die Chance genommen, sich sportlich aus dem Tabellenkeller zu kämpfen. Zudem können wir in der 5. Liga die Aufstiegsrunde nicht mehr erreichen.» Hinzu komme die mangelnde Vorbereitung. Ausserdem ist ihm die anhaltende Pandemiesituation ein Dorn im Auge. Diese sei beim Jugendfussball, der schon länger wieder läuft, schon schwierig zu meistern.

«Stellen sie sich mal vor, wie es ausarten kann, wenn die Jungs von ihren Arbeitsplätzen zum Sportplatz kommen. Die haben alle viele Kontakte, sodass es schwer überschaubar werden kann.» Auf den finanziellen Aspekt angesprochen, gibt sich Resenterra bedrückt. Wenn es so weitergeht, dann muss der Verband in Zukunft mit Rückzügen rechnen. «Denn nicht alle Vereine können die Kosten unter diesen Bedingungen noch lange stemmen.»

Es gibt aber auch durchaus positive Stimmen in der Region. Thomas Steinemann, Präsidiumsmitglied des FC Concordia, freut sich über die mögliche Fortsetzung der Saison. «Es ist der einzig vernünftige Weg. Eine zweite abgebrochene Saison ist überhaupt nicht im Sinne des Fussballs.» Er verstehe die Vereine, die aufgrund des Tabellenplatzes einen Abbruch bevorzugen. Kein Verständnis hat er für die Spieler, die keine Lust darauf haben, weiterzuspielen. Denn aus seiner Sicht ist klar: «Lasst die Spieler spielen. Sie wollen unbedingt wieder auf den Platz.»