Raid Suisse-Paris
An der Raid Suisse-Paris rollen Museumsstücke über die Landstrassen

Mehr als 180 Oldtimer und ihre Piloten aus zehn Ländern nahmen gestern an der Raid Suisse-Paris die Fahrt Richtung Paris auf. Christian Thomi darf die Kolonne anführen, da er den ältesten Wagen fährt.

Muriel Mercier
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Cockpit eines Alvis Silver Crest Speed von 1937
13 Bilder
Blick in den Rueckspiegel eines Healey Westland von 1950
Gepaeckhalterung eines Fiat 1100 von 1939
Start des Alvis Silver Crest Speed von 1937 von Stephan Musfeld
Christian Thomi vor seinem Sunbeam von 1925
Kuehlerhaubenfigur eines Rolls-Royce Phantom III
Gepaeckhalterung eines Morgan Plus 8 von 1973
Bedriska Wagner (li) und Paula Wieser vor ihrem Jensen Interceptor MK III von 1974
Besucher schauen sich vor dem Start die Autos an
In Basel startet das Oldtimer-Rallye Raid Suisse-Paris
Ein restaurierter Willys CS-2 A Jeep der Elektra Birseck von 1947
Start des Healey Silver Stone von 1950
Felltasche am Reserverad eines Alvis Firefly 43 Special von 1933

Cockpit eines Alvis Silver Crest Speed von 1937

Kenneth Nars

Christian Thomi kann es kaum erwarten. Voller Vorfreude geht er um seinen Sunbeam 20/60 aus dem Jahr 1925 herum und kontrolliert ein letztes Mal, ob sein Oldtimer startklar ist. Die Koffer sind auf den Rücksitzen verstaut, genauso wie Getränke und Werkzeug. In wenigen Minuten werden er und seine Frau ins Auto steigen und sich auf die Reise von Basel nach Paris begeben. Thomi führt die Kolonne von über 180 Oldtimern an, die dieses Jahr am 21. Raid Suisse-Paris teilnehmen. Denn sein Wagen ist der älteste.

In der Messehalle 2 ist eine Stunde vor dem Startschuss Hektik angesagt. Die Motoren werden noch einmal geprüft, mit dem Lappen die Autotüren poliert oder die Startnummern aufgeklebt. Die Tochter von Bedriska Wagner sitzt hinter dem Steuer des Jensen, Modell Interceptor MK III, und putzt die Fensterscheiben. Wagner und deren Beifahrerin Paula Wieser sind eines von insgesamt 15 Damenteams und zum ersten Mal am Raid Suisse-Paris dabei.

Liebe zu Oldtimern seit Kindheit

Ihre Herzen aber schlagen schon seit Kind für Oldtimer. «Während andere Mädchen mit Puppen gespielt haben, habe ich mich für Technik interessiert», erinnert sich Wagner. Sie habe auf dem Schoss ihres Grossvaters in einem Tatra Autofahren gelernt. Beifahrerin Wieser bekam die Teilnahme am Raid auf ihren 50. Geburtstag geschenkt. «Die sportliche Herausforderung und der Spass an Oldtimern sind der Grund, warum ich hier mitfahren wollte.»

Neben den Oldtimer-Fahrern haben auch viele Zuschauer den Weg in die Halle 2 gefunden. Es herrscht ein Blitzgewitter, in Gruppen werden fachmännische Diskussionen geführt. Ralph Burgett läuft an einem «gäggeligelben» Porsche aus dem Jahr 1972 vorbei und erklärt seinem Kollegen: «Das ist also die Originalfarbe.» Er selber, wie auch sein Begleiter Thomas Keller, haben selbst einen Oldtimer in ihrer Garage stehen. «Mich fasziniert der Charakter jedes Autos. Jeder Oldtimer hat ein eigenes Gesicht», sagt Burgett. Zudem wollen sie erste Raid-Luft schnuppern, denn: «Nächstes Jahr fahren wir vielleicht zusammen mit», schmunzelt Keller.

Regeln müssen eingehalten werden

Obwohl Spass dazugehört, ist der Raid keine Kaffeefahrt, wie Mit-Organisator Alain Bichsel betont. Neben dem Ausflug über französische Landstrassen absolvieren die Teams einen Wettbewerb. Es gibt Regeln, an die sich jeder Pilot halten muss: Eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h muss eingehalten werden, pro Tag werden Etappenkontrollen und Prüfungen durchgeführt.

Das gestrige Tagesziel war Strasbourg. Heute werden die Oldtimer-Liebhaber in Reims-Gueux übernachten und morgen schliesslich ihr Ziel in Paris anfahren. Lorenz Imhof und Beifahrer Beat Fankhauser haben sich das Ziel gesteckt, unter die ersten
18 Ränge zu kommen. Ein realistisches Vorhaben, haben die beiden in den letzten acht Jahren doch 2. und
3. Plätze belegt. «Das Tolle am Raid ist, dass man den Oldtimer mal nicht nur für einen Tagesausflug aus der Garage fährt», sagt Imhof. Letztes Jahr habe er an einer Rallye in Marokko teilgenommen, und nächstes Jahr möchte er in Schottland dabei sein.