Analyse zur Aussenwirkung des Kantons
Ein wenig mehr Selbstbewusstsein und Mut täte den Baselbietern gut

Eine Umfrage zeigte kürzlich, dass die Baselbieter den Zürchern von allen Schweizern am unsympathischsten sind. Die Abneigung aus Zürich ist vor allem in der Unbekanntheit des Kantons Baselland begründet. Was könnte das Baselbiet tun, um sich national besser in Szene zu setzen?

Dimitri Hofer
Dimitri Hofer
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Willkommen im unbekannten Kanton Baselland.

Willkommen im unbekannten Kanton Baselland.

Bild: Kenneth Nars

Die Schweizer, und die Baselbieter im Speziellen, neigen zu Understatement. Aus der Nähe von Basel komme man, erhalten Landsleute häufig als Antwort, wenn sie Einwohner des Kantons Baselland nach ihrer Herkunft fragen. Das hängt vor allem damit zusammen, dass bei der Stadt Basel etliche Anknüpfungspunkte vorhanden sind, beim Baselbiet jedoch kaum.

Hier sind wir bei einem Kernproblem des Landkantons: Man kennt ihn in vielen Gebieten der Schweiz wenig bis überhaupt nicht. Dies kann bei Menschen schnell Ablehnung hervorrufen und dazu führen, die Region zu meiden. Das Erstaunen war kürzlich gross, als in einer repräsentativen Umfrage die befragten Zürcherinnen und Zürcher in den Baselbietern die unsympathischsten Schweizer sahen. Selbst die Basel-Städter, die nicht nur fussballerisch in Konkurrenz mit den Zürchern stehen, schnitten besser ab. Das miserable Resultat der Baselbieter hat vor allem mit einer auffälligen Profillosigkeit des Baselbiets im restlichen Land zu tun, die verschiedene Gründe hat. Viele davon sind hausgemacht, könnten aber korrigiert werden.

Das Baselbiet hat viel zu bieten – nicht nur touristisch

In einem Jahr darf sich das Baselbiet ins nationale Schaufenster stellen wie noch nie zuvor.

Mit dem Eidgenössischen Schwingfest 2022 in Pratteln haben der Kanton und seine Menschen die Chance, sich dem restlichen Land zu präsentieren.

Die Organisatoren der Grossveranstaltung rechnen mit fast einer halben Million Besucherinnen und Besuchern. Natürlich ist der Anlass auf drei Tage begrenzt und es ist vor allem der Schwingsport, der im Zentrum stehen wird. Aber dem Kanton bietet sich für einmal die Möglichkeit, sich als eine Region zu zeigen, deren Besuch sich lohnt.

Zu bieten hat nicht nur der Kanton Basel-Stadt viel, sondern auch das Baselbiet: Den Liestaler Chienbäse könnte man mit noch gezielterem Marketing in der ganzen Schweiz und sogar im Ausland als das einzigartig-wilde Feuerspektakel bekannt machen, das es ist. Aus dem Baselbiet stammt Tennis-Superstar Roger Federer, der im Bewusstsein vieler in der Schweiz gar kein Baselbieter, sondern ein Basler ist. Unternehmen von Weltrang wie Clariant, Actelion und Ricola haben im Baselbiet ihren Sitz.

Dies sind nur einige Beispiele, die zeigen, dass die Einwohnerinnen und Einwohner stolz auf Baselbieter Errungenschaften sein können. Diese noch mehr nach aussen zu tragen, täte dem Kanton gut.

Während es Basel Tourismus sowie dem kantonalen Standortmarketing in der Stadt gut gelingt, Anlässe wie die Fasnacht, die Herbstmesse oder das Tattoo zu bewerben, hat das Land noch Nachholbedarf.

Die Bemühungen des im Vergleich zu Basel personell dünn besetzten Teams von Baselland Tourismus, hier zuzulegen, sind jedoch klar zu spüren.

Der Landkanton hat seine Vorreiterrolle verloren

Existiert im Baselbiet vieles, das national mehr Aufmerksamkeit verdient hätte, ist der Kanton hingegen auf institutioneller Ebene bemerkenswert unauffällig. Herausragende Leistungen sind in den letzten Jahren vor allem im privaten Bereich erbracht worden, wobei die Akteure hier von den Rahmenbedingungen profitieren können, die ihnen das Baselbiet bietet.

Landesweit für Schlagzeilen sorgte der Kanton zuletzt nur in negativer Hinsicht: Als sich diesen Frühling Tausende Menschen in Liestal zu einer Anti-Corona-Demo versammelten, wurde wohl einigen in der Schweiz wieder einmal die Existenz des Baselbiets vor Augen geführt. Ob sie sich anschliessend weitergehend mit dem Kanton Baselland beschäftigt haben, scheint aber unwahrscheinlich.

Eine Vorreiterrolle übernahm das Baselbiet schon lange nicht mehr. Innovative Ideen, die aus den kantonalen Amtsstuben ins ganze Land hinaus strahlen, sind selten. Dabei war dies einst anders, wie ein Blick ins vergangene Jahrhundert offenbart.

Zwar deutlich nach Basel-Stadt, aber immerhin noch einige Jahre vor der Gesamtschweiz, führte das Baselbiet im Jahr 1968 auf kantonaler Ebene das Frauenstimmrecht ein.

In den 1980-Jahren wurde als Folge des Brandes von Schweizerhalle ein Umweltgesetz verabschiedet, mit dem das Baselbiet schweizweit zu einem Pionierkanton wurde. Eine familienfreundliche Steuerpolitik gehört ebenso zu den Spezialitäten des Landkantons.

Innovative Projekte haben es schwer

In jüngster Zeit haben es Projekte, die national zur Kenntnis genommen würden, schwer. Eine Velo-Hochbahn zwischen Pratteln und Augusta Raurica, die zweifellos den Kanton Baselland in die ganze Schweiz und möglicherweise sogar darüber hinaus getragen hätte, scheiterte letztlich an naiv provozierten Filzvorwürfen. Rückblickend betrachtet, hat der Kanton hier eine Chance verpasst. Rasch wurde aufgegeben, ohne andere Realisierungsszenarien ins Auge zu fassen. Die Möglichkeit besteht, dass die Hochbahn in einem anderen Kanton gebaut wird, der dann die Lorbeeren erntet.

Oftmals ist es aber auch die Bevölkerung, die progressiven Anliegen den Garaus macht. Von der Prüfung einer Fusion mit Basel-Stadt wollten die Baselbieter nichts wissen. Erst kürzlich lehnte die Muttenzer Gemeindeversammlung ein Windkraftwerk auf der Hard ab. Die Verlängerung der Tramlinie 14 nach Augst wurde an der Urne klar verworfen.

Von der restlichen Schweiz gekannt und geliebt zu werden, ist nicht das wichtigste Ansinnen der Baselbieterinnen und Baselbieter. Von ein wenig mehr Mut und aussergewöhnlichen Aktionen könnte der Kanton aber profitieren.

Wetten, dass eine feurige Performance am Zürcher Hauptbahnhof den einen oder anderen aus Zürich an den Chienbäse locken würde?

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