Nachgefragt
Andreas Brunner: «Totale Ablehnung ist nicht sehr zielführend»

Der ehemalige Oberstaatsanwalt des Kantons Zürich wurde von der Baselbieter Regierung mit einer externen Überprüfung der Baselbieter Staatsanwaltschaft beauftragt. Sein Bericht wird von der ständigen Aufsichtskommission harsch kritisiert.

Bojan Stula
Merken
Drucken
Teilen
Wurde von der Baselbieter Regierung beauftragt, die Personaldotation der Staatsanwaltschaft als Aussenstehender zu überprüfen: Andreas Brunner.

Wurde von der Baselbieter Regierung beauftragt, die Personaldotation der Staatsanwaltschaft als Aussenstehender zu überprüfen: Andreas Brunner.

Zur Verfügung gestellt

Herr Brunner, Sie wurden von der Baselbieter Regierung beauftragt, die Personaldotation der Staatsanwaltschaft als Aussenstehender zu überprüfen. Zu welchem generellen Eindruck sind Sie gekommen?

Andreas Brunner: Aus meiner Sicht führt Frau Weirich die Staatsanwaltschaft pragmatisch, fachlich und effizient, also gut.

Die Fachkommission (Fako) sieht das anders, wie aus ihrem umfangreichen Bericht hervorgeht.

Ich habe den Eindruck, dass die Kritik der Fachkommission teilweise stärker der Theorie als der strafrechtlichen Praxis verpflichtet ist. Ein Beispiel: Sie will nicht, dass Sachbearbeiter eigenständig Strafbefehle unterschreiben können. Dabei ist dies in den meisten Kantonen eine übliche und effiziente Handhabe. Im Kanton Zürich und anderen Kantonen sind Sachbearbeiter sogar für die Vergehen im Strafbefehlsbereich selber zuständig.

Die Fachkommission wirft Ihnen vor, Sie hätten «fehlgeleitete Schlüsse» gezogen, und Ihr Bericht weise «grundlegende methodische Mängel» auf.

Für konstruktive Kritik bin ich offen. Aber eine derartige totale Ablehnung und Verweigerung ist nicht sehr zielführend.

Trotzdem: Sie waren der höchste Strafverfolger des Kantons Zürich. Da liegt der Verdacht nahe, dass Sie der Baselbieter Staatsanwaltschaft näher zugewandt sind als der Fako, in der zwei Kantonsrichter sitzen.

Natürlich bin ich ein alter Strafverfolger, aber keineswegs auf der einen oder anderen Seite. Es ist nicht so, dass ich die Staatsanwaltschaft in meinem Bericht nur loben würde. Auch muss ich sagen: Für einen Konflikt braucht es immer mindestens zwei Seiten.