Öffentlicher Verkehr
Angriff auf BLT-Tram: Die Täter verwenden Schleudern

Im Öffentlichen Verkehr ist es erneut zu einem Angriff auf ein Tram gekommen. Neu werden nicht mehr nur Laser verwendet, sondern auch Schleudern. Es werden praktisch wöchentlich neue Laser-Attacken gemeldet. Ein lebensgefährliches «Spiel».

Daniel Haller
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Nach dem dritten Angriff auf ein BLT-Tram ist mittlerweile sicher, dass mit einer Schleuder geschossen wurde:

«Die Polizei hat Steinmehl im Durchschussloch nachgewiesen und versucht nun, dieses einem der im Tram gefundenen Steine zuzuordnen», erklärt Markus Melzl, Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft. Darauf lassen sich allenfalls DNA-Spuren des Täters feststellen.

Alle drei Male erfolgten die Schüsse am Wochenende nach 24 Uhr, zwei Mal in Münchenstein bei der Loogstrasse und nun auf Basler Boden zwischen Dreispitz und M-Park.

Am vorherigen Tatort fuhr am Wochenende wegen Gleisarbeiten nur ein Bus anstelle des Trams.

«Gegenüber Vandalismus ist dies eine neue Kategorie, denn es geht um Leib und Leben», erklärt BLT-Direktor Andreas Büttiker. «Wir erwarten von der Polizei, dass sie in aller Entschlossenheit die Täterschaft sucht.»

«Die Angriffe bringen nicht nur unsere Fahrgäste in Gefahr, sondern auch die Tramführer», betont Büttiker.

Auf den Überlandstrecken seien die BLT-Trams – wie die Eisenbahn auch – mit Sicherungen ausgerüstet, die beim Ausfall des Führers den Zug automatisch anhalten.

In der Stadt sei dies nicht möglich. «Jeder Angriff auf Fahrzeuglenker, sei es ein Tram, ein Bus oder ein Lastwagen, ist eine grosse Gefahr auch für andere Verkehrsteilnehmer.»

Laser sind das häufigere Problem

Schleudern gibt es in unterschiedlicher Ausführung. Sind sie zur Steigerung der Kraft mit einer Armstütze ausgerüstet, sind sie gemäss Waffengesetz verboten.

Zumindest beim Angriff vom 26. August, als das Geschoss quer durchs Tram zwei Scheiben durchschlug, dürfte eine solche im Einsatz gewesen sein.

«Trifft ein derartiges Geschoss jemanden an der Schläfe, kann dies tödlich sein», betont Melzl. Bisher seien solche Schleudern höchstens bei unfriedlichen Demos ein Thema gewesen.

SBB: Fast wöchtenlich Laservorfall

Viel häufiger gehen bei der Polizei aber Anzeigen wegen Attacken mit Lasergeräten ein: Fast zeitgleich mit dem Schuss aufs Tram blendete im Bahnhof Lausen ein Jugendlicher einen Lokführer mit Laser derart, dass er den Zug stoppen musste.

«Die SBB verzeichnen fast wöchentlich einen solchen Vorfall. Dies nimmt in letzter Zeit zu», berichtet SBB-Sprecherin Lea Meyer.

Die Lokführer seien angewiesen, anzuhalten und sich auf Langzeitschäden untersuchen zu lassen.

«Eine solche Tat ist feige und illegal. Wir erstatten in jedem Fall Anzeige.» «Da das Opfer je nach Stärke des Strahls minutenlang nichts mehr sieht, kann ein Lokführer die Signale nicht mehr erkennen», sagt Peter Moor, Sprecher der Eisenbahnergewerkschaft SEV. «Ein solcher Kontrollverlust kann irgendwann grässliche Konsequenzen haben.»

Komplizierte Gesetze bei Lasern

Auch gegen Bus- und Tramführer haben die Laser-Angriffe zugenommen, berichtet Melzl. Zudem seien die Geräte auch in Fussballstadien aufgetaucht, um den gegnerischen Goalie zu blenden.

«Im Joggeli hatten wir noch keinen Fall. Aber bei Einsätzen im Umfeld von Fussballspielen hatten wir neun Laserattacken auf Polizisten. Einer wurde verletzt.»

Im Gegensatz zu den Schleudern seien die Gesetze bei Lasern unübersichtlich.

Starke Laser bald als Waffen eingestuft

So fallen die starken Lasergeräte unter das Starkstromgesetz, die schwächeren unter das Bundesgesetz zur Produktsicherheit. Deshalb könne die Polizei gewisse Laser, die man für Unfug, aber auch für gefährliche Angriffe auf Personen einsetzen kann, nicht beschlagnahmen.

«Für Laser mit 1000 Milliwatt Leistung und einer Reichweite von 6,8 Kilometern gibt es keine vernünftige legale Verwendung», erklärt Melzl. Deswegen sei man daran, starke Geräte dem Waffengesetz zu unterstellen.

Zu den Motiven für Schleuderschüsse und den Laserangriff gibt es keine Anhaltspunkte. Vermutungen wie Blödsinn, Langeweile oder Frust stehen im Vordergrund.

«Wir können darauf nur reagieren, indem wir solches Verhalten professionell ernst nehmen und die Polizei einschalten», betont BLT-Chef Büttiker.