Liestal
Angst ums liebe Geld: Ladenchefs stören sich an Kinderkonzerten

Seit Jahren gehören die Lilibiggs-Kinderkonzerte fix zum Liestaler Frühlings-Kulturprogramm. Doch während sie einerseits zig Kinder zum Strahlen bringen, sorgen sie andererseits für Missmut bei den Ladenbesitzern und Geschäftsführern des Stedtli.

Alessandra Paone
Merken
Drucken
Teilen
Lilibiggs Kinderkonzerte

Lilibiggs Kinderkonzerte

bz Basellandschaftliche Zeitung

Das betrübt den Veranstalter der Kinderkonzerte Michael Furler: «Am Anfang waren wir sehr willkommen – das hat sich leider geändert. Jetzt fühlen wir uns wie Eindringlinge.»

Weil sich einige Detaillisten, insbesondere der frühere Coop-Geschäftsführer Peter Christener, über Umsatzbussen beklagt hatten, war der beliebte Familienanlass im vergangenen Jahr auf Bitte der Stadt Liestal nicht in der Rathausstrasse sondern auf dem Obergestadeckplatz durchgeführt worden. Dieses Jahr soll der Schweizer Tournee-Auftakt der Kinderkonzerte aber wieder traditionsgemäss im Stadtzentrum über die Bühne gehen. Obwohl die Infrastruktur auf dem Obergestadeckplatz gut sei, habe die historische Kulisse im letzten Jahr gefehlt, betont der Manager. Ausserdem sei in der Vereinbarung mit der Stadt die Rathausstrasse als Austragungsort festgeschrieben worden.

«Die Leute kommen nur wegen der Veranstaltungen»

Furler hatte gehofft, dass sich die Diskussionen um die Rückkehr der Konzerte ins Stadtzentrum in Grenzen halten würden. Doch da hat er sich getäuscht: «Die Nachricht kam leider nicht gut an.» Diverse Personen seien bei der Stadt vorstellig geworden. Dies kann Marco Avigni bestätigen. Bei Veranstaltungen dieser Grösse fühle sich der Detailhandel tangiert, sagt der Kulturverantwortliche der Stadt Liestal. Doch solche Anlässe müsse man vor allem als Chance betrachten, könnten doch auch Synergien genutzt werden, so Avigni. «Schliesslich wollen wir alle ein belebtes Stedtli.»

Dies sieht der neue Coop-Geschäftsführer Beat Gränicher aber anders. Es stimme nicht, dass Grossanlässe im Stedtli mehr Kunden anlocken. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre hätten genau das Gegenteil gezeigt. «Die Leute kommen nur wegen der Veranstaltungen und gehen in der Regel nicht in die Läden.»

«Wir werden eine Lösung finden»

Der SVP-Einwohnerrat hat grundsätzlich nichts gegen die Kinderkonzerte oder ähnliche Anlässe in der Rathausstrasse. Doch müsse der Zugang zu den Läden gewährleistet sein. Es dürfe nicht sein, dass Kunden nur über Umwege in die Läden gehen können. Und überhaupt: «Nicht wir müssen Rücksicht auf die Veranstalter nehmen. Sie müssen sich nach uns richten. Denn die Kunden sind unsere Existenz.» Dies sei leider nicht jedem bewusst, der im Stedtli «herumtanzt».

Michael Furler ist bereit, den Detaillisten entgegenzukommen und hat bereits mit Beat Gränicher Kontakt aufgenommen. So beginnen die Konzerte am Samstag erst um 16 Uhr. Ausserdem wird der Zugang zum Coop durch eine «spezielle und aufwändige» Absperrung sichergestellt. Am Freitag vor den Aufbauarbeiten sollen gemeinsam die letzten Details besprochen werden. Furler: «Wir werden eine Lösung finden.»