Skepsis
Angst vor Randständigen und vor dem Fremden

Auf den anderen Campingplätzen der Region nimmt man vom Dittinger Modell Abstand. Zu gross ist die Angst vor der «falschen» Klientel.

Michael Nittnaus
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Dittinger Campingplatz: Ronald Scherrer hat die Übersicht.

Dittinger Campingplatz: Ronald Scherrer hat die Übersicht.

Wie viele Personen im Kanton Baselland genau ihren Wohnsitz auf einem Campingplatz haben, ist laut dem Statistischen Amt nicht erfasst. Klar ist: In der Region ist dies nur in Dittingen möglich, weswegen die Angaben von «Rank»-Verwalter Ronald Scherrer ein gutes Indiz sind. Auf dem Campingplatz «Wiesengrund» in Hölstein sei es bis Mitte der Neunziger Jahre ebenfalls möglich gewesen, sagt Platzwart Dominik Lienert und ergänzt: «Für den Geschmack des Gemeinderates hat das aber zu viele Sozialfälle angelockt.

Deswegen haben sie es verboten.» Lienert bedauert diesen Entscheid. Schliesslich ist die Anlage mit rund 50 Stellplätzen das ganze Jahr geöffnet und erfüllt auch infrastrukturell alle Voraussetzungen. «Die Qualität der Mieter ist heute auch ganz eine andere als damals. Hölstein muss keine Angst haben», sagt Lienert.

Nutzung als Wohnsitz verboten

Ebenfalls das ganze Jahr geöffnet hat die TCS-Anlage in Hochwald. Auch hier verbietet der Pachtvertrag mit der Bürgergemeinde die Nutzung als Wohnsitz. Doch anders als in Hölstein ist hier der Platz-Verwalter ebenfalls dagegen: «Wir wollen keine Wohnkolonie sein», sagt François Golay. Ausserdem würde der TCS-Platz mit seiner Jahresmiete von 1250 Franken sonst «viel zu attraktiv für jedermann». «Jedermann» ist auch nicht auf dem grössten Campingplatz der Region in Reinach erwünscht: «Ein permanenter Wohnsitz könnte Randständige anziehen. Das ist nicht unsere Klientel», sagt Betreiber Roger Leisinger und wird noch deutlicher: «Wir sind doch kein wildes Zeltlager.» Seine Gäste würden «4-Sterne-Qualität» erwarten.

Leisinger zieht eine Parallele zur Problematik der Fahrenden: «Da sind wir auch sehr restriktiv und lassen sie nur begrenzt auf den Platz.» Im Reinacher «Waldhort» ist das Modell von Dittingen momentan auch gar nicht umsetzbar. Die Anlage darf laut Zonenplan nur saisonal geöffnet sein. Auch feste Anbauten, die über Vorzelte hinausgehen, sind nicht erlaubt.

Nicht zuletzt ist für Leisinger klar: «Im Winter ist unser Campingplatz trostlos und kalt. Da möchten unsere Mieter sowieso nicht bleiben.»

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