Wochenkommentar
Anmerkungen zum Fall Bloch

Wie die «Basler Zeitung» publik machte, läuft hinter den Kulissen gegen den Baselbieter Kantonstierarzt Ignaz Bloch eine Administrativuntersuchung. Ihm werden unter anderem willkürliche Vergabe von Jagdlizenzen und andere Verstösse zur Last gelegt.

Bojan Stula
Merken
Drucken
Teilen
Der Baselbieter Kantonstierarzt Ignaz Bloch.

Der Baselbieter Kantonstierarzt Ignaz Bloch.

N. Lorandi

Laut «BaZ» habe er in seinem Amtsbereich «nach Belieben schalten und walten» können. Ein typischer Fall also von Vetternwirtschaft und Behördenwillkür.

Selber zu den Vorwürfen Stellung nehmen durfte Bloch nicht, obschon er das gerne getan hätte. Wegen des laufenden Verfahrens ist ihm von Amtes wegen die Schweigepflicht auferlegt worden.

Ebenso wenig durfte die Staatsanwaltschaft Auskunft geben. Ihr wird vorgeworfen, die Strafuntersuchung vorschnell fallen gelassen zu haben, da man «schliesslich gegen Chefbeamte nicht ermittle»; Säuhäfeli-Säudeckeli eben. Die auf den Fall aufmerksam gemachte Geschäftsprüfungskommission des Landrats hat eine eigene Untersuchung eingeleitet, deren Ergebnis im September veröffentlicht wird.

Der Fall scheint klar, die öffentliche Meinung über Bloch ist gemacht, wie aus zahlreichen Kommentaren in Diskussionsforen und an Stammtischen hervorgeht: Bloch muss weg.

Täglich melden sich neue Stimmen, die, auch aufgrund eigener Erfahrungen, schon immer gewusst haben, dass mit dem Mann etwas nicht stimmt. Diese kamen nicht nur in der «BaZ», sondern auch in anderen Medien zu Wort. Die bz hat dagegen über den Fall bisher noch nicht berichtet.

Das hat seinen Grund: Wir fragen uns nämlich, ob man die ganze Geschichte nicht auch ganz anders sehen kann. Die Stellung des Kantonstierarztes und Leiter des Veterinärwesens ist eine der exponiertesten in der kantonalen Verwaltung.

Die Jäger, Fischer, Bauern, Hündeler, Beizer und sonst alle, die mit Tieren oder Tierfleisch zu tun haben und von Bloch beaufsichtigt werden, sind nicht immer eine einfache Kundschaft. Gewisse Jäger, die wegen fehlbarer Abschüsse gebüsst werden oder gar ihre Jagdlizenz verlieren, vergessen das ihren Lebtag lang nie und machen dafür den Kantonstierarzt persönlich verantwortlich.

Wenn nun publik wird, dass gegen Bloch eine Untersuchung läuft, fühlen sich genau diese Kreise darin bestätigt, dass ihnen einst von diesem selbstherrlichen «Verwaltungs-König» Unrecht angetan worden ist.

Ein Jäger, mit dem ich diese Woche über den Fall gesprochen habe, formuliert es so: Entweder nimmt man als Kantonstierarzt die Tierschutzgesetzgebung auf die leichte Schulter und lässt viel durchgehen - dann hat man überall nur Freunde. Oder man setzt mit Konsequenz die Regeln durch - dann ist man für viele der «Schoofseggel».

Ich bin kein Jäger und kann das nicht aus eigener Erfahrung beurteilen. Aber plausibel klingt das allemal. Immer dann, wenn die bz mit Bloch zu tun hatte, hinterliess er einen äusserst korrekten Eindruck. Verwaltungsintern steht er im Ruf, ein vielleicht etwas machtbewusster, aber pflichteifriger und durchsetzungsfreudiger Chefbeamter zu sein. Das muss nicht viel bedeuten. Aber es ist offensichtlich, dass Blochs öffentliche Demontage von vielen ganz gerne gesehen wird.

Zum jetzigen Zeitpunkt wissen wir schlicht nicht, ob Bloch Gesetze gebrochen hat oder nicht. Offizielle Erkenntnisse liegen unter Verschluss, die Betroffenen müssen schweigen. Jene, die etwas sagen, sind vermutlich interessengesteuert.

Ich bin fast sicher, dass von der Masse an Vorwürfen nach Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse nicht allzu viel hängen bleiben wird. Das behaupte ich mit genauso viel Recht oder Unrecht wie jene, die Bloch bereits jetzt aburteilen.

Ich werde mich im September aber gerne belehren lassen. Dann wird sich auch der Vergleich mit dem GPK-Bericht über die angeblichen Fehlleistungen der Staatsanwaltschaft aufdrängen. Zumindest dort ist die im Vorfeld medial aufgebauschte Kritik in sich zusammengefallen. Es lohnt sich deshalb, Bloch in diesen Tagen nicht völlig alleine zu lassen.