Der Selbstbewusste
Anton Lauber: «Ich hege den Wunsch nach Aufbruch und Erneuerung»

Für den CVP-Finanzdirektor Anton Lauber ist gute Vorbereitung der Schlüssel zum Erfolg. Seiner Wiederwahl sieht der Optimist gelassen entgegen.

Michael Nittnaus
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«Ich schliesse keine Türen – ich öffne sie», sagt Anton Lauber im Wissen um die Symbolik des Bildes im grossen Saal des Mittenza in Muttenz.

«Ich schliesse keine Türen – ich öffne sie», sagt Anton Lauber im Wissen um die Symbolik des Bildes im grossen Saal des Mittenza in Muttenz.

Kenneth Nars

Will man den Ort sehen, der für den Politiker Anton Lauber steht, muss man ins Kongresszentrum Mittenza nach Muttenz gehen. Will man den Ort sehen, der für den Menschen Anton Lauber steht, muss man ins Restaurant Landhus nach Allschwil. «Da bin ich nicht der Magistrat, sondern einfach der Toni. Da fühle ich mich wohl», sagt er – und bestellt im Mittenza einen Kaffee. Schliesslich geht es um Laubers Wiederwahl in die Baselbieter Regierung. Da möchte der 53-Jährige lieber den kantonal tätigen Politiker ins Zentrum rücken und trifft die bz deshalb im Restaurant des Mittenza. Dass gegen Ende des Gesprächs auch der Mensch «Toni» hervor blitzt, mag an der warmen Tasse Kaffee liegen, die diesem verregneten Wintermorgen so etwas wie Gemütlichkeit verleiht. Ganz sicher liegt es aber auch an der Person Lauber selbst, die noch nie um klare Worte verlegen war.

«König von Allschwil? Passt.»

Warum also das Mittenza? Im grossen Saal haben dort 2012 alle 86 Baselbieter Gemeinden zusammen die Charta von Muttenz verabschiedet. Für Lauber «ein Meilenstein der Zusammenarbeit». Und nach wie vor finden hier alle paar Monate weitere Tagsatzungen der Gemeindevertreter statt. Vor seiner Wahl in die Kantonsregierung 2013 zählte Lauber als Gemeindepräsident von Allschwil zu den treibenden Kräften dieses interkommunalen Austauschs. Seit er Finanzdirektor ist, nimmt er als Beisitzer noch immer an den Tagsatzungen teil, vertritt aber die Interessen des Kantons. Den Blick der Gemeinden hat Lauber jedoch nie ganz verloren: «Für mich sind beide Ebenen wichtig: der Austausch zwischen den Gemeinden aber auch jener zwischen den Gemeinden und dem Kanton. Dafür steht das im Mittenza Erreichte.»

Und genau das macht den Regierungsrat Lauber aus: Die Gemeindevertreter wissen, dass er sie versteht. «Ich kann glaubwürdig eine Vermittlerposition einnehmen», sagt er. Das Regierungsamt hätte ihn nicht verändert. «Ich stehe grundsätzlich immer für den Kanton ein.» Dabei gefällt Lauber nicht alles, was er sieht: «In letzter Zeit hat eine gewisse Erstarrung stattgefunden. Ich möchte den Kanton vorwärtsbringen, weg von einer pessimistischen und abwartenden Grundhaltung. Ich hege den Wunsch nach Aufbruch und Erneuerung.»

Da kommt Laubers zweite Eigenschaft, neben der Fähigkeit zu vermitteln, ins Spiel. Ihm mangelt es nicht an Selbstbewusstsein. «Ich bin ein Macher. Durch mich ist sicher auch neue Bewegung in die Regierung gekommen», sagt er, und beginnt, seine Verdienste von eineinhalb Jahren Regierungstätigkeit aufzuzählen: Die Sanierung der Basellandschaftlichen Pensionskasse durchgebracht, die Revision des Finanzausgleichs sowie des Finanzhaushaltsgesetzes aufgegleist, den Budgetprozess gestrafft, das Gemeindestrukturengesetz mit seinen Regionalkonferenzen ausgearbeitet, die Zusammenarbeit unter den Direktionen verbessert, das Ruhegehalt der Regierungsräte eingeschränkt. «Das ist sicher ein beeindruckender Leistungsausweis», sagt Lauber. Und: «Ich weiss nicht, ob schon viele neue Regierungsräte in so kurzer Zeit so viel angestossen haben.»

Das könnte man dem Allschwiler Anwalt leicht als Arroganz auslegen. Doch man muss eben auch nüchtern festhalten: Hinter den Worten stecken bei Lauber die entsprechenden Taten. Hört man sich im Landrat um, so wird keiner der aktuellen Regierungsräte so gelobt wie Lauber. Der Finanzdirektor ist zwar das zuletzt gewählte Mitglied des Fünfergremiums, doch bereits ist er das Zugpferd. Dazu passt seine Selbsteinschätzung: «Ich hatte schon immer den Willen zu gestalten, die Zügel selber in die Hand zu nehmen.»

Diese Haltung wurzelt auch auf Laubers Erziehung. «Meine Eltern liessen mir zwar viele Freiheiten, was aber herrschte, war eine klare Leistungserwartung.» Sein Vater, Anton Senior, war ein in Allschwil stationierter Wachtmeister der Kantonspolizei. «Mein Vater war ein volksnaher Mensch. Und auch ich halte den Dienst an der Öffentlichkeit hoch», meint Lauber. Auch das Flair für die Politik hat Toni Junior von Toni Senior. Laubers Vater sass in den 1970ern acht Jahre für die CVP im Landrat. Am Mittagstisch war Politik daher ein Dauerbrenner. «Mich hat schon immer begeistert, welche unglaubliche Themenvielfalt Politik bietet.»

Dieses breit gefächerte Interesse, verbunden mit dem erwähnten Verlangen, «die Zügel selber in die Hand zu nehmen», brachte ihm später den Titel des «Königs von Allschwil» ein. Lauber hatte als Gemeindepräsident von 2004 bis 2013 die Dossiers aller Departemente im Griff. Und hier ist er wieder, der Selbstbewusste: «Es ist wohl schon so, dass ich der Gemeinde ein Gesicht und einen Charakter gegeben habe.» Von daher passe «König» schon. Sagt es, nur um rasch noch anzufügen: «Aber nicht die Eigenmächtigkeit eines Königs.» Im Regierungsrat nun sei es etwas anders, da der Präsident nicht für alle Direktionen spreche. Aber: «Wenn wir als Plenum zusammenkommen, dann verstehe ich mich weniger als Vertreter der Finanzdirektion, sondern sehe mich in der Gesamtverantwortung.» Für Lauber ist es wichtig, auch die Dossiers der anderen Regierungsräte zu verfolgen und «strategische Fragen im Auge zu haben». Machen das die anderen Vier auch? Lauber zögert, bis er sagt: «Die anderen Regierungsräte sehen das vielleicht nicht ganz so pointiert wie ich. Es ist eben der Job meiner Finanzdirektion, bei den anderen den Finger draufzuhalten.»

Lauber hinterfragt sich regelmässig

Dass es für Lauber auf seiner bisherigen politischen Karriereleiter stets bergauf ging – Allschwiler Einwohnerrat, Gemeinderat, Gemeindepräsident, Regierungsrat – liege auch an seinem Optimismus, ist er überzeugt: «Nur dadurch konnte ich so weit kommen.» Er orientiere sich stets am Machbaren und lasse sich nicht durch Negatives zurückbinden. Dabei weiss er: «Ein Optimist wird immer etwas belächelt, ein Pessimist dagegen als kritischer Weltenbürger angesehen.» Doch das sei ihm egal. Lauber sieht überall Chancen, Chancen, Chancen. «Ich liebe Chancen», sagt er sogar. Diese Überschwänglichkeit kommt in offiziellen Gesprächen sonst eher selten zum Vorschein. Und auch am Kaffeetisch des Mittenza besinnt sich Lauber schnell wieder auf sein angestammtes Vokabular.

Doch dann, gegen Ende des über zweistündigen Gesprächs, als die Kaffeetasse längst leer vor ihm steht, gewährt er einen Einblick in sein Innenleben: «Der Eindruck täuscht, dass bei mir immer alles so einfach geht. Auch ich schüttle nicht alles locker aus dem Ärmel.» Im Gegenteil: Er hinterfrage sich regelmässig, prüfe, ob er auf dem richtigen Weg sei. «Das beschäftigt mich.» Lauber, der Unsichere? Das dann doch nicht: «So geht es mir vor allem, wenn ich mich auf etwas vorbereite. Habe ich mich aber einmal entschieden, dann trete ich entschlossen auf.» Der souveräne Auftritt fusse letztlich auf guter Vorbereitung.

«Ich bin überzeugt, dass die Wählerinnen und Wähler mein Engagement honorieren werden, meinen Mut, den Kanton vorwärts zu bringen», sagt er und spannt damit den Bogen zum 8. Februar 2015. Er wolle zwar nicht zu euphorisch sein, doch die Voraussetzungen, dass er in seinen ersten Gesamterneuerungswahlen reüssiert, bezeichnet er als «sicher gut». Arrogant? Wohl kaum. Selbstbewusst? Garantiert.