Antragsflut
Monsterdebatte an Lupsinger Gemeindeversammlung: Zonenplanrevision ist schwieriges Terrain

Der Souverän sagt deutlich Ja und lehnt mehrere Anträge ab. Die Gewerbezone bleibt, in der Wohnzone darf höher gebaut werden. Wird nun das Referendum ergriffen?

Simon Tschopp
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Die Lupsinger Gemeindeversammlung fand in der Sporthalle Kaserne in Liestal statt.

Die Lupsinger Gemeindeversammlung fand in der Sporthalle Kaserne in Liestal statt.

Simon Tschopp (Liestal, 3. Juni 2021)

Eine Zonenplanrevision ist eine enorme Herausforderung. Erst recht, wenn sie an der Gemeindeversammlung mit über 140 Stimmberechtigten diskutiert wird. In einer Marathondebatte von gegen vier Stunden winkte der Lupsinger Souverän am Donnerstag um Mitternacht die Revision mit grossem Mehr durch. Nach einer Antragsflut und vielen Wortmeldungen wurden – mit zwei Änderungen – Zonenplan und Zonenreglement Siedlung genehmigt. Darin berücksichtigt sind Eingaben aus dem öffentlichen Mitwirkungsverfahren.

Gewerbezone ist umstritten

In der Sporthalle Kaserne in Liestal wird um Gebäude- und Fassadenhöhen, um Dachneigungen und -varianten gefeilscht. Vorstösse gegen höhere Häuser sowie für Verbote von Flachdächern und Attikageschossen in gewissen Bereichen werden mehr oder weniger deutlich abgelehnt.

Am meisten Gesprächsstoff liefert die Gewerbezone am nördlichen Dorfeingang Richtung Oristal. Die Zone existiert zwar schon lange, hat aber erst in den vergangenen Monaten im Dorf zu kontroversen Diskussionen geführt. Eine Schreinerei hat dort Land erworben und möchte bauen. Wegen der laufenden Zonenplanrevision hat der Gemeinderat jedoch eine Bausperre verhängt, weil ungewiss war, wie sich das Stimmvolk entscheidet – für oder gegen die Gewerbezone. Nun ist klar: Die Gemeindeversammlung lehnt den Antrag, dieses Gebiet in die Landwirtschaftszone umzuwandeln, wuchtig ab. Die Bausperre besteht, bis der revidierte Zonenplan rechtskräftig ist.

Grössere Gebäude möglich

Befürworter des Vorstosses befürchten, dass grössere Betriebsgebäude den dörflichen Charakter beeinträchtigen würden.

«Lupsingen ist intakt»,

sagt ein Antragsteller. Die Gegenseite redet von einer «radikalen Massnahme», würde das Land ausgezont. Gewerbe generiere Arbeitsstellen im Dorf. Zudem könnten bei einer Rückzonung Entschädigungsforderungen fällig werden. Ein weiterer Antrag, die Gebäudedimensionen bei maximal 8 Metern Höhe und 25 Metern Länge zu belassen, ist ebenfalls chancenlos. Neu gelten maximal 10 beziehungsweise 40 Meter.

Quartierplanpflicht fällt weg

Mit einem Begehren ist das Duo, das die Versammlung mit Anträgen geradezu eindeckt, erfolgreich. So wird an drei Plätzen die Quartierplanpflicht gestrichen, entgegen den Vorstellungen von Planungskommission und Exekutive.

An der stark besuchten Gemeindeversammlung wird trotz Emotionspotenzial sachlich, aber engagiert diskutiert. Kleinere Seitenhiebe sind die Ausnahme. Die Beratungen machen deutlich, dass bei solchen Geschäften eine Versammlung an ihre Grenzen stösst. Eine Zonenplanrevision ist komplex und umfangreich. Von einem

«mordsgrossen, riesigen Traktandum»

spricht der für Raumplanung zuständige Gemeinderat Nicolas Hug. Für viele ist es wenig greifbar. Das führt zu vielen Fragen. Gemeindepräsidentin Sibylle Wanner formuliert bei Abstimmungen zu Anträgen teils unklar, was hin und wieder für ein Raunen sorgt.

Noch ist der revidierte Zonenplan nicht in trockenen Tüchern. Ob die zwei Männer mit ihren mehreren gescheiterten Anträgen das Referendum ergreifen, ist offen. Nach der Versammlung sagte einer der Antragsteller zu dieser Zeitung:

«Zuerst wollen wir darüber schlafen.»