Waldenburg
Anwohner basteln eigene Verkehrsschilder, damit Autofahrer langsamer fahren

Grossbaustelle in der Waldenburger Altstadt: Die Hauptstrasse ist seit Montag für sieben Wochen komplett gesperrt. Warum die Totalsperrung im Stedtli aber nicht für rote Köpfe sorgt, zeigt eine Reportage vor Ort.

Oliver Sterchi
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Waldenburgs Hauptstrasse ist für sieben Wochen totalgesperrt
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Kein Durchkommen mehr: Im Stedtli herrscht für sieben Wochen Fahrverbot.
Die ersten Bauarbeiten sind seit Montag im Gang.
Der Strassenbelag wird abgeführt.
Das Stedtli Waldenburg ist für den Verkehr für sieben Wochen totalgesperrt.
Die ersten Bauarbeiten sind seit Montag im Gang.
Verkehrsfreies Stedtli dank der Totalsperrung.
Auch vor dem Hotel Löwen wird gebaut.
Strassenschilder werden abmontiert.
Die ersten Bauarbeiten sind seit Montag im Gang.

Waldenburgs Hauptstrasse ist für sieben Wochen totalgesperrt

Kenneth Nars

«Zum Glück ist das eine wichtige Durchgangsstrasse, sonst würde hier wohl nicht so effizient gearbeitet», sagt ein Mann am Stammtisch und nimmt einen kräftigen Schluck aus seiner Stange. Draussen vor dem Restaurant Löwen nehmen Arbeiter gerade die Strasse auseinander.

Stück für Stück brechen Pressluftbohrer den Asphalt auf, Bagger baggern im kiesigen Untergrund und eine Heerschar von Arbeitern schaufelt, schleppt, bohrt und hämmert. Grossbaustelle in der Waldenburger Altstadt: Während sieben Wochen wird die Hauptstrasse einer Frischzellenkur unterworfen. Dass sie dabei für den Verkehr gesperrt bleibt, sollte eigentlich für viele rote Köpfe sorgen, würde man meinen.

Dass dem aber nicht so ist, erklärt der Wirt des Gasthofs Löwen, der direkt an der Baustelle liegt: Es käme zwar weniger Laufkundschaft und das würde schon zu Buche schlagen. Aber so schlimm sei es auch wieder nicht, da die Sperrung ja schon lange angekündigt worden sei und man sich entsprechend habe darauf vorbereiten können. «Wir müssen einfach abwarten und Tee trinken respektive ausschenken», so der Wirt.

Selbst gebastelte Verkehrsschilder

Und die Anwohner? Gearbeitet und entsprechend gelärmt wird von fünf Uhr in der Früh bis zehn Uhr abends, sechs Tage die Woche. Zudem wird der Verkehr mitten durch ein Wohnviertel umgeleitet. «Kein Problem, das stört mich kaum», meint eine Anwohnerin, die sich das Spektakel von ihrem Balkon aus anschaut. Es seien nicht so viele Autos wie befürchtet.

Und tatsächlich: Der Verkehr hält sich in Grenzen und die Automobilisten sich brav an die Geschwindigkeitsvorgabe. Selbst gebastelte, kunstvoll verzierte Schilder erinnern alle zehn Meter daran, dass man «uns Kindern zuliebe» bitte nur 30 Stundenkilometer fahren solle.

Und falls es doch noch mehr Autos werden sollten? Auch das würde die Anwohnerin auf dem Balkon nicht stören: «Ich bin eh bald in den Ferien», erklärt sie schmunzelnd.

Anwohner bleiben gelassen

Man mag es kaum glauben, aber in Waldenburg scheint sich tatsächlich kaum jemand ob der Strassensperrung zu nerven. «Wir haben bis jetzt zum Glück kaum Reklamationen erhalten», sagt die sichtlich erleichterte Projektleiterin des Tiefbauamts, Regina Wenk. Auch die Verkehrsumleitung gestalte sich flüssiger als befürchtet.

Wenk erklärt sich diesen Umstand so: «Die Bevölkerung wurde von uns frühzeitig und umfassend informiert. Die Leute wissen, worum es geht und wir kommen ihnen so weit wie möglich entgegen.» Zu diesem Zweck sei eigens eine Hotline eingerichtet worden, so Wenk.

Trotz aller Erleichterung über den geregelten Ablauf des Projekts bleibt Wenk aber angespannt: Man wisse ja nie, was noch passieren werde. In die Sommerferien fahren wird sie jedenfalls nicht. Wenk beharrt zudem darauf, dass Waldenburg prinzipiell für den Durchgangsverkehr gesperrt sei, und weist darauf hin, dass bei den Ampeln an beiden Enden der Umfahrung jeweils mit Wartezeiten von 10 bis 15 Minuten zu rechnen sei.

Alles in allem scheint die Situation in Waldenburg weniger dramatisch als anfangs befürchtet. Die Anwohner reagieren mit Gelassenheit und nehmen allfällige Umständlichkeiten ohne grosses Murren in Kauf. Oder wie es der Stammtischler in der Beiz treffend formuliert: «Stell dir vor, es ist Strassensperrung und keiner geht hin.»

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