«Hofmet-Schüürä»
Arboldswil schwimmt gegen den Strom: «Das Dorfleben muss irgendwo stattfinden»

Der jetzige Einkaufsladen taugt nicht mehr. Die Gemeinde gibt aber nicht auf und hat das Terrain für einen neuen Laden mit Café geebnet.

Simon Tschopp
Merken
Drucken
Teilen
Der jetzige Einkaufsladen taugt nicht mehr. Die Gemeinde gibt aber nicht auf und hat das Terrain für einen neuen Laden mit Café geebnet. (Archiv)

Der jetzige Einkaufsladen taugt nicht mehr. Die Gemeinde gibt aber nicht auf und hat das Terrain für einen neuen Laden mit Café geebnet. (Archiv)

Nicole Nars-Zimmer (niz)

In kleineren Ortschaften landauf, landab verschwinden Dorfläden, weil Kosten steigen und Einnahmen sinken. Auch die Existenz des Arboldswiler Einkaufsladens steht immer wieder auf wackligen Füssen. Der Vorstand der Dorfladengenossenschaft (DLG) und der Gemeinderat wollen sich jedoch nicht dem Schicksal fügen. Im Gegenteil: Sie haben die Flucht nach vorne ergriffen, ihre Köpfe zusammengesteckt und ein Projekt aus dem Boden gestampft, das in der Dorfbevölkerung eine Mehrheit finden dürfte.

Zonenplan-Mutation genehmigt

Den ersten Schritt dazu hat die Gemeindeversammlung mit 65 von insgesamt 436 Stimmberechtigten am Dienstagabend getan. Sie stimmte einer Zonenplan-Mutation von gemeindeeigenem Land mit überwältigendem Mehr zu. Geplant sind ein neuer Dorfladen und ein Café mit Aussensitzplätzen auf dem Areal des jetzigen Gemeindeschopfs, gleich neben Mehrzweckhalle, Schule und Spielplatz. Dieses Gelände befindet sich in der Zone für öffentliche Werke und Anlagen. Um das Vorhaben zu realisieren, muss auf Geheiss des Kantons in die Wohn- und Geschäftszone umgezont werden.

Der bestehende Dorfladen im Zentrum hat keine Zukunft mehr; die Lokalitäten sind zu eng, die Einrichtungen nicht mehr zeitgemäss. «Wir treten an Ort und kommen nicht vom Fleck», schenkt Urs Ritter, der Präsident der DLG, klaren Wein ein. Dies sagt er am Informationsanlass, der vorgängig zur Gemeindeversammlung stattgefunden hat. Keine Frage: Eine grössere Ladenfläche, um das Grundangebot und die Palette an Frischprodukten aus der Region zu erweitern, ist nötig, um den Laden zu retten.

Die Exekutive gibt ein klares Bekenntnis ab. Eine Einkaufsmöglichkeit für die Bevölkerung, vor allem für ältere Einwohnerinnen und Einwohner, sei wichtig, betont Gemeindepräsident Johannes Sutter und meint weiter: «Das Dorfleben muss irgendwo stattfinden. Es braucht ein Zentrum als Treffpunkt für Bevölkerung und Vereine.» Die Turnhalle und das Schützenhaus reichten nicht. Die Gemeinde stellt das Gebäude zur Verfügung, die Dorfladengenossenschaft betreibt Laden und Café und bezahlt dafür Miete.

Urs Ritter ist überzeugt, dass das neue Konzept greifen wird. Eine Ladenfläche von 100 Quadratmetern, rund dreimal grösser als jetzt, mehr als doppelt so viele Produkte, eine rustikale Einrichtung, schwellenlose Räumlichkeiten, neue Kühlzellen und ausgedehnte Öffnungszeiten – laut Ritter «am besten von morgens früh bis abends spät» – gehören zum Rezept. Der DLG-Präsident ist sich bewusst, dass mit dem Ertrag auch der Aufwand steigen wird. Er rechnet mit doppelt so hohen Lohnkosten, auch die Miete wird viel stärker zu Buche schlagen.

Für die Dorfbevölkerung

Die «Hofmet-Schüürä», wie das Projekt heisst, soll als Holzbau daherkommen und den Scheunencharakter behalten, führt Gemeinderat Benjamin Schweizer aus. Im Erdgeschoss sind neben Einkaufsladen und Selbstbedienungs-Café ein Holzlager für die Gemeinde und Technikräume vorgesehen. Mehrzweckraum für Veranstaltungen und Lagerräume für Vereine werden in der ersten Etage untergebracht. Toiletten sind in beiden Geschossen geplant. Das Gebäude wird aussen markanter als der jetzige Gemeindeschopf.

Das Vorhaben ist derzeit in der Vorprojekt-Phase. Laut dem Gemeindepräsidenten wird es gegen zwei Millionen Franken verschlingen. An der Gemeindeversammlung im September steht der Baukredit zur Debatte. Dann wird die DLG auch ein detailliertes Budget vorlegen. Wenn alles seinen Lauf nimmt, sind die Bauarbeiten Ende 2020 abgeschlossen.

Nachtragskredit

Applaus trotz «Tolggen im Reinheft»

Der Nationale Wandertag vom September 2018 in Arboldswil bleibt in bester Erinnerung. Ein Wermutstropfen ist das finanzielle Ergebnis. Statt der vorgesehenen schwarzen Null resultierte ein Verlust von 19'500 Franken. Weil bloss 90'000 Franken als Aufwand budgetiert waren, aber gegen 153'000 Franken ausgegeben wurden, hatte die Gemeindeversammlung nach dem Bruttoprinzip über einen Nachtragskredit von exakt 62'899.58 Franken zu befinden, dem sie mit grossem Mehr zustimmte.

Weniger Einnahmen von Sponsoren, höhere Kosten für Infrastruktur, weniger Pro-Kopf-Ausgaben der 3500 Teilnehmenden, «die mit vollem Rucksack kamen und weniger konsumierten», begründet Gemeindepräsident Johannes Sutter den «Tolggen im Reinheft». Ein Votant scherzte, der Gemeinderat solle Asche über sein Haupt streuen, bedankte sich aber bei der Behörde für die gute Organisation. Auch lobt er, dass der Rat mit dem Geld sorgfältig umgehe und eine Steuererhöhung, wie vor ein paar Jahren angedroht, kein Thema mehr sei. Applaus.

«Auch das ist Arboldswil», sagt Sutter trocken, dass geklatscht werde, wenn der Gemeinderat zu viel Geld ausgegeben habe. Lautes Gelächter.