Archäologie Baselland
90 Späher durchforsten das Baselbiet: Für die Archäologen ist der Fund aber bloss der erste Schritt

Früher waren sie meist illegal unterwegs, heute arbeiten Dutzende Ehrenamtliche mit ihren Metalldetektoren mit dem Kanton zusammen. Die Funde landen im Konservierungslabor. Bis ihr Wert feststeht, braucht es viel Arbeit.

Michael Nittnaus
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Auch für die Leiterin des Konservierungslabors der Archäologie Baselland, Silvia Kalabis, hiess es 2020 oft: Ab ins Homeoffice.

Auch für die Leiterin des Konservierungslabors der Archäologie Baselland, Silvia Kalabis, hiess es 2020 oft: Ab ins Homeoffice.

zVg Archäologie BL

Ihre Namen kennen nur Insider, doch Bruno Jagher, Sacha Schneider, Marco Steingrube, Wolfgang Niederberger oder Marcus Mohler sind die heimlichen Helden der Baselbieter Archäologie. Sie zählen zu den rund 90 ehrenamtlichen Spähern, die mit ihren Metalldetektoren durch die Baselbieter Wälder streifen und der Kantonsarchäologie Fund um Fund abliefern.

Über 2000 Funde übergeben sie dem Kanton durchschnittlich pro Jahr, «vom kleinsten Nagel bis zur schönsten Münze» wie Andreas Fischer, Leiter Archive und Öffentlichkeitsarbeit der Archäologie Baselland, zur bz sagt. Ihr Vorteil: Die Späher sind vor allem ausserhalb des Siedlungsgebiets unterwegs. Die offiziellen Grabungsstätten hingegen sind fast ausschliesslich auf Baustellenfunde beschränkt. An der Jahresmedienkonferenz 2020 wurde am Donnerstag zwar klar, dass diese mit 9600 Funden aus 128 Fundstellen weiter den Grossteil ausmachen, doch Fischer hält fest:

«Die Späher sind wichtig, denn sie vervollständigen unser Bild.»

Seit 2009 schliesst die Archäologie daher schriftliche Vereinbarungen mit den Sondengängern – nur drei der 90 sind Frauen – ab und holte das Hobby damit endgültig aus der Illegalität.

Der Adlerberg sorgte auch 2020 für spektakuläre Funde

Darstellung vom Adlerberg (Nr. 7) bei Pratteln von Emanuel Büchel um 1750. Hier fanden Sondengänger in den vergangenen Jahren immer wieder Münzen und Waffen.

Darstellung vom Adlerberg (Nr. 7) bei Pratteln von Emanuel Büchel um 1750. Hier fanden Sondengänger in den vergangenen Jahren immer wieder Münzen und Waffen.

Zvg Archäologie BL/Kunsthistorische Sammlung

Ein Fundort, der schon 2019 für Aufsehen sorgte, begeisterte die Archäologen auch 2020: der Adlerberg bei Pratteln. Nach dem Fund des römischen Denarhortes suchten die Späher weiter und fanden weitere Münzen wie einen keltischen Quinar von 150 vor Christus. Auch ein Handrohr – eine frühe Schusswaffe aus dem 14./15. Jahrhundert – sowie mehrere Dolche, Dolchmesser und eine so genannte Bauernwehr oder Rugger, also ein Messer mit einem seitlichen Nagel, der vor der gegnerischen Klinge schützen sollte, wurden auf dem Adler gefunden. «All diese Waffenfunde lassen auf militärische Präsenz schliessen», so Fischer.

Die Jahresmedienkonferenz fand an einem speziellen Ort statt: dem Konservierungslabor an der Frenkendörferstrasse in Liestal. «Alle Funde gehen durch unsere Hände», hielt Silvia Kalabis fest. Die Leiterin des «Kola» gewährte einen Einblick in das Labor, das auch als Depot dient. Schätzungsweise zwei Millionen Gegenstände lagern in den Regalen, von der kleinsten Scherbe bis zum Mammut-Stosszahn.

Altes Röntgengerät hilft, Verborgenes zu entdecken

2020 restaurierten Kalabis und ihr kleines Team – zwei 50-Prozent-Stellen werden von Zivilschützern und Praktikanten unterstützt – 1100 Funde. Das bedeutet, dass unmöglich jeder Fund aufwändig restauriert werden kann. Das muss er auch nicht, wie Fischer sagte:

«Nur rund jeder 100. Fund ist für uns archäologisch spannend. Wir brauchen aber die Menge, um auf Interessantes zu stossen.»

Und Kantonsarchäologe Reto Marti versicherte, dass mittlerweile jeder Neufund, der ins Labor kommt, digital erfasst werde.

Im Konservierungslabor kommen die Fundstücke oft eingegipst und noch in Erdblöcken an, wie hier eine Spatha (Schwert).

Im Konservierungslabor kommen die Fundstücke oft eingegipst und noch in Erdblöcken an, wie hier eine Spatha (Schwert).

zVg Archäologie BL

Oft sind gerade Metallfundstücke derart verschmutzt, dass kaum zu erkennen ist, um was es sich wirklich handelt. Früher sorgte ein Säurebad dafür, dass der Metallkern zwar freigelegt wurde, die Objektoberfläche mit allen wichtigen Informationen aber verloren ging. Eine alte Röntgenanlage bringt dagegen schon von Anfang an Verborgenes zu Tage. Und Metall wird teils mehrere Monate in einer Alkalisulfidlösung eingelegt, um Salze aus Düngemitteln auszuwaschen. Ein Feinsandstrahlgerät ermöglicht dann die sensible Freilegung. Erstaunlich: An den Metallobjekten können in mineralisierter Form sogar noch organische Reste wie Holz, Textilien, Fell oder Leder gefunden werden – alles dank der vorsichtigen Arbeit des «Kola».