Archäologische Bodenforschung
Ein weiterer Münzfund im Baselbiet erweist sich als Jackpot

Der Adlerberg bei Pratteln gleicht einem unterirdischen Tresor: Immer mehr alte Münzen kommen zum Vorschein. Der jüngste Fund von ehrenamtlichen Archäologen ist besonders wertvoll.

Bojan Stula
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Eine der ältesten Münzen aus den jüngsten Grabungen ist der von Marcus Mohler gefundene Kaletedou-Sula-Quinar aus keltischer Zeit (oben). Darunter sein Vorbild aus römischer Zeit, ein römischer Denar des Publius Sula aus dem Jahr 151 vor Christus.

Eine der ältesten Münzen aus den jüngsten Grabungen ist der von Marcus Mohler gefundene Kaletedou-Sula-Quinar aus keltischer Zeit (oben). Darunter sein Vorbild aus römischer Zeit, ein römischer Denar des Publius Sula aus dem Jahr 151 vor Christus.

ZVG Archäologie BL

Die Baselbieter Kantonsarchäologie vermeldet einen neuen, spetakulären Münzfund am Adlerberg bei Pratteln. Auf die wichtigste Frage jedoch gibt es nur teilweise spekulative Antworten: Wieso vergruben unsere Vorfahren in der Region derart viele Münzschätze auf und rund um den Adlerberg?

Zum einen gewiss aus demselben Motiv, wieso man heute seine Ersparnisse auf ein Bankkonto einzahlt: aus Spargründen und als Notgroschen für düstere Zeiten. Der Baselbieter Kantonsarchäologe Reto Marti vermutet aber auch heute unbekannte rituelle Praktiken, welche die lokale Bevölkerung über mehrere Jahrhunderte hindurch immer wieder dazu brachten, ihre Münzen auf einem verhältnismässig engen Gebiet unter der Erde zu versorgen.

Tatsache ist: Der «Adler» bei Pratteln gleicht einem grossen Untergrundtresor, und soeben hat die Archäologie Baselland einen weiteren Jackpot geknackt. Nach dem grossen Fund von 294 römischen Silberdenaren von 2019 durch Sacha Schneider waren es wiederum freiwillige Späher, die bei weiteren gezielten Suchgängen zahlreiche Münzen ausgraben konnten.

«Besonders erwähnenswert sind neben zusätzlichen römischen Ensembles, eine seltene keltische Silbermünze, frühmittelalterliche Denare sowie Münzen, die sehr gut zur mittelalterlichen Burg Madeln passen», hält der Stellvertretende Kantonsarchäologe und Archivleiter Andreas Fischer in seiner Mitteilung fest. Zu den erfolgreichen ehrenamtlichen Findern gehören Marcus Mohler, Bruno Jagher, Marco Steingrube, Christian Lauper und Wolfgang Niederberger. Besonders bemerkenswert ist, dass die jüngsten Funde einen Zeitraum von vermutlich rund 1400 Jahren abdecken und teilweise für die Region einmalig sind.

Die zwölf silberne Denare, geprägt in den Jahren 822/823–840 unter Ludwig dem Frommen wurden von Christian Lauper auf dem Horn bei Pratteln gefunden.

Die zwölf silberne Denare, geprägt in den Jahren 822/823–840 unter Ludwig dem Frommen wurden von Christian Lauper auf dem Horn bei Pratteln gefunden.

ZVG Archäologie BL

Zu diesen gehören die zwölf auf dem «Horn», rund zwei Kilometer südöstlich des Adlers, von Christian Lauper gefundenen Silbermünzen; sie wurden laut Mitteilung der Kantonsarchäologie unter Kaiser Ludwig dem Frommen in den Jahren 822/823–840 geprägt.

Die fünf von Marco Steingrube entdeckten mittelalterlichen Brakteaten aus dem Umfeld der Ruine Madeln. Das Bild zeigt die Vorderseiten.

Die fünf von Marco Steingrube entdeckten mittelalterlichen Brakteaten aus dem Umfeld der Ruine Madeln. Das Bild zeigt die Vorderseiten.

ZVG Archäologie Baselland

Der dritte besonders hervorzuhebende Fund sind fünf mittelalterliche Silberpfennige, so genannte Brakteaten, die im Vorgelände der Burg Madeln lagen. Zwei von ihnen seien unter dem Basler Bischof Gerhard von Wippingen (1310–1325) geprägt worden, ein weiterer mit Hahn stamme wohl aus einer Münzstätte im Schwarzwälder Münstertal. Eine Prägung mit Löwenvorderteil schreiben die Baselbieter Archäologen der habsburgischen Grafschaft Laufenburg zu, wie vermutlich auch das fünfte Stück.

Aber nicht nur die vielen Münz-Horte, sondern auch zahlreiche mittelalterliche Hieb- und Stichwaffen seien gleichzeitig gefunden worden. Laut Kantonsarchäologie unterstreicht dies die besondere strategische Bedeutung, die der Adlerberg in der Rheinebene durch die Jahrhunderte hatte.