Zivilschutzanlage Rübmatt
Armee lässt Hölstein hängen

Hölstein hat seine Truppenunterkunft auf Wunsch der Armee für 50 000 Franken aufgerüstet. Trotzdem schickt die Armee weder Rekruten noch Soldaten.

Reto Anklin
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Die bisherigen Einrichtungen der Zivilschutzanlagen genügen den Ansprüchen des Militärs nicht mehr.

Die bisherigen Einrichtungen der Zivilschutzanlagen genügen den Ansprüchen des Militärs nicht mehr.

Neue Matratzen, frisches Bettzeug und einen Küchen-Steamer für 25 000 Franken: Insgesamt fast 50 000 Franken hat es sich die Gemeinde Hölstein Anfang Jahr kosten lassen, damit sich die Wehrmänner in der Zivilschutzanlage Rübmatt wieder so richtig wohlfühlen. «Dank guter Auslastung der Truppenunterkunft sollten diese Investitionen gut angelegt und schnell amortisiert sein», schrieb der Gemeinderat damals in den Gemeindenachrichten.

Da hat Hölstein offenbar die Rechnung ohne das Militär gemacht. Aus einem Informationsschreiben des Liestaler Schulkommandanten musste Gemeindepräsidentin Anita Schweizer erfahren, dass zumindest während der nächsten Liestaler Rekrutenschule keine Wehrmänner in Hölstein einquartiert werden.

Das Rennen gemacht haben die Gemeinden Frenkendorf, Bubendorf und Lausen. Hölstein landete auf dem unbeliebten vierten Platz. «Es sieht aus, als hätten wir das Geld in den Sand gesetzt», sagt Schweizer. «Aber hätten wir nicht saniert, dann hätte man uns vorgeworfen, wir würden nichts machen.» Der Gemeinderat habe damit gerechnet, dass mindestens einmal im Jahr eine Einheit in Hölstein stationiert werde.

Lukrativ für die Gemeinden

Die Unterbringung von Wehrmännern sei für eine Gemeinde eine interessante Sache. «Die für die Bevölkerung gebaute Zivilschutzanlage liegt sonst brach», sagt Schweizer. Sind aber Soldaten einquartiert, erhält die Gemeinde vom Militär eine Entschädigung (siehe Kasten). Kocht die Truppe selber, profitieren auch die lokalen Gewerbebetriebe wie Bäcker und Metzger. Nicht zuletzt freut sich auch das Gastgewerbe, wenn Soldaten im Dorf sind.

Für die Rekrutenschule, die am 1. November in Liestal beginnt, benötigen rund 600 Wehrmänner eine Unterkunft. Da in der Kaserne Liestal nur Platz ist für 490 Mann, werden während der ersten sechs bis sieben Wochen jeweils zwischen 50 und 70 Leute an drei Aussenstandorten einquartiert. Dass sich die Rekrutenschule gegen Hölstein entschieden hat, liege nicht nur an der Distanz zum Waffenplatz Liestal, sagt Robert Lustenberger, Führungsgehilfe des Schulkommandanten in Liestal. «Wichtig ist auch, ob eine Unterkunft oberirdisch oder unterirdisch gelegen ist.»

Sowohl die Unterkunft in Frenkendorf wie jene in Bubendorf verfügten über Tageslicht. In Bubendorf schlafen die Soldaten unter dem Dach der alten Turnhalle.

Anita Schweizer hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben: «Wenn keine Rekruten nach Hölstein kommen, dann vielleicht halt mal eine WK-Truppe.»

Dies sei sehr gut möglich, sagt der Baselbieter Kreiskommandant Martin Büsser. Schliesslich gebe es in der Region Basel gerade noch zehn Gemeindeunterkünfte. Wenn eine Gemeinde ihre Unterkunft den gestiegenen Anforderungen der Armee anpasse, sei aber nicht garantiert, dass sie vom Militär auch benutzt werde. Die Entscheidung liege allein beim jeweiligen Kommandanten der Truppe.