Liestal
Armeespiel-Kommandant: «Wir sind die Botschafter der Armee»

Der Kommandant des Schweizer Armeespiels, Oberst Philipp Wagner, zu Sommertournee und Militärmusik. Die Tournee startet am Montag in Liestal, dem Wohnort des Kommandanten.

Simon Tschopp
Merken
Drucken
Teilen
Die Elite-Formation Swiss Army Brass Band des Schweizer Armeespiels gibt am kommenden Montagabend in der Liestaler Kaserne ein Konzert.zvg

Die Elite-Formation Swiss Army Brass Band des Schweizer Armeespiels gibt am kommenden Montagabend in der Liestaler Kaserne ein Konzert.zvg

zvg

Herr Wagner, nächsten Montag steigt das Schweizer Armeespiel in Ihrem Wohnort Liestal in seine Sommertournee. Planung oder Zufall?

Philipp Wagner: Geplanter Zufall. Liestal bietet sich an, weil die Kaserne mit ihrem grossen Platz mitten im Stedtli steht – wie in Aarau oder Chur. Auch Liestal als Hauptort eines Kantons, in welchem die Blasmusik stark präsent ist, ist ein guter Faktor, um hier ein Konzert zu geben. Für mich ein spezielles Gefühl, eines der Orchester fast vor der eigenen Haustüre zu präsentieren. Hier können die Leute sehen, welche Qualität die Schweizer Militärmusik hat. Und super ist für mich, dass ich ein Teil davon bin.

Zur Person Philipp Wagner ist 49-jährig, in Reigoldswil aufgewachsen und wohnt in Liestal. Seit Oktober 2012 ist er Kommandant des Schweizer Armeespiels und des Kompetenzzentrums Militärmusik in Aarau und Bern. Wagner hat den Rang eines Obersts. Nach der Musikmatur bildete er sich in Basel zum Blasorchesterdirigenten und in Lausanne zum Trompetenlehrer aus. Philipp Wagner war Mitbegründer des Blasorchesters Baselland. Seit über 25 Jahren leitet er zudem die Stadtmusik Basel. (stz)

Zur Person Philipp Wagner ist 49-jährig, in Reigoldswil aufgewachsen und wohnt in Liestal. Seit Oktober 2012 ist er Kommandant des Schweizer Armeespiels und des Kompetenzzentrums Militärmusik in Aarau und Bern. Wagner hat den Rang eines Obersts. Nach der Musikmatur bildete er sich in Basel zum Blasorchesterdirigenten und in Lausanne zum Trompetenlehrer aus. Philipp Wagner war Mitbegründer des Blasorchesters Baselland. Seit über 25 Jahren leitet er zudem die Stadtmusik Basel. (stz)

Zur Verfügung gestellt

Die Armee hat vier Elite-Formationen: Brass Band, Big Band, Central Band und Symphonisches Blasorchester, das Sie früher selber viele Jahre geleitet haben. Welche Formation ist in Liestal zu sehen und zu hören?

Die Brass Band. Die Schweiz ist ein Brass-Band-Land, die Bewegung ist enorm stark. Auch das Baselbiet hat einige sehr engagierte Brass Bands. Inzwischen ist die Big-Band-Szene stärker geworden durch Gruppen in Gymnasien. Die Central Band ist das Repräsentations-Orchester, das die Schweizer Armee nach aussen vertritt, viel auch im Ausland. Heuer trat es unter anderem am Basel Tattoo auf. Als Überbegriff für die vier Orchester firmiert «Schweizer Armeespiel» quasi als Holdingname.

Was soll diese Sommertournee bezwecken?

Sie ist eine kleine Jubiläumstournee. Vor 20 Jahren wurden mit der Armeereform 95 die vier Orchester gegründet, um mehr Ausstrahlung zu erreichen. Zuvor gab es ein Armeespiel als konzertante Formation, die damals das Aushängeschild war. Dieses eigentliche Blasorchester gibt es heute noch.

Ist ein Armeespiel essenziell für die Landesverteidigung?

Die Militärmusik ist sehr wichtig. Je kleiner die Armee wird, je weniger sieht man sie draussen. Heute ist sie grösstenteils kaserniert. Wir sind dafür zuständig, dass die Armee nach aussen getragen wird. Wir repräsentieren offiziell die Schweizer Armee, sind deren Botschafter sowie Brückenbauer zwischen Armee und Bevölkerung. Ähnlich ist es mit der Patrouille Suisse. Sie ist Repräsentantin in der Luft, wir am Boden.

Aber wozu braucht es gleich vier verschiedene Orchester?

Wir wollen vier Elite-Orchester, die mit Leuten bestückt sind, die mehr können und sich stärker engagieren möchten. Sie sollen die Vielfalt der Schweizer Blasmusik abdecken.

Kürzlich fand die zehnte Ausgabe des Basel Tattoo statt. Macht ein solcher Anlass die Militärmusik populärer?

Bestimmt. Wir hatten nach unseren Auftritten viele positive Reaktionen. Zahlreiche Leute wissen nämlich gar nicht, dass die Schweizer Armee Blasmusik auf höchstem Niveau bietet.

Das Armeespiel ist ein Milizorchester. Wie gestaltet sich die Dienstzeit?

Die Mitglieder der vier Orchester absolvieren ihre WK. Dafür haben wir eine Ausnahmebewilligung, dass dies nicht drei Wochen am Stück, sondern in drei bis fünf Sessionen übers Jahr verteilt geschieht: Drei Tage proben und als Abschluss ein bis zwei Konzerte; danach folgt die nächste Session. Beim Repräsentations-Orchester sind es in der Regel nur zwei Blöcke, dafür längere, weil das Einstudieren einer Show aufwendiger ist.

Wie werden die späteren Mitglieder des Armeespiels rekrutiert?

Zuerst folgt eine Fachprüfung, danach die normale Rekrutierung. Nach der RS werden sie eingeteilt in eines der 16 WK-Spiele. Ausnahmsweise können Topspieler direkt nach der RS in ein Armeespiel integriert werden. Grundsätzlich kann sich jeder Militärmusiker für eines der vier Orchester bewerben. Durch erfolgreiches Vorspielen oder auf dem Berufungsweg wird man aufgenommen.

Kann es ein Musikant eines normalen Dorfvereins in eines Ihrer Elite-Orchester schaffen?

Durchaus. Aber er muss sehr gut sein. Bei der Central Band muss sich jemand noch zusätzlich gut repräsentieren können sowie eine gute innere und äussere Haltung haben. Wichtig ist auch, dass er in der Formation gut marschieren kann und den Plausch daran hat.

Melden sich immer genügend Kandidaten als Militärmusiker?

Die Zahl ist sinkend. Die Klarinette ist unser Sorgenkind. Sie ist gesamtschweizerisch, aber auch international rückläufig und vielleicht nicht mehr ein so cooles Instrument. Grösstenteils spielen Frauen Klarinette.

Bewerben sich auch Frauen?

Ja. Sie müssen bei der Rekrutierung die genau gleichen Anforderungen erfüllen wie Männer. Wenn sie die Prüfung jedoch nicht bestehen, sind sie nicht verpflichtet, Militärdienst zu leisten, weil dieser für Frauen freiwillig ist. Aber das ist der einzige Unterschied.

Als ich noch Dienst leistete als Füsilier, kamen die Militärmusiker stets adrett gekleidet im Car angefahren und absolvierten ihren Auftritt. Einen «Schoggijob» mussten diese haben, sagte ich mir immer.

Das kenne ich. Bei uns hats früher auch immer geheissen: «Ihr ‹Schöggeler›.» Heute ist es anders, unsere Arbeit ist akzeptiert. Unsere Militärmusiker beginnen ihren musikalischen Arbeitstag normalerweise um 7.40 Uhr und bei vollen Ausbildungstagen dauert die Arbeit bis 21.30 Uhr. Dies ist körperlich nicht wirklich anstrengend, aber erfordert enorme Konzentration. Nach solchen Tagen sind Militärmusiker auch ausgepumpt.

Ist das Armeespiel von Sparmassnahmen im Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) betroffen?

Finanziell nicht. Da kann ich mich nicht beklagen. Wir sind heute Armee-intern sehr akzeptiert, was nicht immer so war. Man sieht, was wir tun und werden entsprechend ausgerüstet und unterstützt. In der Weiterentwicklung der Armee, die wegen des ablehnenden Nationalratsentscheids um ein Jahr verschoben worden ist, gibt es jedoch strukturelle Anpassungen. Von jetzt 16 Truppenspielen müssen wir auf elf oder zehn runterfahren.

Das Schweizer Armeespiel startet übermorgen Montag seine Sommertournee in Liestal (Kaserne, 19.30 Uhr). Die vier Orchester treten bis 15. August an 18 weiteren Orten in allen Region der Schweiz auf.