Basel
Arxhof 2.0 geht in Betrieb: Ex-Mitarbeiter eröffnen neue Einrichtung

Frühere Arxhof-Kader haben in Basel ein Zentrum zur Betreuung von auffälligen Jugendliche eröffnet. Der Leistungsbeschrieb der neuen Einrichtung liest sich wie ein Arxhof-Kontrastprogramm – das ist kein Zufall.

Benjamin Wieland
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Der «neue» Arxhof: In diesem Haus im Kleinbasel leben bald junge Männer und Jugendliche.

Der «neue» Arxhof: In diesem Haus im Kleinbasel leben bald junge Männer und Jugendliche.

Roland Schmid

Sie meinten es ernst. Rund zwei Dutzend Arxhof-Abtrünnige haben am Mittwoch in Basel das ZSP eingeweiht, das Zentrum für Sozialpädagogik und Psychotherapie. Für diesen Zweck hatten sie erst im Februar einen Trägerverein gegründet. In dessen Vorstand sitzt auch Renato «Mister Arxhof» Rossi, der langjährige frühere Leiter der Institution.

Beim ZSP sind vorerst je ein Psychiater, ein Psychotherapeut und ein Sozialpädagoge in Teilzeitpensen tätig. Sie werden junge Erwachsene betreuen, später auch Jugendliche. Der Verein erwarb im Kleinbasel ein Gebäude und baute es um. Offiziell startet der Betrieb per 1. Dezember.

Ziel ist laut der Website der Einrichtung eine Betreuung und Beratung in ganzheitlicher, offener Art. Also so, wie es im Arxhof kaum mehr möglich ist – diese Kritik äusserten jedenfalls ehemalige Arxhof-Mitarbeitende im April in einem offenen Brief.

Missstände in der Führung

Darin war von Mobbing die Rede, innerhalb des Personals herrsche ein Klima der Angst, was sich auch auf die Bewohner auswirke: Sie würden sich aggressiv verhalten, offen Drogen konsumieren und seien kaum noch zu kontrollieren.

Die für den Arxhof zuständige Baselbieter Sicherheitsdirektion (SID) und die Arxhof-Leitung dementierten die Vorwürfe, im Juni räumte der Regierungsrat jedoch gewisse Probleme ein.

Das ZSP verstehe sich nicht als Arxhof-Alternative oder gar als Anti-Arxhof, sagt Renato Rossi zur bz. Denn es strebe ein anderes Zielpublikum an. Rossi ging Anfang 2014 in Pension. Er hatte das Massnahmezentrum für junge Erwachsene (MZjE) Arxhof, wie die Einrichtung in Niederdorf amtlich heisst, 16 Jahre lang geleitet und geprägt.

Einst eine Modell-Einrichtung

Der schon auf seinen Abgang hin initiierte Paradigmenwechsel am MZjE war Rossi nicht geheuer – daraus machte er nie ein Geheimnis. Der Arxhof galt lange Zeit als viel beachtete Vorzeige-Institution. In ihr sassen straffällige junge Männer zwischen 17 und 25 Jahren Freiheitsstrafen ab. Die Bewohner wurden aber nicht eingeschlossen, sondern lebten etwa in Wohngruppen und absolvierten Lehren.

Doch der Arxhof befindet sich im Umbau. Zurzeit ist eine neue geschlossene Abteilung in Planung. Die Eröffnung ist für das vierte Quartal 2018 vorgesehen.

Rossi betont, dass das neue Zentrum in Basel im Gegensatz zum Arxhof keine verurteilten Straftäter aufnehme. «Unser Angebot richtet sich zwar auch an junge männliche Menschen in problematischen Lebenssituationen, jedoch nicht ausschliesslich an gerichtlich Verurteilte.»

Stationäre Aufnahme möglich

Ein Wohnheim ist das ZSP aber schon. In der Liegenschaft am Schliengerweg 17 im Klybeckquartier werden mehre Betten angeboten. Die Zimmer seien für eine «zeitlich variable stationäre Aufnahme» gedacht, heisst es im Leistungsbeschrieb. Es könne jedoch auch ein «teilstationärer Rahmen erstellt werden, der als Tagesangebot in unseren Wohnstrukturen eingebettet ist».

Rossi sagt, man fülle mit dem ZSP eine Lücke. «Wir sind zwischen Psychiatrie und Sozialpädagogik angesiedelt und bieten eine Art psychosoziale Notfallstation an.» Als mögliche Zuweiser nennt Rossi die Kesb (Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde) oder Psychiatrische Kliniken.

Weiterhin tiefe Belegung im Arxhof

Die Situation auf dem Arxhof hat sich, seit die «Schweiz am Wochenende» und die bz Missstände publik gemacht haben, stabilisiert. Zwischen Juli 2016 und Juli 2017 hatte rund ein Drittel der Belegschaft gekündigt. Wie die Sicherheitsdirektion mitteilt, gab es zwischen August und Dezember zwei Austritte.

Die Belegungsquote bezeichnet die SID als weiterhin «unter den Möglichkeiten, aktuell bei 70 Prozent». Das heisst, dass von den 46 Plätzen im offenen Strafvollzug gegen ein Drittel nicht besetzt sind – was wiederum den Betrieb stark verteuert. Abhilfe schaffen soll laut den Plänen des Kantons die neue geschlossene Abteilung. Denn eine solche entspreche einem Bedürfnis der einweisenden Behörden.

In die Schlagzeilen geraten ist der Arxhof zuletzt wegen einer Flucht. Ein Bewohner wurde in Untersuchungshaft eingeliefert. Er soll zusammen mit zwei Mittätern in der Basler Innenstadt Passanten verprügelt und ausgeraubt haben.

Laut Sicherheitsdirektion ist es im laufenden Jahr bisher zu 26 Fluchten gekommen (2016 waren es 19 Fluchten; 2015 deren 31). Sie schreibt, ihr seien ausser dem erwähnten Fall «keine weiteren auf Flucht begangene Delikte bekannt».