Buus
Asylbewerber leben bis zu zwei Jahre lang im Zivilschutzkeller

In der Asylunkterkunft in der Gemeinde Buus im Oberbaselbiet, leben 12 Frauen schon seit in der unterirdischen Zivilschutzanlage. «Nach normalem Ablauf hätte das gar nicht passieren können», so Rolf Rossi Leiter der kantonalen Koordinationsstelle.

Elia Diehl
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Asylunterkunft Schönenbuch: In der Zivilschutzanlage unter dem Sportplatz leben acht Asylbewerber.

Asylunterkunft Schönenbuch: In der Zivilschutzanlage unter dem Sportplatz leben acht Asylbewerber.

Juri Junkov

«Eine unhaltbare Situation. Es darf nicht sein, dass diese zwölf Frauen ein weiteres Jahr in der Zivilschutzanlage hausen müssen.» Die Rede ist von der Asylunterkunft in der Oberbaselbieter Gemeinde Buus; die Worte stammen von EVP-Landrätin Elisabeth Augstburger.

Vor kurzem besuchte sie das Asylheim, in dem die meisten Frauen seit zwei Jahren unter Tag leben. Sie reichte daraufhin eine Interpellation ein, die in der letzten Landratsitzung beantwortet wurde. Sie wollte unter anderem von der Regierung wissen, ob die Asylverordnung so angepasst werden könne, dass Asylsuchende nicht mehr dauerhaft in Zivilschutzanlagen einquartiert werden.

Eigentlich ist der Bund schuld

Der zuständige Regierungsrat Anton Lauber (CVP) verwies auf die Aufteilung der Kompetenzen. So verteilt der Kanton - der Bund übernimmt nur das Verfahren - die ihm zugewiesenen Asylbewerber auf die Gemeinden, die dann die geeigneten Unterkünfte auswählen.

Wegen stark schwankender Asylgesuche ist laut Lauber ein Verzicht auf Zivilschutzanlagen (ZSA) nicht möglich. Derzeit gibt es im Baselbiet nur noch in Schönenbuch eine unterirdische Asylunterkunft. Als langfristige Option sieht der Kanton diese aber nicht.

Doch genau das kritisierte Augstburger: Zu lange seien die Frauen aus Eritrea und Uganda schon dort. Rolf Rossi, Leiter der kantonalen Koordinationsstelle für Asylbewerber, hat eine Erklärung: «Wir sind davon ausgegangen, dass der Bund die Verfahren schneller abwickelt.»

Eritreer hätten derzeit gute Chancen auf ein kurzes Verfahren. «Nach normalem Ablauf hätte das gar nicht passieren können», sagt Rossi, der Bund habe wohl einige Fälle auf die lange Bank geschoben.

Bei den Männern in Schönenbuch ist die Fluktuation laut Rossi etwas höher und die Aufenthaltsdauer kürzer. Rossi versteht die Kritik, sieht Zivilschutzanlagen allerdings unter gewissen Bedingungen als vertretbar.

So werden nur Alleinreisende diesen Unterkünften zugeteilt. «Sie sind mehr unterwegs und nicht ständig in der Unterkunft», erklärt Rossi. Dennoch würde ein oberirdischer Aufenthaltsraum für die Asylsuchenden bereitgestellt. In Buus hat dies die Gemeinde im Schulhaus getan. «Er wurde aber leider gar nicht genutzt.»

Die Kleinen können nicht anders

Gemäss der neusten Asylstatistik des Bundes ging 2013 die Zahl der Asylgesuche gegenüber dem Vorjahr um 25 Prozent zurück. Im Kanton Baselland gibt es derzeit nur 1585 Asylbewerber, was einer Quote von 0,57 Prozent der Kantonsbevölkerung entspricht.

Ein guter Wert. Und dennoch kann der Kanton nicht ZS-Anlagen verzichten? «Das liegt am Solidaritätsprinzip», erklärt Rossi, die Asylbewerber sollen möglichst gleichmässig - entsprechend der Quote - auf die Gemeinden verteilt werden.

In ruhigen Zeiten wolle man nicht nur die grösseren Gemeinden überdurchschnittlich belasten, weil sie die Infrastruktur hätten. Kleinere Gemeinden haben allerdings meist Schwierigkeiten die Leute unterzubringen. «Schönenbuch besteht zu 95 Prozent aus Einfamilienhäusern. Da fehlt es einfach an den nötigen Wohnungen.»
Mehrere Gmeinden spannen wie in Buus zusammen.

«Nur gemeinsam können wir die Herausforderung bewältigen», sagt Rossi erfreut. Der Kanton wird bereits nächste Woche mit Buus gemeinsam eine Lösung suchen. Zur Freude von Elisabeth Augstburger: «Es wächst die Hoffnung, dass sich die Situation zum Guten wendet.»