Muttenz
Asylunterkunft Feldreben bietet Platz für 500 Personen – doch sie steht zu drei Viertel leer

500 Personen hätten Platz in der Muttenzer Asylunterkunft Feldreben. Doch bislang sind nur rund 120 Asylsuchende eingezogen. Es werden wohl auch kaum mehr als 250.

Julia Gohl
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Mittlerweile leben 120 Asylsuchende im Empfangs- und Verfahrenszentrum Feldreben in Muttenz. Kenneth Nars

Mittlerweile leben 120 Asylsuchende im Empfangs- und Verfahrenszentrum Feldreben in Muttenz. Kenneth Nars

Kenneth Nars

Genau eine einzige Anekdote kann Brigitte Jäggi erzählen. Jemand habe einmal, als es schon dunkel war, zwei Asylsuchende gesehen, die überfordert auf ein Plänchen starrten und den relativ versteckten Eingang des Asylzentrums Feldreben nicht fanden. Ihnen wurde geholfen. Und schon ist die Geschichte fertig.

Mehr weiss die Rektorin des Gymnasiums Muttenz nicht zu berichten, obwohl das Bundesempfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) schon seit bald zwei Monaten offen ist. Ausser dass nun der Sicherheitsdienst regelmässig patrouilliere, kriege man davon nichts mit. «Es ist zurzeit aber auch sehr kalt. Die Asylsuchenden halten sich also wahrscheinlich vor allem drinnen auf.»

Ähnlich klingt es bei der Muttenzer SVP, die ebenfalls nichts Negatives zu berichten weiss. «Es wurde auch nichts an uns herangetragen», sagt Präsident Markus Brunner auf Anfrage. Seine Partei hatte noch vor der Eröffnung des Zentrums eine Petition lanciert, in der sie diverse Fragen aufwarf, etwa zum Sicherheitskonzept. «Wir haben nicht grundsätzlich auf Opposition gestellt, sondern wollten einfach, dass das Thema ernst genommen wird. Das haben wir erreicht.»

120 Asylsuchende untergebracht

«Die Betreiber scheinen alles unter Kontrolle zu haben», findet Brunner. Es sei allerdings auch erst eine geringe Zahl Flüchtlinge dort untergebracht. Die Sorge der SVP Muttenz habe vor allem auch möglichen Problemen gegolten, die bei einer Maximalbelegung der Asylunterkunft hätten eintreten können. Tatsächlich ist das Zentrum für 500 Personen konzipiert. Zurzeit sind 120 Asylsuchende dort untergebracht. Begonnen hat der Betrieb am 14. November mit 30 Bewohnern. Danach wurde die Belegung kontinuierlich erhöht.

Zielgrösse: 250 Personen

Auch jetzt, da die temporär genutzten Zivilschutzanlagen in Arlesheim und Aesch geschlossen wurden, ist man noch weit weg von der maximalen Kapazität. «Im Dezember sind die Flüchtlingszahlen nochmals zurückgegangen», weiss Roger Lang, Leiter des EVZ Basel. «Wenn alle Voraussetzungen so bleiben, wie sie aktuell sind, werden es dieses Jahr vielleicht zwischen 200 und 250 Personen sein, die gleichzeitig in Muttenz untergebracht werden.» Die Betonung liege dabei aber auf den gleichbleibenden Voraussetzungen: «Diese können sich natürlich von heute auf morgen ändern.»

Roger Lang stützt die Erfahrungen, welche offenbar auch die Anwohner gemacht haben. «Der Betrieb ist gut angelaufen. Alles läuft wie geplant und ohne grössere Probleme.» Ein Indikator dafür sei auch die Hotline, welche eingerichtet wurde, damit die Bevölkerung sich bei Problemen oder Fragen im Zusammenhang mit dem Asylzentrum Feldreben melden kann. Diese Hotline werde zwar genutzt, aber nicht sehr häufig und vor allem, so betont Lang, nicht für Reklamationen.

Nachgefragt würden stattdessen allgemeine Auskünfte. Einige hätten sich auch erkundigt, wie sie etwas spenden oder anderweitig helfen könnten.

Von einer Solidaritätswelle will Lang aber nicht sprechen: «Genau so, wie man die Sorgen und Ängste von ein paar Einzelnen in der Bevölkerung nicht zu einem Grundgefühl hochstilisieren sollte, darf man auch dem Hilfswillen anderer nicht eine zu hohe Bedeutung beimessen. Fest steht: Die Akzeptanz ist da.»