Atomdebatte
Atomausstieg: Basel verlangt vom Bundesrat noch mehr Tempo

Im Gegensatz zum Baselbiet will Basel-Stadt aber einen verbindlicheren und ambitionierteren Zeitplan beim Atomausstieg als der Bundesrat. Die EBL kritisiert diese Forderung der Basler Regierung.

Andreas Maurer
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Der Bundesrat gibt den Demonstranten recht: Das AKW Beznau muss vom Netz. Der Basler Regierung geht das aber zu langsam. keystone

Der Bundesrat gibt den Demonstranten recht: Das AKW Beznau muss vom Netz. Der Basler Regierung geht das aber zu langsam. keystone

Limmattaler Zeitung

Die Basler Regierung sorgt sich vor allem um die drei ältesten AKW: Mühleberg und Beznau I und II. «Wir wünschen uns, dass diese vor 2019 gestaffelt abgeschaltet werden», sagt Energiedirektor Christoph Brutschin.

Der Bundesrat hingegen will die drei erst zwischen 2019 und 2029 vom Netz nehmen. Und er lässt offen, allenfalls noch länger zu warten. Brutschin findet das gefährlich: «Jedes zusätzliche Jahr kann das Risiko exponentiell vergrössern.» Er wirbt auch mit wirtschaftlichen Argumenten: «Eine stärkere Verbindlichkeit käme den Energieunternehmen entgegen. Sie hätten bei ihren Investitionsentscheiden mehr Sicherheit.»

Versorgungssicherheit sei unklar

Der Baselbieter Regierungspräsident Jörg Krähenbühl hingegen hält sich vornehm zurück: Er möchte die Basler Forderungen nicht kommentieren. «Ich kann nur festhalten: Mit einem allfälligen Ausstieg alleine ist es nicht getan. Von irgendwoher muss ja der Strombedarf gedeckt werden. Und das muss sichergestellt sein.» Darüber macht sich Urs Steiner, Chef der Elektra Baselland (EBL), Sorgen: «Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, brauchen wir die Laufzeiten bis am Schluss.» Die Forderungen der Basler Regierung bezeichnet er daher als nicht durchdacht: «Dann müsste man Strom im Ausland holen.» Mit den Plänen des Bundesrats ist der EBL-Chef aber voll und ganz zufrieden: «Das ist mutig und richtig. Die Ereignisse in Japan haben die Energiewelt verändert.»

Regierungsrat Brutschin hält Steiners Bedenken für unbegründet. Die drei ältesten AKW könnten problemlos früher abgeschaltet werden: «Sie produzieren weniger als 15 Prozent des Schweizer Stromverbrauchs. Das lässt sich mit mehr Effizienz und einem Ausbau erneuerbarer Energiequellen kompensieren.» Im Gegensatz zur EBL will die EBM dazu nichts sagen. «Es steht uns nicht an, politische Forderungen zu kommentieren», meint Geschäftsleitungsmitglied Dominik Baier.

Der Atomausstieg werde sich im Portemonnaie der Schweizer deutlich bemerkbar machen, nimmt das Bundesamt für Energie an. Es rechnet mit 20 bis 30 Prozent höheren Stromtarifen. In Basel-Stadt erwartet Brutschin diesen Effekt nicht: «Unsere weisen Vorväter haben zum Glück in Pumpspeicherkraftwerke investiert.» Die EBL hingegen wird ihre Preise erhöhen. Wie stark, weiss Steiner noch nicht.

Die Regierungen beider Basel sind sich auch in einem anderen Punkt uneinig. Brutschin fordert Einsicht in die Ensi-Berichte der Sicherheitsüberprüfung. Krähenbühl hingegen möchte sich da nicht einmischen. Denn die Sicherheit der AKW sei eine Angelegenheit des Bundes.