Fusion beider Basel
Auch bei einer Fusion soll die Kantonsverwaltung in Liestal bleiben

Vieles spricht dafür, dass Liestal im Falle einer Kantonsfusion nicht von Basel abgespeist werden kann. Der Dienstleistungssektor wächst stetig und es ist genügend freier Platz für neue Unternehmen da. Die Kantonsverwaltung soll in Liestal bleiben.

Michael Nittnaus
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Nicht zuletzt an der Liestaler Rheinstrasse reiht sich ein Verwaltungsbau an den nächsten. Für die einen eine Last, für andere eine Stärke.

Nicht zuletzt an der Liestaler Rheinstrasse reiht sich ein Verwaltungsbau an den nächsten. Für die einen eine Last, für andere eine Stärke.

Kenneth Nars

Immerhin in einem sind sich alt FDP-Regierungsrat Adrian Ballmer und Lukas Ott einig: «Die kantonale Verwaltung steht der wirtschaftlichen Entwicklung Liestals nicht im Weg, sondern ist ganz im Gegenteil eine treibende Kraft des vitalen Arbeitsmarktes», sagt der Stadtpräsident.

Er sieht sich dabei durch die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen bestätigt. Diese zeigen auf, dass das Wachstum im Dienstleistungssektor inklusive der öffentlichen Verwaltung stattfindet. Zwar werden die neusten Zahlen von 2011 erst im kommenden Jahr veröffentlicht, doch Ott ist überzeugt: «Die Tendenz der Zahlen hat sich nicht verändert.»

Liestal braucht mehr Wohnraum

Stimmen, welche die Verwaltungsstrukturen des Kantonshauptorts als Klotz am Bein verteufeln und froh wären, wenn nach einer eventuellen Fusion beider Basel diese Last nach Basel abgeschoben werden könnte, widerspricht Ott vehement: «Liestal hat unabhängig von den vielen Verwaltungsbauten noch genügend freie Areale zur Ansiedlung von Unternehmen. Das lässt sich kombinieren.» Er denkt dabei etwa an die zweite Futuro-Etappe, das Oristal-Areal, die Bahnhofparzelle oder das Areal an der Industriestrasse.

Diese Aufzählung führt Ott aber auch direkt zur Erkenntnis, dass in den vergangenen Jahren diesbezüglich viel versäumt worden sei. «Die Balance zwischen Liestal als Arbeits- und als Wohnort stimmt heute noch nicht.» Die Stadt biete schlicht zu wenig Wohnraum, um die vielen Beschäftigten auch hier zu halten und von ihnen als Steuerzahler zu profitieren. Die Konsequenz: Unter allen Kleinstädten der Schweiz bis 15'000 Einwohner weist Liestal mit über 8000 Personen pro Tag die grösste Zupendlerzahl auf. Helfen sollen Projekte wie jenes des Bahnhofneubaus der SBB, in den sich der Kanton mit 540 Arbeitsplätzen einmietet. Dadurch werden Areale im Bereich Kreuzboden/Gutsmatte für neuen Wohnraum frei, die heute von der Verwaltung belegt sind.

Kein Platz für Verwaltung in Basel

Im Hinblick auf eine eventuelle Kantonsfusion ist Ott – als bekennender Befürworter – dezidiert der Meinung, dass Liestal nicht um seine Bedeutung bangen muss. Anders als Ballmer glaubt er, dass Basel nach einer Fusion derart viel Platz für die neue Verwaltung der Einwohnergemeinde bräuchte, dass sie gar keine Ressourcen hätte, um auch noch die ganze gemeinsame Kantonsverwaltung bei sich anzusiedeln. Zudem: «Die städtische Seite muss die abgebende Seite sein, sonst hat eine Fusion im Baselbiet keine Chance. Ich bin deshalb überzeugt, dass es sogar zu einer Stärkung Liestals führen würde.»

Glarus Süd mit dezentraler Lösung

Dass die Befindlichkeiten der kleineren Orte nicht einfach übergangen werden können, zeigt die Fusion von 17 Gemeinden zur flächenmässig grössten Gemeinde der Schweiz, Glarus Süd. «Bei uns befürchteten die Menschen, dass die ganze gemeinsame Verwaltung nach Schwanden kommt, unserem grössten Ort», sagt Gemeinderat Mathias Zopfi.

Diese Ängste hätte man nicht einfach ignorieren können. Die Lösung: eine dezentrale Verwaltung. Nur die Institutionen mit viel Publikumsverkehr wie das Einwohneramt befinden sich im zentral gelegenen Schwanden. Behörden wie die Gemeindekanzlei oder die Finanzverwaltung sind andernorts angesiedelt. Zopfi: «So ist das Volk beruhigt, wenigstens einen Teil der Verwaltung immer noch in ihrer Nähe zu haben.»

Der Preis, den Glarus Süd für diese volksnahe Struktur bezahle, sei eine suboptimale Effizienz. Längst nicht alles verlaufe reibungslos. «Das müssen wir aber in Kauf nehmen», sagt Zopfi, und fügt an: «Deshalb kann ich mir schlicht nicht vorstellen, dass Liestal übergangen und alles in Basel angesiedelt würde.»