Schiesserei in Muttenz
«Auch für die Polizei ist es ein ausserordentliches Verbrechen»

In Muttenz wird auf offener Strasse ein Mann niedergeschossen und schwer verletzt. Ein Szenario, das man eigentlich nur aus Filmen kennt. Auch für die Baselbieter Polizei ist eine solche Gewalttat nichts Alltägliches.

Bojan Stula
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Reto Zuber der Baselbieter Polizei spricht mit der bz über die Bluttat in Muttenz.

Reto Zuber der Baselbieter Polizei spricht mit der bz über die Bluttat in Muttenz.

Kapo BL / Google Maps

Anwohner der Muttenzer St. Jakob-Strasse wurden in der Nacht auf Donnerstag gegen 2 Uhr von einer Serie von Schüssen aufgeschreckt: Ein 35-jähriger Türke wurde beim Aussteigen aus dem Auto niedergeschossen und schwer verletzt (die bz berichtete).

Die bz sprach mit dem stellvertretenden Chef der Baselbieter Kriminalpolizei, Hauptmann Reto Zuber, über diese aussergewöhnliche Bluttat.

Herr Zuber, was ging Ihnen im ersten Moment durch den Kopf, als Sie von den nächtlichen Schüssen in Muttenz erfuhren?

Reto Zuber: Als Polizist will man zuerst sofort die genaue Faktenlage erfahren. Welche Erkenntnisse gelten bereits als gesichert? Wie geht es dem Opfer? Wie den eigenen Einsatzkräften?

Und haben Sie sich bereits eine Theorie über die möglichen Hintergründe zurechtgelegt?

Es ist stets eine grosse Gefahr, sich irgendwelchen Vermutungen oder Spekulationen hinzugeben. Das lernt man in unserem Beruf als Erstes, genau das nicht zu tun.

Für den Laien ist das eine Szenerie, die er nur aus Gangsterfilmen kennt: eine blutige Abrechnung auf offener Strasse. Dringt in Baselland die organisierte Kriminalität immer sichtbarer an die Öffentlichkeit?

Das kann ich klar verneinen. Zum Glück kennen wir solche Geschichten vor allem aus TV-Serien. Zu behaupten, dass es eine Abrechnung unter organisierten Kriminellen war, wäre bereits sehr spekulativ. Wir ermitteln ergebnisoffen in alle Richtungen. Aber ich muss feststellen, dass dies auch für die Polizei Baselland ein Gewaltverbrechen von ausserordentlicher Intensität ist.

Inwiefern?

Es ist ausserordentlich, dass so eine Schiesserei auf offener Strasse passiert. Das gehört glücklicherweise nicht zu unserem Alltagsbild im Baselbiet.

Bandenmässiger Überfall in Reinach, blutige Abrechnungen in Pratteln: Wir als Laien haben trotzdem den Eindruck, dass sich solche Gewaltakte in aller Öffentlichkeit häufen. Was sagen Sie als Profi: Was steckt dahinter?

Es gibt im Baselbiet keine Häufung solcher Vorfälle, das beweist die Kriminalstatistik ganz eindeutig. In Sachen Gewaltkriminalität ist Baselland zum Glück ein ruhiger Kanton. Das sind ganz seltene Fälle, die aber gerade deswegen die Öffentlichkeit stark bewegen und hohe Publizität erhalten. Man kann also auch nicht von irgendwelchen Gesetzmässigkeiten der organisierten Kriminalität sprechen. Das ist gerade das Spannende an unserer Ermittlungsarbeit: Man muss jeden Fall von Grund auf neu betrachten und ja nicht auf die Idee kommen, irgendwelche Ableitungen von früheren, ähnlich gelagerten Fällen vorzunehmen.

Wird die Bluttat von Muttenz die Einsatzprioritäten der Baselbieter Kripo verändern?

Im Grundsatz ändern sich die durch solche Einzelfälle die Prioritäten und Einsatzdispositive nicht. In Baselland steht nach wie vor die Bekämpfung der Einbruchsdiebstähle an oberster Stelle. Selbstverständlich löst aber so ein aussergewöhnlicher Fall unmittelbar nach der Tat einen sehr hohen Personaleinsatz bei Polizei und Staatsanwaltschaft aus und geniesst in unserem Tagesablauf hohe Aufmerksamkeit. Je nach Verlauf der Ermittlungen kann der Personaleinsatz dann zu- oder abnehmen.