Recycling
Auch Lausen führt umstrittene Kunststoffsammlung ein

Trotz Bedenken von Bund und Kantonen richten immer mehr Gemeinden eine Kunststoffsammlung ein. Nach Allschwil will nun auch Lausen ein Versuch mit dem Recycling von Plastik starten.

Julia Gohl
Drucken
Teilen
Ob sich das Recycling von Kunststoff ökonomisch und ökologisch lohnt, ist noch unklar. (Symbolbild)

Ob sich das Recycling von Kunststoff ökonomisch und ökologisch lohnt, ist noch unklar. (Symbolbild)

ZVG

Da können der Bund und die beiden Basel noch so lange zum Abwarten aufrufen, in den Gemeinden ist Kunststoffrecycling ein hochaktuelles Thema. Das bestätigt Anja Oehler, unter deren Federführung in Lausen jüngst eine Kunststoffsammlung aufgebaut wurde. «Es handelt sich um ein Pilotprojekt», führt sie aus. Dieses sei auf drei Jahre begrenzt. Einen genauen Zielwert, der in dieser Zeit erreicht worden soll, sei allerdings nicht definiert worden.

Dass Bund und Kanton kritisch gegenüber Kunststoffsammlungen der Gemeinden eingestellt sind, habe man zur Kenntnis genommen, sagt Oehler. «Wir sind aber überzeugt: Man muss neue Wege gehen, kreativ sein und Möglichkeiten ausprobieren», erklärt das Mitglied der Lausner Umwelt-, Energie- und Entsorgungskommission. Baselland ist im Moment besonders zurückhaltend, weil erst im Februar in Allschwil ein Pilotprogramm zur Plastiksammlung angelaufen ist.

Deshalb reagiert der Kanton nicht begeistert auf Bestrebungen von Gemeinden wie etwa Birsfelden, ebenfalls solche Angebote einzurichten. Man solle lieber zuerst die Resultate aus Allschwil abwarten. Diese Haltung ist auch den Lausnern bekannt. «Im Unterschied zu Allschwil findet unsere Kunststoffsammlung aber nicht im Hol-, sondern im Bringsystem statt», so Oehler. «Für Kanton und Gemeinden ist es doch interessant, wenn beide Varianten nebeneinander geprüft werden und sich vergleichen lassen.»

Verbrennung bleibt nötig

In Lausen und Allschwil dürfen die Einwohner in den Sammelsäcken verschiedene Kunststoffsorten sammeln, die anschliessend in Recyclingzentren von Hand sortiert werden müssen, da sie sich nicht gemeinsam recyceln lassen. Ob dies ökologisch und ökonomisch Sinn macht, sei umstritten, heisst es beim Kanton. Hinzu komme gemäss Dominic Utinger vom Baselbieter Amt für Umweltschutz und Energie (AUE), dass ein grosser Teil des in Haushalten eingesammelten Kunststoffes nicht weiterverwertet werden kann und schliesslich doch verbrannt werden muss.

Dann sei es eventuell sinnvoller, den Kunststoff wie gewohnt «mit dem Hausmüll in der Basler Kehrichtverbrennungsanlage zu verbrennen, die in Sachen Energieeffizienz Bestwerte erzielt». «Diesen Punkt haben wir kritisch betrachtet», betont Oehler. «Wenn dieser Kunststoff einfach ins Ausland wandert, wo er bei schlechteren Grenzwerten verbrannt wird, macht das wenig Sinn. Uns war deshalb unter anderem wichtig, dass er in der Schweiz bleibt.» Nicht rezyklierbarer Plastik aus der Lausner Sammlung wandert als Brennstoff in die Schweizer Zementindustrie.

An die Abwarte-Empfehlung des Kantons möchte sich Reinach halten. Das war das Fazit einer in der letzten Einwohnerratssitzung behandelten Interpellation. «Aufwand und Ertrag stimmen noch nicht überein», erklärt der Gemeinderat Silvio Tondi. Gleichzeitig versprach er aber, dass man «auf den Zug aufspringen» werde. Wenn die Resultate aus anderen Gemeinden vorliegen, könne man allenfalls gemeinsam mit den Nachbargemeinden ein Sammelangebot prüfen.