Theater
Auf den Ruinen Augusta Rauricas wird für den Frieden gekämpft

Die Theatergruppe Rattenfänger verknüpft in ihrem neuen Stück die Gegenwart mit der Antike. Auf den Ruinen der Curia liefern sich die Schauspieler fesselnde Wortgefechte.

Sebastian Schanzer
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Die Theatergruppe Rattenfänger begeistert das Publikum in Augusta Raurica mit ihrem neusten Stück.

Die Theatergruppe Rattenfänger begeistert das Publikum in Augusta Raurica mit ihrem neusten Stück.

Nicole Nars-Zimmer

Wer im Veranstaltungskalender auf der Website von Augusta Raurica auf den Hinweis «. . . findet nicht statt» stösst, sollte sich davon keineswegs entmutigen lassen. Die Wendung gehört zum Titel des neuesten Streichs der Rattenfänger, der renommierten Laien-Theatergruppe aus Muttenz. In voller Länge heisst das Stück «Der trojanische Krieg findet nicht statt». Es ist eine freie Umsetzung des gleichnamigen Stückes von Jean Giraudoux, dem französischen Dramatiker aus der Zwischenkriegszeit.

Wo früher der Stadtrat tagte

Die Rattenfänger spielen seit über 25 Jahren am liebsten im Freien und haben sich mit der Curia in Augusta Raurica auch dieses Mal einen stimmigen Spielort ausgesucht. Wo vor rund 2000 Jahren der Stadtrat tagte, sitzen nun die rund 150 Zuschauer dicht nebeneinander. Unmittelbar vor ihnen steht die schlichte Bühne auf antikem Gestein. «Für unser Stück brauchten wir einen Ort, wo die Zuschauer nahe am Geschehen sind», erklärt der Regisseur und Gründungsmitglied Danny Wehrmüller. «Die lebhaften Dialoge erforderten dies.»

Bezug zur Aktualität

Mit der imposanten Überbauung
Liebrüti im Rücken verfolgt das Publikum auch auf der Bühne das Zusammentreffen von Antike und Moderne. Im Stück sind Motive der griechischen Heldensagen über den Trojanischen Krieg verarbeitet. Es zeigt den trojanischen Prinzen Hektor, der mit seinen Friedensbemühungen in seiner Heimat auf heftige Opposition von fast allen Seiten stösst. Geschrieben wurde das Stück um 1935, am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. Aktualität hat es heute noch genauso wie in der Zeit seiner Entstehung.

So gibt es beispielsweise eine aberwitzige Szene, in der ein Völkerrechtsexperte seine Empfehlungen und Gutachten an den König ins Gegenteil verdreht, je nachdem, wer ihm gerade das Messer an den Hals hält. Denn die Kriegstreiber in den Reihen der Trojaner sind aktiv und mit allen Wassern gewaschen. Sie sitzen im Senat, besitzen Aktienmehrheiten von Medienhäusern und sind, wie etwa der Waffenproduzent Demokos, äusserst sprachgewandt. «Wer darauf achtet, findet in Demokos’ Sprache eine Reihe von Zitaten von Schweizer Politikern», gibt Wehrmüller preis.

Bei den verbalen Kämpfen der Figuren, von hoffnungslosen Überzeugungsversuchen über subtile Meinungsmache bis hin zu Erpressungsversuchen, zahlt sich die Nähe des Publikums zum Geschehen aus. Oft klebt man geradezu an den Lippen der Charaktere. Manche Szenen bringen dann aber mit Humor und Situationskomik willkommene Auflockerungen.

Ein Drittel ist neu im Team

Die beeindruckende Leistung der Laienschauspieler – ein Drittel davon ist neu im Team – fesselt von Anfang bis zum Schluss. Der vom Wunsch nach Frieden getriebene Hektor, die vom politischen Gerangel gelangweilte Blondine Helena, der bedenkenlose Liebhaber Paris, oder die im Zynismus konsternierte Kassandra: Sie alle kommen überzeugend daher. Letztere begleitet einige Szenen mit dem Saxofon. Die traurigen Melodien können sich im weiten Raum hinter dem Publikum ausbreiten und entfalten in der Abenddämmerung eine eindringliche Wirkung.

Noch einige Vorstellungen

Wer sich das Stück um Krieg oder Frieden in Troja selbst anschauen möchte, dem sei geraten, etwas Warmes zum Überziehen mitzunehmen. Das Stück dauert mit Pause rund zwei Stunden. Die letzte der verbleibenden elf Vorstellungen findet am 12. September statt. Tickets können am einfachsten über die Homepage der Theatergruppe bezogen werden.

Nächste Aufführungen Programm siehe www.theatergruppe-rattenfaenger.ch