Theater
Auf der Bühne gibt sich Caroline Mall ganz zahm

Die Politikerin ist unter die Laienschauspieler gegangen. Während sie auf der Politbühne für die Autolobby einsetzt und grünen Ideen gegenüber kritisch eingestellt ist, spielt sie auf der Laienbühne eine Grüne, die im Himmel gelandet ist.

DIMITRI HOFER
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Caroline Mall als Engel während der Proben in der Steiner Schule in Münchenstein.zvg

Caroline Mall als Engel während der Proben in der Steiner Schule in Münchenstein.zvg

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Als Politikerin ist Caroline Mall keine Frau der leisen Töne und der versöhnlichen Worte. Die 50-Jährige setzt sich für eine restriktive Migrationspolitik sowie für Recht und Ordnung ein. In ihrer Partei, der Baselbieter SVP, gehört sie dank ihrer resoluten Art derzeit zu den auffälligsten Vertreterinnen.

Wären die Sitzungen im Landrat, dem Mall seit 2011 angehört, ein überzeichnetes Theaterstück, würde zu ihr die Rolle der adrett gekleideten, forsch auftretenden Grande Dame passen. Ihre Figur würde sich für die Autolobby einsetzen und wäre grünen Ideen gegenüber kritisch eingestellt. So stünde es zumindest in einem Drehbuch, das sich am politischen Leistungsausweis der Reinacherin orientierte.

Im Skript, das Caroline Mall in den vergangenen Wochen intensiv studiert hat, steht es hingegen anders. Da verkörpert die SVP-Politikerin eine Grüne, die früher immer mit dem Fahrrad unterwegs war. Mittlerweile ist sie im Himmel gelandet, trägt Engelsflügel und blickt von oben sorgenvoll auf ihre Tochter herab. Diese ist noch immer auf der Erde und versucht dort, ihre Karriere als Opernsängerin voranzutreiben. Dank eines Pakts mit dem Teufel kommt sie zu Ruhm und Erfolg.

Die Komödie, in der sich diese Handlung abspielt, stammt ursprünglich von Ödön von Horvàth. Das Theater Münchenstein hat für seine zweite Produktion das Stück «Himmelwärts» aus dem Jahr 1934 adaptiert. Caroline Mall hat darin mit der Mutter von Hauptfigur Luisa eine bedeutende Nebenrolle. Momentan steckt das Team mitten in den Proben, bevor das Lustspiel Ende Oktober seine Premiere feiert. Bis Mitte November werden in der Steiner Schule in Münchenstein noch weitere sieben Aufführungen folgen.

Ein Grüner spielt ihren Ehemann

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Mall als Laiendarstellerin in einem Theaterstück versucht. «Früher gehörte ich der Theatergruppe Reinach an», sagt sie. Im letzten Winter sei sie gefragt worden, ob sie nicht bei der Produktion des Theaters Münchenstein mitspielen möchte. «Als ich gelesen habe, wen ich verkörpern soll, habe ich sofort zugesagt.» Sie finde es spannend, in eine Figur zu schlüpfen, die politisch völlig anders ticke als sie. An der Rolle sei herausfordernd, dass sie innerhalb kurzer Zeit zwischen Freude, Angst, Stolz und Mut wechseln müsse.

Dass sie den Auftritt auf der Theaterbühne dazu nutze, ihre politische Karriere anzukurbeln, weist Mall entschieden zurück. «Das wäre eine ganz gemeine Unterstellung. Das Theaterspielen ist seit Jahren mein Hobby. Ausserdem wusste ich, als ich zusagte, noch nicht, dass ich für den Reinacher Gemeinderat kandidieren werde.» Die Politikerin will in die Exekutive Reinachs einziehen, in der seit dem Rücktritt von Gemeindepräsident Urs Hintermann und Silvio Tondi (beide SP) zwei Sitze vakant sind. Als Einwohnerrätin forderte sie bei der Asylheimaffäre, die letztlich Hintermann den Kopf kostete, Aufklärung.

Ob es die Reinacherin in den Gemeinderat schafft, zeigt sich Mitte November, ob sie auf der Bühne zu begeistern mag, bereits früher. Am Schluss wartet das Stück übrigens mit einer Überraschung auf. Mall versöhnt sich mit dem Vater ihrer Tochter, der den Weg aus der Hölle gefunden hat. Dargestellt wird er vom Produktionsleiter der Komödie, dem ehemaligen Grünen-Landrat Christoph Frommherz. Er spielt im Stück seinerseits einen Rechten.