Verkehrskontrolle
Auf der Jagd nach zu lauten Autos: Wie die Baselbieter Polizei gegen Autoposer vorgeht

Bei einer gezielten Aktion gegen sogenannte Auto-Poser hat die Baselbieter Polizei im vergangenen Monat 13 Fahrzeuge beschlagnahmt. 51 Fahrzeuglenker wurden zudem verzeigt.

Kelly Spielmann
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Die Baselbieter Polizei hat im August nicht weniger als 13 Autos beschlagnahmt.

Die Baselbieter Polizei hat im August nicht weniger als 13 Autos beschlagnahmt.

Polizei BL

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13 Autos mit manipulierten Auspuffanlagen hat die Baselbieter Polizei im August beschlagnahmt. 41 Lenker wurden wegen vorsätzlichen Verursachens von vermeidbarem Lärm und technischer Änderungen am Fahrzeug verzeigt. Es ist nicht das erste Mal, dass die Baselbieter Polizei gegen sogenannte Autoposer vorgeht: Immer wieder gingen solche Berichte in den letzten Monaten durch die Medien. Doch weshalb bleibt das Thema so aktuell?

Wie Adrian Gaugler, Mediensprecher der Baselbieter Polizei, auf Anfrage sagt, seien schon seit geraumer Zeit Beschwerden aus der Bevölkerung wegen lärmiger Autos eingegangen. Das Problem habe jedoch im Frühling dieses Jahres während des Corona-Lockdowns zugenommen: «Plötzlich stellten wir auf allen Kanälen eine starke Zunahme der Beschwerden fest.» Die Polizei habe sich entschieden, mit vermehrten Kontrollen darauf zu reagieren. Statistiken führe man zwar nicht, doch es handle sich um rund zehn Kontrollen, die seither durchgeführt worden seien. Zusätzlich würden aber auch im normalen Patrouillenrahmen auffällige Autos kontrolliert. Insgesamt wurden dieses Jahr 60 bis 70 Fahrzeuge beanstandet – nicht alle festgestellten Mängel zogen jedoch eine Sicherstellung des Fahrzeugs nach sich.

BMW, Audi und Mercedes-Benz

Die geplanten Einsätze werden grundsätzlich in den Abendstunden durchgeführt. «Die Patrouillen schwärmen aus und lauschen dem Verkehr», erklärt Gaugler. Die Poser seien akustisch sehr gut wahrnehmbar. Entsprechende Autos werden angehalten und kontrolliert. Bei Unstimmigkeiten in Bezug auf den technischen Zustand wird das Auto zum Stützpunkt der Verkehrspolizei nach Sissach gebracht. «Werden Manipulationen am Auspuffsystem festgestellt, so folgen eine Lärmmessung und der Abgleich mit dem Typenschein», sagt Gaugler. Ist das Auto zu laut, wird es an die Motorfahrzeugprüfstation überstellt. Doch ab wann ist eigentlich ein Auto zu laut? Und wer gilt überhaupt als Autoposer?

Bei legalem Tuning, so Gaugler, werde ein Auto individualisiert – die Veränderungen sind meist prüf- und meldepflichtig: «Ein legal getuntes Fahrzeug hat sämtliche Modifikationen vorgeführt und eingetragen.» Als Autoposer bezeichnet die Polizei hingegen Fahrer, die auffallen wollen. «Der typische Autoposer fährt ein leistungsstarkes Fahrzeug», so Gaugler. Dies seien oft Modelle von BMW, Audi oder Mercedes-Benz. Autoposer hätten zwar oft getunte Autos – aber nicht jedes getunte Auto könne einer «Autoposer-Szene» zugeordnet werden. Neben dem Faktor Lärm nennt Gaugler als Autoposer-Merkmal das wiederkehrende und unnötige Umherfahren in Ortschaften, das Hochdrehen der Motoren in niedrigen Gängen und das zur Schaustellen des Fahrzeugs. Und: Das Autoposen sei zwar eher ein männliches Thema, «wir haben aber auch schon Frauen festgestellt, die mit nicht vorschriftsgemässen Fahrzeugen unterwegs waren und zu viel Lärm produziert haben.»

Betroffen sind ausserdem nicht nur Autos: Auch Motorräder werden kontrolliert und bei Verstössen verzeigt. Zur Höhe möglicher Strafen konnte die Baselbieter Staatsanwaltschaft gestern keine Auskunft geben. Wie Mediensprecher Michael Lutz erklärt, unterscheide sich das Strafmass von Fall zu Fall. Dies, weil der Begriff Autoposen nicht einen einzigen, sondern diverse Verstösse, wie beispielsweise das Verursachen von Lärm oder das unnötige Herumfahren, zusammenfasst.

Viele Reaktionen aus der Facebook-Community

Auf Facebook erhält die Baselbieter Polizei zahlreiche Rückmeldungen. Fast 200 Likes und über 100 Kommentare weist der entsprechende Post auf. Neben einigen negativen Bemerkungen fallen hauptsächlich lobende Worte. Gleich mehrere Leser geben Tipps für die nächsten Polizeieinsätze: So schreiben User, wo sich Autoposer aufhalten und von der Polizei angehalten werden können.