Archäologie
Auf der Spur verborgener Schätze dank Baustellen im Baselbiet

Für die Archäologie Baselland bedeutete die hohe Bautätigkeit im vergangenen Jahr Fluch und Segen zugleich.

Mirjam Bollinger
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Die Baustelle vor der katholischen Kirche in Binningen ermöglichte seltene, weil grossflächige Grabungen.

Die Baustelle vor der katholischen Kirche in Binningen ermöglichte seltene, weil grossflächige Grabungen.

Archäologie Baselland

Aufgetrumpft wurde gestern im Museum Bürgerhaus Pratteln: Die Archäologie Baselland präsentierte im Rahmen der zehnten Vorstellung ihres Jahresberichts eine Fülle an Grabungen und Bauuntersuchungen aus dem vergangenen Jahr. Im Zentrum der archäologischen Arbeit standen Bauforschungsprojekte: Im Baselbiet herrscht seit der Revision des Raumplanungsgesetzes, welches eine Verdichtung von Bauzonen fordert, eine hohe Bautätigkeit. «Der Druck auf historische Orte ist somit enorm gestiegen», erklärte Kantonsarchäologe Reto Marti.

Dies ist jedoch nur eine Seite der Medaille. Denn meistens sind es Baustellen, die Schätze zutage fördern und Grabungen erst möglich machen. So führte ein Liestaler Bauprojekt zur Freilegung weiterer 14 Meter des längsten römischen Bauwerks der Schweiz – einer Wasserleitung, welche die Wasserversorgung von Augusta Raurica sicherte. Während den Grabungen wurden wichtige Details zur Bautechnik bekannt.

Grabungen von Schönenbuch bis Ammel

In Binningen führte eine Notgrabung dazu, dass nebst den Überresten eines römischen Gutshauses auch die Spuren eines Kalkofens entdeckt wurden. In diesem wurden Kalksteine gebrannt, die Jahre später mit grosser Wahrscheinlichkeit über den Birsig hinab zum Münsterhügel transportiert und dort für die römische Festung verwendet wurden. Der Fund steht somit stellvertretend für den frühen Austausch zwischen Stadt und Land.

Des Weiteren präsentierte der Kurator Andreas Fischer frühmittelalterliche Grabgruben aus Reinach. Der Ort ist schon seit 100 Jahren als einer der ältesten Friedhöfe der Schweiz bekannt. Im November 2019 brachte eine zweimonatige Ausgrabung 15 Skelettreste zum Vorschein. Den Beigaben zufolge stammen die Begrabenen aus der Oberschicht: So fanden sich Gürtel, Gefässe und Waffen in den Gruben.

Auch an dieser Stelle liess Fischer einen tieferen Einblick in das Handwerk eines Archäologen zu. Da man hofft, in den Gräbern auch organische Materialrückstände wie Leder, Textilien oder Holz zu finden, wurden die Funde eingegipst. Die Blöcke sollen im Laufe der nächsten Monate eingehend untersucht werden.

Mit welchen Herausforderungen Archäologen kämpfen, zeigt die genaue fotografische Dokumentation ihrer Feldarbeit: «Um Bauverzögerungen zu vermeiden, arbeiten wir baubegleitend», erklärt Fischer, «selbst in Wintermonaten.»

Zusammenarbeit mit archäologischen Spähern

Ein besonderes Anliegen zeigt sich in der Vorstellung des Bürgerhauses als Ortsmuseum: Ausstellungsobjekte sollen einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Was Johanna Schmucki, Leiterin des Bürgerhauses, mit Interaktivität innerhalb der Ausstellung zu erreichen versucht, machen die Baselbieter Archäologen mittels Zusammenarbeit mit Privatpersonen. Häufig handelt es sich dabei um Personen mit Metalldetektoren.

«Dank dem Rückgriff auf archäologische Späher können grössere Gebiete erschlossen werden», so Marti. Häufig würden Münzfunde durch Späher entdeckt, wie beispielsweise jener im Juli 2019. Auf dem Adlerberg in Pratteln wurden 299 römische Silberdenare gefunden.

Für die hiesige Region von Interesse ist die Bauuntersuchung des Liestaler Törli. Die Jahresringanalyse an den Balken ergab, dass das Holz weit nach der Stadtgründung von 1250 geschlagen wurde. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde das Törli von Basel als Schutzwall gebaut, da die Stadt 1381 von Herzog Leopold in Brand gesteckt wurde. Ausserdem: Die Holzdecke muss als älteste im ganzen Baselbiet gelten.