Pratteln
Auf Sightseeing-Tour durch die Filmgeschichte

Im Autokino «Cinema-Drive-In» in Pratteln gibt es ab heute Freitag Klassiker und Kultiges aus der Filmgeschichte zu sehen. Seit Neuem auch für Fussgänger.

Sebastian Schanzer
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Besonders die Fenster des Oldtimers müssen klar zur Durchsicht sein.

Besonders die Fenster des Oldtimers müssen klar zur Durchsicht sein.

Sebastian Schanzer

Er ist ein wahres Oldtimer-Schmuckstück. Der doppelstöckige, blaue «Londonbus», Baujahr 1961, steht derzeit auf dem grossen Areal des Logistikunternehmens Sieber in Pratteln und wird ordentlich herausgeputzt. So lange, bis die Fenster klare Sicht bieten und die Sitzbänke dazu einladen, sich hinzufläzen und darin zu versinken. Sein einziger Schönheitsfehler: Der Wagen hat keinen Motor. Den braucht er allerdings auch nicht.

Gemeinsam im Bus

Der Bus gehört den Initianten des Autokinos «Cinema-Drive-In» und soll dafür sorgen, dass auch Fussgänger und Velo- oder Töfflifahrer kommen, um sich Klassiker der Filmgeschichte anzuschauen. «Der Vorteil bei einem Bus ist, dass der soziale Aspekt wichtiger wird», sagt der Gründer Giacun Caduff. «Die Besucher können sich miteinander unterhalten, zusammen essen und einen Film geniessen.» Anstatt sich gegenseitig im Auto zu besuchen, wie es das traditionelle «carhopping» vorsieht, könnten sich mehrere Personen oder ganze Gruppen im Bus treffen.

Auch Gäste, die es nach amerikanischem Vorbild mögen, können sich mit ihrem eigenen Wagen einen Platz vor der Leinwand sichern. Das Team um Caduff hat für jeden der rund achtzig Plätze einen kleinen Tisch gezimmert, der mit einem Lämpchen ausgestattet ist. Lässt der Kunde das Lämpchen blinken, so kommen die «Rollergirls» auf ihren Rollschuhen und nehmen Bestellungen auf. Burger, Fritten, Milkshakes und weitere Leckereien stehen zur Auswahl. Natürlich kann man sich bei schlechter Sicht auch die Frontscheibe putzen lassen.

Exklusiv im Juli

Der «Cinema-Drive-In» findet bereits zum sechsten Mal in Folge statt und geniesse «einen gewissen Exklusivitätswert», wie Caduff sagt. Zum Einen gebe es nur wenig Autokino-Angebote in der Schweiz, zum Anderen beschränkt sich auch sein Angebot nur auf die vier Wochenenden im Juli. So wird es bei einigen Filmen bereits eng auf dem Parkplatz. Gerade der Eröffnungsfilm «20 Regeln für Sylvie» sei schon fast ausverkauft. Dies freue ihn besonders, da Caduff selbst die Regie bei diesem Film führte. Das Programm danach besteht aus einer Mischung von Klassikern wie «Notting Hill», «Einer flog über das Kuckucksnest» oder «Zwei glorreiche Halunken» und eher kultigen Filmen um Mitternacht wie «Trainspotting», «Inglorious Basterds» und der Zombie-Parodie «Shaun of the Dead.»

«Die Hälfte der Besucher stammt aus der näheren Region», sagt Caduff. «Es gibt aber auch einige, die aus dem Aargau oder von Zürich aus bis nach Pratteln ins Autokino kommen.» Die Gäste, oft Pärchen, mögen das stilechte Ambiente mit den «Rollergirls» und die detailverliebten Accessoires, die an das Amerika der Fünfzigerjahre erinnern. «Hätten wir noch etwas mehr Zeit zur Vorbereitung gehabt, so hätte ich gerne einen ‹Love-Corner› mit Matratze im Bus eingerichtet», sagt Caduff. Dies werde man beim nächsten Mal in Angriff nehmen. Besuchern, die es auch weniger bequem mögen, bietet Caduff einen Deal an: «Sollte es jemandem gelingen, im Kofferraum durch die Eingangskontrolle zu gelangen, so darf er bleiben, gratis.»