Arbeitskonflikt
«Aufbrausend, aggressiv»: Schwere Vorwürfe gegen Arlesheimer Pfarrer

Droht der reformierten Arlesheimer Kirchgemeinde aufgrund des Konflikts um Pfarrer Matthias Grüninger sogar die Spaltung?

Tobias Gfeller
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Reformierte Kirche in Arlesheim.

Reformierte Kirche in Arlesheim.

Juri Junkov (6. Januar 2021

«Es macht mir einfach weh als Christ.» Bernard Zwicky ist als Katholik zwar nicht Mitglied der reformierten Kirchgemeinde, aber als Ehemann von Verena Zwicky, die bis vor knapp zwei Monaten Mitglied der Arlesheimer Kirchenpflege war, sei er auch mit den Reformierten sehr verbunden und habe sich immer wieder in deren Kirchgemeinde engagiert. Der öffentlich ausgetragene Konflikt um den freigestellten Pfarrer Matthias Grüninger mache ihm zu schaffen, sagt er zur bz: «Ich spüre, wie dies die Kirchgemeinde in zwei Lager spaltet und dass die Stimmung gereizt ist.» Weil sich die Kirchenpflege aufgrund des laufenden Verfahrens und des Persönlichkeitsschutzes nur beschränkt äussert, verlaufe die öffentliche Diskussion in eine falsche Richtung, in der die Kirchenpflege zu schlecht wegkomme, findet Zwicky.

Die Freistellung von Matthias Grüninger sei aber absolut nötig gewesen und habe rein gar nichts mit den unterschiedlichen Auffassungen von Kirchenpflege-Präsidentin Kathrin Meffert und Pfarrer Grüninger über die Coronapandemie zu tun. «Der Konflikt dauert schon viel länger», stellt Bernard Zwicky klar und nennt einzelne Vorfälle, die die Freistellung des Pfarrers nötig gemacht hätten. «Matthias Grüninger legte eine gewisse Aggressivität an den Tag. So zum Beispiel, als er einen Pfarrer einer Nachbargemeinde und bei einem anderen Vorfall die eigene Organistin vor anderen Personen verbal angegangen hat.

Freigestellter Pfarrer habe Gesprächsangebote ausgeschlagen

Der angegangene Pfarrer wandte sich daraufhin an die eigene Kirchenpflege, die sich dann bei Kathrin Meffert beschwerte. «Sie hat dann das Gespräch mit Matthias Grüninger gesucht. Doch er hat dies konsequent verweigert», beklagt Bernard Zwicky. Im Umgang mit Angestellten der Kirchgemeinde sei Grüninger immer wieder aufbrausend geworden. «Aber nicht nur unter vier Augen, sondern oft auch vor anderen Personen.» Zwicky beschreibt Grüninger als «oft laut, aufbrausend und aggressiv».

Grüninger sehe sich als Alphatier und sei nicht kritikfähig. Es gebe noch mehr solche und ähnliche Vorfälle wie jene mit dem Pfarrer und der Organistin. Ohne Kenntnis dieser Ereignisse habe man ein falsches, zu gutes Bild über Grüninger, glaubt Bernard Zwicky. Auch er selber kenne von gemeinsamen Ausflügen und Projekten die «sehr guten» Seiten von Matthias Grüninger. «Ohne mein Insiderwissen würde ich ihn auch nur positiv sehen.»

Pfarrer spricht von «Hexenprozess»

Möchte sich nicht auf die «Ebene von Behauptung und Gegenbehauptung» einlassen: Matthias Grüninger.

Möchte sich nicht auf die «Ebene von Behauptung und Gegenbehauptung» einlassen: Matthias Grüninger.

tgf

Die Kirchenpflege hat sämtlich Vorfälle mit Matthias Grüninger, die aus ihrer Sicht Anlass zu Kritik gaben, einzeln dokumentiert – auch jene mit dem Pfarrer der Nachbargemeinde und der Organistin. So sind 71 Anklagepunkte zusammengekommen. Grüninger selbst sagt, er möchte sich nicht auf die «Ebene von Behauptung und Gegenbehauptung» einlassen und in die «Schlacht», welche die Kirchenpflege und ihr nahestehende Personen betreiben würden, nicht eintreten. Er wolle diese nicht als Feinde ansehen, wie es sie mit ihm machen würden. Grüninger wirft der Kirchenpflege aber vor, eine «Doppelstrategie» zu fahren, indem sie und eben ihr nahestehende Personen in einem von einem professionellen Kommunikationsberater begleiteten Prozess Informationen streuen würden, auf der anderen Seite aber an ihre Schweigepflicht erinnert.

Die Unruhe in der reformierten Kirchgemeinde Arlesheim ist aufgrund des Falls gross. Nach wie vor geniesst der freigestellte Pfarrer auch Rückhalt, was die Petition mit über 200 Unterschriften, die seine Rückkehr fordert, beweist. In der neusten Ausgabe des Gemeindebriefs äussert sich noch einmal die Kirchenpflege und stellt wiederholt klar, dass der Konflikt nichts mit der Person von Kathrin Meffert und Corona zu tun habe.

Der Ball liegt jetzt beim Kirchenrat Baselland.