Münchenstein
Aufstand gegen geplante Strasse über Pausenhof des Gymnasiums

Nach Einsprachen gegen den Beschluss der Gemeindeversammlung zum Bau der Entlastungsstrasse durch den Ehingerpark soll es nun zur Abstimmung kommen. Grüne, Heimatschutz sowie Lehrer des Gymnasiums sind mit den Plänen nicht einverstanden.

Michel Ecklin
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Um die zukünftigen Wohngebiete beim ehemaligen Läckerli-Huus (3) und dem Dychrain (4) nicht über die Hardstrasse zu erschliessen, soll die Muttenzerstrasse quer durch den Park vor der Villa Ehinger (1) und dem Gymnasium (2) führen. Dagegen regt sich jetzt Widerstand.

Um die zukünftigen Wohngebiete beim ehemaligen Läckerli-Huus (3) und dem Dychrain (4) nicht über die Hardstrasse zu erschliessen, soll die Muttenzerstrasse quer durch den Park vor der Villa Ehinger (1) und dem Gymnasium (2) führen. Dagegen regt sich jetzt Widerstand.

Der Entscheid der Münchensteiner Gemeindeversammlung letzte Woche war eindeutig: Die grosse Mehrheit der rund 150 Stimmberechtigten im Saal beschloss, die Muttenzerstrasse quer durch den Ehingerpark zu verlängern. Das Ziel der Änderung im Strassennetzplan: den Verkehr, den die geplanten Überbauungen Dychrain und beim ehemaligen Läckerlihuus generieren werden, nicht durch die Hardstrasse abzuführen, sondern direkt zur Baselstrasse. Das entspricht dem Wunsch der jetzigen Quartierbewohner.

Für die Grüne Münchensteinerin Isabelle Viva ist klar: «Die Gemeindeversammlung hat einen Betroffenheitsentscheid gefällt.» Denn die Anwohner der Hardstrasse hätten massiv mobilisiert, ohne diskutieren zu wollen. Mit ihrer Partei sammelt sie jetzt Unterschriften gegen die von der Gemeindeversammlung verabschiedete Vorlage. 500 sind nötig, damit das Volk an der Urne entscheiden kann.

Die Grünen sind mit ihrem Widerstand nicht allein, auch Lehrer des Gymnasiums Münchenstein wollen einen Volksentscheid erzwingen. Die Schule ist nämlich von der neuen Strasse direkt betroffen. Diese würde zwar nur über Boden führen, der der Gemeinde gehört. Der Park dient den Schülern aber als erweiterter Pausenhof. Für Viva steht fest: «Die ganze Schule ist gegen das Projekt.»

Schüler sammeln Unterschriften

Rektor Gabriel Hänggi ist kaum zurückhaltender. Das Referendum sei Sache der Münchensteiner, betont er zwar. Das Gymnasium werde sich deshalb zurückhalten, «aber ich verbiete es sicher niemandem, etwas gegen die Strasse zu unternehmen». Es gehe schliesslich «um unseren Park». Eine Strasse quer hindurch würde den «Schülerfluss» von der Tramhaltestelle zum Schulhaus erschweren, «dort ist es jetzt schon immer voll». Hänggi schliesst nicht aus, dass einige Lehrer und Schüler Unterschriften sammeln würden, «aber natürlich nicht im Auftrag der Schule». Einige Geschichtslehrer haben Hänggi sogar angekündet, die Vorgänge rund um die Strasse im Rahmen des politischen Unterrichts als praktisches Anschauungsbeispiel zu verwenden.

Kritik am Strassenprojekt kommt auch vom Baselbieter Heimatschutz. Die Strasse verschandle die Ehingervilla und den Park davor, sagt Präsident Ruedi Riesen. Zudem zerschneide sie die «markante Birshangkante». Das Gebäude aus dem Jahr 1832 gilt als typisches Beispiel für die Neu-Renaissance in der Schweiz. Viva ist überzeugt, dass die 500 Unterschriften für das Referendum «locker» zusammen kommen. Die SP sei gespalten, aber die FDP gegen das Projekt. «An der Urne gibt es dann zu hundert Prozent ein Nein», sagt Viva voraus.

Aber auch wenn das Münchensteiner Stimmvolk dem Projekt zustimmt, wird noch lange nicht gebaut. Der Kanton äusserte sich nämlich schon in der Vorprüfung kritisch. Neben dem Heimatschutz erachtet er den Grundwasserschutz als problematisch. Der Anschluss an den bereits stark belasteten Verkehrsknoten an der Baselstrasse sei heikel. Zudem könne die Hardstrasse den Mehrverkehr schlucken. Der Kanton empfahl der Gemeinde, das Projekt nicht mehr zu verfolgen – vergeblich. Vivas Vermutung: «Der Gemeinderat will die Strasse möglichst rasch bauen, damit die Quartierpläne für die neuen Überbauungen eine Mehrheit finden.»

Falls der Kanton nicht seine Meinung diametral ändert, dürfte er der Strassennetzplan nicht genehmigen. Und spätestens, wenn ein Baugesuch vorliegen sollte, dürfte der Heimatschutz den Rechtsweg einschlagen. «Wir würden sehr wahrscheinlich Einsprache gegen das Projekt erheben», kündet Riesen an. Dann werde auch das Gymnasium offiziell Stellung beziehen, kündet Rektor Hänggi an.

Gemeindepräsident Giorgio Lüthi (CVP) hatte vor der Gemeindeversammlung den Standpunkt vertreten, der Kanton verlange Verdichtung nach innen – eine Forderung, der Münchenstein mit den beiden Überbauungen jetzt nachkomme. Der Kanton müsse darum auch die Konsequenzen der Verdichtung zulassen, wie jetzt den Wegfall von Grünflächen zur Bewältigung des Mehrverkehrs.

Dem hält Riesen entgegen, dass der Kanton dafür der falsche Adressat sei. Die Gemeinde solle doch den Investoren auferlegen, mit den Folgen der Verdichtung umzugehen, «im Sinne einer Mehrwertabschöpfung». Das habe er als Stadtrat in Liestal erfolgreich getan.