Rutschmadame
Augenlächeln mit Mäskchen

Martina Rutschmann
Martina Rutschmann
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Den Ärger über die Maskenpflicht im ÖV kann Martina Rutschmann nicht nachvollziehen.

Den Ärger über die Maskenpflicht im ÖV kann Martina Rutschmann nicht nachvollziehen.

Peter Klaunzer / Keystone

Wie froh ich war, als ich Anfang Woche erfuhr, dass Roger Federer einen eigenen Turnschuh hat. Dieses kleine Glück habe ich meinen Landsleuten gegönnt, gebeutelt, wie diese waren. Von Italien aus, wo ich wider Erwarten weile, habe ich das Drama um die Maskenpflicht verfolgt. Der Bundesrat erdreistet sich, seinem Volk die Freiheit zu nehmen, mit einem sichtbaren Lätsch ins Drämmli zu steigen. Mein Beileid, hab ich über das Meer geschrien, Ihr bekommt Eure nackten Gesichter zurück, hab ich versucht, meine Landsleute aufzumuntern.

Offenbar braucht es mehr als Beileid im Wind, denn das Jammern hörte nicht auf, die Maskenpflicht wurde zum heftig diskutierten Thema, so leidenschaftlich hat man den Eidgenossen seit Tell nicht mehr erlebt. Meinen Schrei hab ich übrigens mit einem bunten Mäskchen in der Hand von mir gegeben, das ich zuvor am Markt hier in Italien gekauft habe. Auch dort, unter freiem Himmel, tragen alle «una mascherina», um sich und andere im Gedränge zu schützen, verrückt, nicht? Was soll’s, trag ich halt dieses Stückchen Stoff für eine halbe Stunde im Gesicht, wenn dafür das Leben weitergeht, lautet der Tenor.

Wer Brot kauft oder eine Salbe gegen Mückenstiche, eine Hose anprobiert oder in der Beiz den Tisch verlässt, trägt es selbstverständlich. Für die Salbe bedankt er sich, indem er mit den Augen lächelt. Von meinen Landsleuten erwarte ich nicht, dass sie sich in diesen düsteren Zeiten neue Freundlichkeiten aneignen, aber wie wäre es, sich im rudimentären Umgang mit dem Mäskchen ein Vorbild am südlichen Nachbarn zu nehmen?

Ihr wohnt nicht im Bus und schmeisst dort keine Dinner-Partys. Die Maske tragt Ihr, um sicher von A nach B zu kommen, wie einen Velohelm. Sie rasch hochzuziehen, um einen Laden zu betreten, tut nicht weh. Die Italiener schaffen es gar, dies elegant zu tun, locker und natürlich. Wagt einen Blick über den Alpenrand in ferne Länder, in denen Corona noch mehr wütet. Die Schweizer Grenze ist zwar sicherer als die Chinesische und die Mexikanische Mauer zusammen, das Virus aber ist schlauer als illegale Einwanderer. Wenn das alles nichts nützt, muss Roger Federer auf den Turnschuh wohl ein Mäskchen folgen lassen. Mit Tennisbällen auf dem Mund lächelt sogar der Schweizer mit den Augen.