Augusta Raurica
Dicker Betondeckel schützt die Artefakte der Römerstadt für die Nachwelt

Nach der Inbetriebnahme des Arbeits- und Forschungstrakts des neuen Sammlungszentrums wird jetzt an der Fertigstellung des Funddepots gearbeitet. Der Bau stellt die Fachleute vor eine ganz besondere Herausforderung.

Bojan Stula
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Endlich vernünftige Arbeitsbedingungen für die Forscherinnen und Forscher der Römerstadt: das neue Sammlungszentrum in Augusta Raurica.

Endlich vernünftige Arbeitsbedingungen für die Forscherinnen und Forscher der Römerstadt: das neue Sammlungszentrum in Augusta Raurica.

Bild: Kenneth Nars

Noch vor 15 Jahren herrschte dicke Luft zwischen der Römerstadt und der Gemeinde Augst. Das kantonale Archäologiegesetz verbot jegliche Neubautätigkeit auf dem Gebiet des antiken Augusta Raurica, die Gemeinde sah sich deswegen in ihren ehrgeizigen Wachstumsplänen ausgebremst. Erst als Römerstadt und Gemeinde 2012 gemeinsam ein Entwicklungskonzept vorstellten, welches Teile des Oberdorfs als Baugebiet ausschied, glätteten sich die Wogen. Mit einer besonderen Bauweise, dem «Bauen über den Ruinen», können seither Neubauten so angelegt werden, dass darunterliegende archäologische Artefakte weitgehend intakt blieben.

Die Probe aufs Exempel als Bauherrschaft macht die Römerstadt gleich selbst. Seit einem halben Jahr arbeiten die Forscherinnen und Forscher im neu erstellten Sammlungszentrum nahe des Tierparks im Südostteil der Römerstadt. Dabei müssen die modernen, hellen Arbeits-, Labor- Werkstätten-, Archiv- und Bibliotheksräume den einst container- und ungeziefermüden Angestellten wie das Elysium auf Erden vorkommen. Doch damit nicht genug: Nach dem rund 19,3 Millionen Franken teuren ersten Teil wird nun an der Fertigstellung der zweiten Bauetappe gearbeitet, die das danebenliegende neue archäologische Depot samt Werkhof zum Ziel hat. Dieser Teil des Gebäudekomplexes wird mit Kosten von 15,3 Millionen Franken veranschlagt.

Laufend unterirdische Messungen in den kommenden Jahren

Der Bau der zweiten Etappe des Sammlungszentrums ist bereits weit fortgeschritten.

Der Bau der zweiten Etappe des Sammlungszentrums ist bereits weit fortgeschritten.

Bild: Kenneth Nars

Wiederum gilt «Bauen über den Ruinen» als oberste Maxime. Das bisher landwirtschaftlich genutzte Terrain ist archäologisch kaum erforscht. Laut Römerstadt-Leiter Dani Suter haben jedoch Luftbilder und Georadar-Messungen unter dem Boden «wesentliche» Reste des einstigen Südostquartiers von Augusta Raurica nachgewiesen. Entlang der Strasse, die vor 2000 Jahren das Zentrum der Römerstadt mit dem Osttor und der Ausfallstrasse nach Vindonissa verband, seien einfache, längliche Häuser gestanden, «die vermutlich vom 1. bis ins 3. Jahrhundert nach Christus vorwiegend von Handwerks- und Gewerbetreibenden als Wohnbauten mit Ökonomieteil genutzt wurden».

Um nicht späteren Generationen die archäologische Erforschung dieser Strukturen zu verbauen, haben die Planer darum beim Sammlungszentrum zu einer ganz besonderen Baumethode gegriffen. Die beiden Industriegebäude kommen auf einer Aufschüttung zu stehen, auf der wiederum eine Bodenplatte aus Beton die Verankerung garantiert. «So konnten die Eingriffe in den Untergrund auf ein absolutes Minimum reduziert werden», stellt Suter fest.

Um auch die langfristigen Auswirkungen dieser Versiegelung auf den Untergrund zu erforschen, werden in den kommenden Jahren laufend Messungen durchgeführt werden. «Da bisher noch kaum Erfahrungsberichte zum ‹Bauen über den Ruinen› vorliegen und man nicht weiss, wie die Kulturschichten und Strukturen im Boden auf die Versiegelung durch eine darüberliegende Betonplatte und auf den Druck des darüber gebauten Gebäudes über die Jahre reagieren werden», führt Suter weiter aus, «werden zusammen mit dem Geotechnischen Institut Basel mittels Sondier-, Mess- und Überwachungstechniken die langfristigen Auswirkungen ab sofort und für die nächsten Jahre regelmässig beobachtet und ausgewertet.»

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