Augusta Raurica
Augusta-Raurica-Leiter: «Die Ratten sind nicht das Schlimmste»

Bald stimmt das Baselbiet über den Planungskredit für Augusta Raurica ab. Dani Suter, Leiter der Römerstadt, warnt vor Zusatzkosten, die bei einem Nein zum Sammlungszentrum anfallen.

Bojan Stula
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Prekäre Verhältnisse: Römerstadt-Leiter Dani Suter fiebert der Abstimmung am 9.Juni entgegen.

Prekäre Verhältnisse: Römerstadt-Leiter Dani Suter fiebert der Abstimmung am 9.Juni entgegen.

Kenneth Nars

Dani Suter, danke, dass Sie sich für dieses Interview über die Abstimmung am 9. Juni zur Verfügung stellen.

Dani Suter: Als direkt betroffener Angestellter des Kantons habe ich mit meinen Vorgesetzten vereinbart, dass ich zur Verfügung stehe, wenn ich angefragt werde, mich aber sonst nicht zur Abstimmung äussere.

Abstimmung Planungskredit

Am 9. Juni entscheidet das Baselbiet über einen Planungskredit von 1,65 Millionen Franken für ein neues Sammlungszentrum in Augusta Raurica. Damit sollen alle Probleme rund um die seit Jahrzehnten desolaten Arbeits- und Aufbewahrungsverhältnisse mit einem Neubau für etwa 34 Millionen Franken gelöst werden. Wegen der Finanzsituation des Kantons wird das Projekt etappiert. Zuerst sollen neue Arbeitsplätze, Werkstätten, Labors, Archive und ein Werkhof entstehen. Die Fundstückdepots sind zurückgestellt worden. Das hauptsächlich von SVP und FDP getragene Referendumskomitee verwirft die Lösung als zu teuer. (bos)

Wie ist augenblicklich die Stimmung unter Ihren Mitarbeitern?

Ziemlich angespannt. Schliesslich ist es das erste Mal, dass das Baselbiet über Augusta Raurica abstimmt.

Was macht Ihre Mitarbeiter so nervös?

Dass wir dem Stimmvolk unseren Standpunkt nicht genügend klar darlegen können. Alle, mit denen wir reden, zeigen Verständnis für die Vorlage. Aber für all jene, die bloss vom gegnerischen Komitee hören, dass das gleiche Projekt für die Hälfte der Kosten zu haben wäre, könnte ein Nein verlockend sein.

Wie können Sie am prägnantesten Ihre Sache aufzeigen?

Wir haben gerade 30 000 Franken für das Abdichten des lecken Daches eines über 30 Jahre alten Containers ausgegeben. Das schmerzt mich einfach. Momentan gibt der Kanton 450 000 Franken im Jahr für alte Baracken und Provisorien aus, was sehr viel Geld für derart schlechte Arbeits- und Aufbewahrungsverhältnisse ist.

Dass es bei Ihnen in die Büros hineinregnet und sich ab und zu Ratten herumtummeln, ist ja bekannt. Doch die Gegner des Planungskredits sagen, dass es für die Aufbewahrung alter Steine keine Luxuslösung braucht.

Für die Sammlungsobjekte sind die Ratten nicht das Schlimmste. In den jetzigen Depots haben wir einen Pilzbefall, und wir müssen mit den Folgen von Wassereinbrüchen umgehen. Auf Steinen verschwinden die Inschriften, Wissen geht also verloren. Wir reden nicht von einer Luxuslösung, sondern von einem Neubau nach Minergie-Standard, der dank einer ausgeklügelten Belüftung nicht nur optimale Aufbewahrungsverhältnisse für unsere kostbaren Fundstücke bietet, sondern dem Kanton auch auf Jahre hinaus enorme Energiekosten einsparen wird. Es geht um eine der weltweit wertvollsten Fundsammlungen und ein wertvolles Archiv, das tagtäglich benützt wird. Es ist ein unschätzbares Baselbieter Kulturerbe. Wir müssen die Abstimmung auch als Chance begreifen aufzuzeigen, was Augusta Raurica dem Baselbiet alles zu bieten hat. Beispielsweise unser Wissensarchiv der Bevölkerung besser zugänglich zu machen.

Das ist doch gerade der Punkt: Es geht um ein Sammlungszentrum und Arbeitsplätze, die abseits vom Publikumsverkehr stehen werden.

Aber dank dieses neuen Sammlungszentrums können wir den Wissenstransfer von der wissenschaftlichen in die Publikumsarbeit sicherstellen, von dem unsere Besucher profitieren. All unsere Familien-Workshops, die aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse entwickelt worden sind, sind ausgebucht. Wir spüren tagtäglich, wie sehr die Baselbieter Bevölkerung von der Geschichte Augusta Rauricas fasziniert ist. Diese Geschichte ist noch nicht fertig erzählt. So basiert unser neuster Workshop zum Thema «Lesen und Schreiben» auf einer im vergangenen Jahr erschienenen Dissertation. Basis dieser Arbeit sind Fundstücke, die bereits seit 70 Jahren in unseren Depots unausgewertet aufbewahrt werden. Unser Archiv wird auch regelmässig von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrlingen im Rahmen von Projektarbeiten genutzt.

Ebenso sagen Ihre Gegner, dass im Schnitt 500 Franken für einen neuen Arbeitsplatz zu viel sind.

Wir reden hier nicht von gewöhnlichen Büroarbeiten, sondern es geht vor allem um Arbeitsplätze für Handwerker, Restauratorinnen und Zeichner, die für ihre Alltagsarbeit entsprechende Instrumente und Werkzeuge brauchen. Momentan haben wir nicht einmal einen Werkhof für unsere Fahrzeuge. Schon früher wurde die Einmietung in gewöhnliche Bürogebäude, etwa bei Valora in Muttenz, geprüft, aber als zu teuer und nicht nachhaltig verworfen. Entscheidet man sich für eine Mietlösung, muss man zuerst einen teuren Innenausbau finanzieren.

Sie klingen bis zu einem Grad verärgert.

Bei dieser Abstimmung komme ich mir vor, als ob man den Sack schlägt und eigentlich den Esel meint. Wer behauptet, dass der Kanton zu teuer baut, soll die Investitionspolitik des Kantons ändern und nicht an Augusta Raurica ein Exempel statuieren.

Gehen wir zunächst vom für Sie schlimmeren Fall, einem Nein zum 1,6-Millionen-Planungskredit für das Sammlungszentrum aus. Was würde das bedeuten?

Bei einem Nein wären 15 Jahre Vorarbeiten für die Katze gewesen, und wir müssten zurück auf Feld eins. Dann müssten wir wieder mit externen Architekten das Raumprogramm analysieren, ein anderes Projekt planen und eine neue Parlamentsvorlage ausarbeiten. Das kostet wiederum viel Geld, bindet Kräfte und widerspricht dem Weg, den der Landrat beschreiten wollte.

Und im positiven Fall?

Das wäre wie ein Befreiungsschlag, der Raum und Kraft für neue Ideen schaffen würde. Wir haben in den vergangenen Jahren viel erreicht: Die Beziehung zur Gemeinde Augst hat sich normalisiert. Das Entwicklungskonzept ist auf gutem Weg. Das neue Sammlungszentrum wäre ein weiterer Meilenstein. Und wenn erst einmal alle Baracken und Provisorien weg sind, erschliessen sich uns noch viele weitere Möglichkeiten.