Mitgliederschwund
Aus für die Raurachischen Geschichtsfreunde

Wegen einer Überalterung des Vorstands und einem markanten Mitgliederschwund löste sich die Gesellschaft auf.

Dimitri Hofer
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1928 haben die Raurachischen Geschichtsfreunde erstmals den «Rauracher» publiziert. Dieser war bis 1949 Gesellschaftsorgan.

1928 haben die Raurachischen Geschichtsfreunde erstmals den «Rauracher» publiziert. Dieser war bis 1949 Gesellschaftsorgan.

zvg

Als die Mitglieder Mitte Mai den Gasthof zur Mühle in Aesch verliessen, existierte ihre Organisation nicht mehr. Die Gesellschaft Raurachischer Geschichtsfreunde ist Geschichte: An der Generalversammlung hat sie sich nach 90 Jahren aufgelöst. Nur gerade einer der wenigen Anwesenden in Aesch stimmte dafür, weiterzumachen.

Still und leise ist die altehrwürdige Einrichtung von der Bildfläche verschwunden. «In der Blütezeit der Gesellschaft in den Sechzigerjahren hatten wir 665 Mitglieder. Heute sind es noch 111 Männer und Frauen», bringt es Pierre Gürtler, Obmann der Rauracher, auf den Punkt. In seinen Worten schwingt neben ein wenig Wehmut auch viel Realismus mit. Nach dem Laufentaler Jahrbuch, bei dem er zu den Herausgebern gehörte, ist es mit den Geschichtsfreunden bereits das zweite langjährige Projekt, das er aufgeben musste.

Keine Nachfolger

Das Laufentaler Jahrbuch erschien 1986 erstmals und enthielt neben Statistiken zu den Laufentaler Gemeinden auch viele Geschichten aus den 13 Ortschaften. 2015 kam die letzte Ausgabe des Hefts heraus, das im Laufental von Tür zu Tür verkauft wurde. Seither konnten Gürtler und seine drei Mitherausgeber keine Nachfolger finden. «Zahlreiche Personen bedauerten, dass es das Jahrbuch nicht mehr gibt. In unsere Fussstapfen wollte jedoch niemand treten.» Er habe nur noch wenig Hoffnung, dass das Jahrbuch eines Tages wieder erscheinen wird.

Der Hauptgrund für die Einstellung der beiden Projekte war derselbe: eine Überalterung der Verantwortlichen. «Ich stelle fest, dass sich viele jüngere Leute nicht mehr über längere Zeit engagieren möchten», sagt Gürtler. Ein Interesse an Lokalgeschichte sei in der Bevölkerung zwar weiterhin vorhanden.
Eine Gesellschaft wie die Rauracher erachte er aber nicht mehr als richtige Form, um Menschen für Geschichte zu begeistern. «Heute kann man vor allem mit Events Erfolg haben», ist er überzeugt. Als Beispiel nennt er den einmal pro Jahr stattfindenden Internationalen Museumstag, an dem auch im Raum Basel viele Museen mit besonderen Aktionen teilnehmen.

Bei den Veranstaltungen, welche die Rauracher in den vergangenen Jahren organisierten, seien jeweils nur der Vorstand und eine Handvoll Personen anwesend gewesen. «Das ist schon ein wenig demotivierend», gibt Gürtler zu. Die Gesellschaft besuchte Museen, blickte hinter die Kulissen des Theaters Basel und unternahm Ausflüge in der ganzen Region. Der Name der Gesellschaft geht auf den keltischen Volksstamm der Rauracher zurück, der einst im Gebiet der Nordwestschweiz lebte.

Die Gründer der Gesellschaft Raurachischer Geschichtsfreunde stammten meist aus dem Birseck. Die zuletzt verantwortlichen Personen sind hingegen allesamt im Laufental und dem Schwarzbubenland zu Hause. Kulturschaffenden aus diesen beiden Regionen verliehen die Rauracher einen mit 2000 Franken dotierten Kulturpreis. Auch er wird mit den Geschichtsfreunden verschwinden.

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