Oberdorf
«Aus Kostengründen würde sich eine Fusion durchaus lohnen»

Da die Firma Synthes ihren Sitz verlegt hat, muss das Dorf den Gürtel enger schnallen. Der Gemeinderat will bei der Gemeindebibliothek den Sparhebel ansetzen – eine Petition soll das verhindern.

Dimitri Hofer
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Die Gemeindebibliothek muss wohl ihren Bestand reduzieren oder sogar dicht machen.

Die Gemeindebibliothek muss wohl ihren Bestand reduzieren oder sogar dicht machen.

Roland Schmid

Oberdorf muss den Gürtel enger schnallen. Die Steuereinnahmen sinken, weil die Firma Synthes ihren Sitz verlegt hat. Auch der kantonale Finanzausgleich spült weniger Geld in die Kassen. Also muss die Gemeinde das Budget um rund eine halbe Million kürzen, damit der Haushalt des Dorfes im Waldenburgertal im Gleichgewicht bleibt.

Wo genau man den Rotstift ansetzen könnte, prüfte eine Arbeitsgruppe. Auch der Gemeinderat hat an seinen Sitzungen mehrfach darüber diskutiert, an welchen Orten er sparen könnte. Dabei debattierte er unter anderem über die zukünftige Form der Gemeindebibliothek, berichtet Gemeinderat Piero Grumelli. Er gibt zu, dass man laut darüber nachdachte, die Bücherei zu schliessen. Gegen die Idee regte sich Widerstand, und knapp 500 Menschen unterschrieben eine Petition mit dem Ziel, die Bibliothek zu erhalten. Zwei Drittel davon stammen aus Oberdorf, die meisten restlichen Personen aus den umliegenden Gemeinden.

Geplante Abstriche beim Personal

Die Bibliothek, die der gesamten Bevölkerung zur Verfügung steht, sei sehr beliebt, betont Vivian Bauen, Präsidentin der Oberdörfer Bibliothekskommission. «Würde der Gemeinderat sie schliessen, müsste unsere Kundschaft nach Liestal in die Kantonsbibliothek», sagt sie. Ihr Kommisssionkollege Grumelli hebt zudem die grosse Bedeutung der Bücherei für die Integration von Ausländern hervor: Man könne Migranten mit den dortigen Medien an die deutsche Sprache heranführen.

In die Gemeindebibliothek ist die Bibliothek der Primarschule integriert, die in keinem Fall zugehen wird. Die Gemeinde sei verpflichtet, eine Primarschulbibliothek zu führen, erklärt Grumelli. Ein Zusammenschluss der gesamten Bibliothek mit dem lediglich hundert Meter entfernten Lesezentrum der Sekundarschule Waldenburgertal habe man geprüft. Doch das mache keinen Sinn. Die beiden benachbarten Bibliotheken seien total unterschiedlich ausgerichtet.

Kritik an Gemeinderat

«Aus Kostengründen würde sich eine Fusion durchaus lohnen», sagt Gemeindepräsident Ewald Fartek. Überhaupt handle es sich bei der diskutierten Schliessung nur um eine von drei Varianten. Sie hätten darüber gesprochen, die Gemeindebibliothek aufzulösen, im jetzigen Zustand weiterzuführen oder zu reduzieren. Die Petition bezeichnet er als «Sturm im Wasserglas». Er hätte sich gewünscht, dass die Initianten vor der Lancierung der Petition mit dem Gemeinderat gesprochen hätten. Für Vivian Bauen war die Kommunikation zwischen der Gemeindebibliothek und dem Oberdörfer Gemeinderat während des ganzen Prüfungsprozesses mangelhaft. «Ich habe immer nur gehört, dass man die Bibliothek schliessen will.» Dass der Gemeinderat auch andere Vorschläge diskutierte, war ihr nicht klar.

Der Gemeinderat entschloss sich für die Variante die Gemeindebibliothek weiterzuführen, aber die Ausgaben zu reduzieren. Er wird den Stimmberechtigten den Sparvorschlag an der Budget-Gemeindeversammlung im November vorlegen. Die Bibliothekskommission muss dann entscheiden, wo sie die allenfalls sparen will.

Auf dieses Vorhaben des Gemeinderats angesprochen, reagiert Kommissionspräsidentin Bauen überrascht. Davon, dass man der Bibliothek die Mittel kürzen will, wisse sie nichts. Es scheint, dass der Austausch in Oberdorf noch immer nicht funktioniert.